„Stehen Kinder in der Schuld ihrer Eltern, nur weil sie von ihnen großgezogen wurden?“


Das Wort Schuld lässt sich in verschiedenen Kontexten finden. Leiht uns jemand Geld, schulden wir es ihm daraufhin. Aber wie sieht es mit der Erziehung aus? Stehen Kinder in der Schuld ihrer Eltern, nur weil sie von ihnen großgezogen wurden?

Neulich erreichte uns die Nachricht einer Tollabea Leserin:


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Ich lese schon sehr lange die tollen Beiträge und die Haltungen und Ratschläge kommen mir sehr vernünftig vor. Daher möchte ich wissen, was ihr zu dieser Frage denkt: „Stehen die Kinder in der Schuld ihrer Eltern, nur weil sie von ihnen großgezogen wurden? Und wie groß ist diese Schuld?“

Uff, ein ganz schön schweres Thema findet ihr nicht? Die FB Community hatte jedenfalls eine ganze Menge zu sagen. Bevor ich jedoch auf die Meinung der Schwarmintelligenz eingehe, möchte ich vorher meine eigene mit euch teilen.

Kinder haben keinen Einfluss darüber, ob sie geboren werden oder nicht.

Die Entscheidung, Leben in die Welt zu setzen, ist die der Eltern. Fortan schulden Kinder ihren Eltern nichts, denn sie haben nicht darum gebeten, auf die Welt zu kommen.

Nun richtet sich die Frage auch um das Thema Erziehung und diese ist oftmals mit der viel Geduld, Mühe, Arbeit und Liebe verbunden. Ich würde die Frage daher so beantworten, dass ich meinen Eltern nichts schulde, aber dankbar für ihre mühevolle Erziehung bin. Dankbarkeit ja – Schuld nein.

Nun zu euren Meinungen:

„Stehen Kinder in der Schuld ihrer Eltern, nur weil sie von ihnen großgezogen wurden?“

Aus der Perspektive einer Tochter ja!

Angelika Breuer
Als Mutter sage ich nein, aber als Tochter bin ich mir nicht sicher, ich würde es nicht unbedingt Schuld nennen, aber tiefe Dankbarkeit und natürlich fühle ich mich für meine Mutter mit verantwortlich – auch wenn sie das sicher anders sieht.

Nein, aber Dankbarkeit ist trotzdem erwünscht!

Andrea von Berlin
Nein, meine Kinder stehen nicht in meiner Schuld, aber ich würde mich freuen, wenn sie trotzdem gerne vorbeikommen und im Alter alles Denkbare dafür tun, dass ich gut versorgt bin. Das heißt nicht, dass ich möchte, dass sie mich pflegen (das würde ich ihnen nicht aufbürden wollen), aber eine gute Pflegestätte für mich suchen und ab und an nach mir schauen. Das wäre schon schön.


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Keine Schuld, aber Verantwortung für ein soziales Miteinander.

Kathleen Sitte
Schuld nicht, aber Verantwortung je nach moralischem Blickwinkel schon. Die Menschheit hat seit Jahrtausenden nur deshalb überlebt, weil Generationen füreinander eingestanden haben. Ich weiß nicht genau, worauf die Frage abzielt, ob es nur darum geht, dass Kinder dankbar sein sollen für die Tatsache, auf der Welt zu sein und alles Notwendige erhalten zu haben (oder eben nicht), oder ob es darum geht, dass man für seine Eltern finanziell und auch in jeglicher anderer Hinsicht da ist, wenn sie bedürftig werden, so wie sie da waren, als man selbst bedürftig war. Letzteres empfinde ich als wichtig, weil soziales Miteinander nur so funktioniert.

Kein klares Ja oder Nein

Babsy Müller
Kinder stehen niemals in der Schuld der Eltern, weil sie auch nie gebeten haben geboren zu werden. Wir Eltern haben uns für unsere Kinder entschieden. In meiner Familie ist es auch immer ein Geben und Nehmen, weil wir uns bedingungslos lieben und schätzen.

Meine Eltern hatten die Verantwortung für mich und ich habe sie jetzt für meine Mädels, aber auch wenn meine Eltern alt werden und sich nicht mehr selbst versorgen können, werde ich als direkte Angehörige Verantwortung haben. Wenn sie selbst nicht mehr entschieden können, werde ich dies für sie übernehmen. Aber auch im Gesetz, stehe ich in der Schuld, in Rahmen meiner Möglichkeiten für die Unterbringung oder Pflege zu zahlen, bevor die Sozialkasse hilft. Das Thema ist also nicht so einfach zu beleuchten. Aber auch hier ist nicht von Schuld die Rede sondern von Verantwortung für seine Angehörigen.

Warum überhaupt „Schuld“?

Melanie Freudenberger
Schuld ist in diesem Zusammenhang einfach das