Als ich junge Oma wurde oder Die BESTE die ich sein kann – Gastbeitrag von Jacqueline Krüger


Wie fühlt es sich an, jung Oma zu werden?  Eine junge Oma zu sein, in einem Alter, in dem andere Frauen noch durchaus selbst Kinder bekommen? Ich (Béa) habe mich das schon öfters gefragt, denn meine Tochter Carina ist jetzt schon älter als ich war, als ich sie bekommen habe, wie ich ihr manchmal sage (naja, kein Druck!)… Es könnte, rein theoretisch, auch mir so etwas blühen.

Und dann schickte mir Leserin Jacqueline Krüger diesen Text, und schon beim ersten Lesen trieb es mir Tränen in die Augen. Wie wunderschön! Lest selbst…

Als ich Oma mit 46 wurde  – oder –
Die BESTE die ich sein kann

Ich wurde kürzlich erst Schwiegermutter und dann Oma. Mit 46 Jahren fühlte ich mich irgendwie noch nicht vorbereitet. Meine Gedanken dazu habe ich hier aufgeschrieben. Und würde gern wissen: Geht es anderen vielleicht ähnlich?

„Hallo Oma!“ – dürfen die das? Möchte ich das?

Seit bekannt wurde, dass mein Sohn und meine Schwiegertochter mich zur „Oma“ befördern werden erreicht mich täglich die Frage: „Und, wie fühlst du dich als Oma?“ Seit unser Sonnenschein auf der Welt ist, werde ich begrüßt mit den Worten: „Hallo Oma!“.

Dürfen die das? Möchte ich das? Irgendwie nicht. Und wie fühle ich mich denn nun? Welche Antwort ist die Richtige? Was wird erwartet von mir? Und wie muss man sich denn fühlen? Gibt es ein größeres Geheimnis, das sich mir noch nicht eröffnet hat?

Schwiegermutter zu werden bzw. zu sein, fand ich schon sehr aufregend.

Irgendwie beängstigend, befremdlich. Man liest nur böse Sachen über die verhasste Schwiegermutter. Von Schwierigkeiten mit der Schwiegertochter. Was für eine Schwiegermutter kann ich sein? Was wird von mir erwartet? Da ist es wieder: die Erwartungshaltung. Jeder hat eine andere. Die Kinder, die Familie, die Freunde, die Bekannten und das restliche Umfeld. Jeder hat eigene Erfahrungen, andere Ansichten. Auch ich habe Erfahrung mit Schwiegermüttern, gute und weniger gute. So ist das im Leben. Ich stellte mich also der Frage: „Was für eine Schwiegermutter willst/kannst du sein?“ Die Antwort darauf ist einfach: Die Beste die ich sein kann!

Ich bin Ich, mit all meinen Ecken, Kanten und Rundungen. Meine Kinder bleiben meine Kinder, sie kennen mich und lieben mich genauso wie ich bin und immer war! Ich brauche mich nicht ändern, darf ich selbst bleiben. Ein beruhigender Gedanke – Entspannung stellt sich ein. Ich bin wieder Ich, habe meinen Halt zurückgewonnen, Ruhe wieder in meiner Mitte.

Mein Rollenvorbild für eine Oma ist leider nicht mehr da

Doch nun stellt sich die nächste Aufgaben an – ich soll „Oma“ werden – und wieder ist sie da – die Erwartungshaltung, die Ratlosigkeit. Vor 50 Oma werden ist nicht ungewöhnlich, meine Mutter war sogar noch jünger als ich und sie war die leidenschaftlichste und liebevollste Oma, die man sich nur vorstellen kann! Vollkommen unorthodox und genauso faltenfrei. Allerdings war sie sehr begabt in Handarbeiten. Leider ist sie sehr früh gegangen, so dass ich sie auch nicht um Rat fragen kann, wie es für sie war! Nun soll ich in ihre Fußstapfen treten, in verdammt Große übrigens.

Aber mein Entschluss steht fest: So eine Oma will ich sein! Die Beste, die ich sein kann! Theoretisch zumindest, macht das erstmal Sinn und beruhigt. Ich freue mich auf die Aufgabe, die da auf mich zukommt, und bin froh, dass ich noch so jung bin. Das eröffnet mir so viele Möglichkeiten, die ich als „alte“ Oma nicht hätte. Kinder sind etwas wunderbares, ich habe noch nichts vergessen aus der Zeit als meine Schätze noch klein waren. Nicht ihren Geruch, ihre Einzigartigkeit und das unendlich warme Gefühl der Liebe die ich vom ersten Augenblick an für sie empfand. Dennoch, mit ein bisschen Angst im Herzen erwarte ich gespannt die erste Begegnung mit meiner „Enkelin“.

„Enkelin“ – irgendwie fremd, das Wort

Es macht mich alt. Ich verbinde es mit Gebrechlichkeit, grauem Haar, Falten, zittrigen Händen und gestrickten Socken. Das passt nicht zu mir. Ich bin jung, fast faltenfrei, gefärbt (weil ich nicht zu meinem grauen Haar stehen will), kann nicht stricken und strotze vor Tatendrang. Es gibt noch so vieles zu entdecken, so vieles was ich noch nicht gesehen und erlebt habe. Und jetzt? „Oma“… „Enkelin“…

Ich fiebere dennoch, wie es sich für eine ordentliche „Mutter“ gehört, mit den Eltern mit, leide mit jeder Wehe mit, will helfen – Gott sei Dank – sie lassen mich. Das tut gut, das kann ich, das kenne ich, und es bekämpft das Gefühl des „Aussenvorseins“- ich fühle mich als Teil der Geschichte, bin eingebunden. Hier kann ich „etwas“ tun, das ist mir vertraut – darin bin ich gut!

Aber fühle ich mich schon als „Oma“? Nein, die „Mutter“ ist immer noch präsent und stark. Von „Oma – Gefühlen“ keine Spur. Dann ist er da, der Moment auf den wir sooo lange gewartet haben – SIE ist da!!! Mit zitternden Knien und flauem Magen fahre ich, viel zu früh ins Krankenhaus.

Ich fühle mich seltsam, fremd, ferngesteuert.

Was ist, wenn ich das Kind sehe und „gar nichts“ fühle? Bei den eigenen Kindern stellte sich die überwältigende Mutterliebe beim ersten Blick in ihre winzigen Gesichter spontan ein. Aber es hatte ja auch 10 Monate Zeit gehabt in mir zu wachsen. Dies ist anders. Das ist keine Freundin für die man sich von Herzen freut, nicht das süße Baby der Nachbarin – dies ist DEIN Fleisch und Blut, das ist mehr! Viel mehr! Deine Familie, der lebende Beweis, dass das eigene Kind irgendwie erwachsen ist. Es katapultiert mich mit Macht in die letzte Reihe.

Wie wird „es“ aussehen? Werde ich „es“ mögen? Wird „es“ MICH mögen? Werde ich mein eigenes Kind oder sogar mich selbst darin sehen können? Oder sieht es aus wie die Schwiegertochter, wie die „andere“ noch fremde Familie? Geht das überhaupt, ein Kind mit der gleichen Intensität wie die Eigenen lieben, obwohl man es nicht selbst geboren hat?

Himmel, dieses verdammte „Oma-Gefühl“ will sich aber auch ums Verrecken nicht einstellen.

Woran erkenne ich es? Gibt es einen Plan B? Tja, und dann stehe ich da, meine Hände umklammern das mitgebrachte, liebevoll ausgesuchte Geschenk. Ich sehe meinen Sohn – so schön, so stark und so glücklich. Meine Schwiegertochter mit den leuchtenden, strahlenden Augen und da ist „ SIE“ – die Enkelin. Der Name noch fremd. Ein kleines Bündel wird mir von den stolzen Eltern in die Arme gedrückt. Erwartungsvoll sehen sie mich an.

Ich sehe in ihr winziges Gesicht, die Minifäustchen geballt, ein winziger Haufen Mensch.

MEINE Enkelin! Die schönste aller Enkelinnen auf dieser Welt! Ganz sicher hat noch niemand jemals eine so wunderschöne Enkelin gehabt wie ich. Ich liebe sie, vom ersten Augenblick unserer Begegnung! Alle Ängste sind verflogen, mein Herz quillt über vor Stolz und Glück- ich bin Oma! Eine richtige echte Oma – ohne Falten und ohne Stricktalent- aber: Eindeutig eine echte Oma!

Die BESTE die ich sein kann!

Liebe Grüße
„Oma“ Jackie

Also: Geht es anderen vielleicht ähnlich? Jackie und ich freuen uns über Kommentare und Erfahrungen!

Liebe Grüße auch von mir,
Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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7 Kommentare

Hanna
Antworten 15. Januar 2017

So ein schöner Text!
Meine Mama wurde auch früh Oma und ich habe mich nie gefragter wie sich das für sie anfühlt. Irgendwie war ich mehr damit beschäftig herauszufinden, wie es sich für mich anfühlt Mama zu werden...

Es ist total spannend das zu lesen!

Gerlinde Backer
Antworten 15. Januar 2017

Ein toller Text und ich habe so viel darin wiedergefunden. Auch ich bin früh Oma geworden und nun mit 55 schon fast 6fache Oma! Es ist toll so früh Oma zu sein und es richtig geniesen zu können. Rumtollen, spielen und alles das machen was Omas so machen, aber ohne den Druck, den Eltern haben. Mit der Erfahrung der eigenen Mutterschaft und doch wieder neu. Ich liebe jedes meiner Enkelkinder, ob leiblich oder angeheiratet und freue mich wenn sie da sind.
Wenn man gebraucht wird, kann man unterstützen und helfen, ohne große Gedanken, einfach aus den eigenen Erfahrungen heraus.
Und mit einem kleinen Augenzwinkern, ist es lustig, wenn die eigenen Kinder, jetzt durch Ihre Kinder, das gleiche erleben wie wir damals.
Es gibt einfach nichts schöneres als jung Oma zu werden. Dadurch ist man nicht alt, sondern man bleibt jung!

Gaby
Antworten 18. März 2017

Auch ich bin eine nicht sehr alte Oma und sehr, sehr glücklich damit:
http://motherbook.de/ein-neuer-stern-an-unserem-familienhimmel-bringt-mich-in-eine-neue-dimension/

Anja (52J.)
Antworten 12. August 2017

Hallo an alle jungen Omas....
Ich bin auch mit 46 Jahren Oma gewordenn und ich bin gerne Oma und ich werde auch gerne Oma genannt. Mittlerweile habe ich drei supertolle Enkel und kann nur sagen - Enkel sind das Dessert des Leben! Und wenn man jung ist kann man viel mit den Enkeln unternehmen!

Omama
Antworten 27. Dezember 2017

Toller Text!
Ich bin mit 37 Oma geworden, meine Tochter war da gerade 18 und somit ein Jahr jünger, als ich Mama wurde. Sie macht ihre Ausbildung zu Ende, ich bin Halbtags-Omi. Somit hab ich eher ein mütterliches Verhältnis zu meinem Enkel. Das ist manchmal anstrengend, aber meistens einfach nur schön! Ich liebe ihn wie mein eigenes Kind, bin mir aber trotzdem bewusst, dass ich "nur" die Oma bin.
Jung Oma werden? Das ist kein Alterungsprozess! Es ist ein neuer toller Abschnitt im Leben.

    Ina
    Antworten 17. Februar 2020

    Ich würde mit 43 Oma. Meine Tochter war 17. Einen echten Vater gibt es nicht, nur einen Erzeuger, der sein Kind noch nie sehen wollte.
    Unsere Tochter lebt mit unserem Enkl bei uns im Haus, was auch immer wieder zu Spannungen führt. Ich habe auch nach 5 Jahren noch nicht in meine Rolle gefunden, ich bin Oma aber da sie viel bei uns ist muss ich auch oft den Part einer Mama übernehmen. Ich arbeite 60%Teilzeit und meine Tochter 80%. Diesen Spagat finde ich sehr schwer. Meinem Mann gelingt es leichter, er ist mit ganzen Herzen Opa.Ina

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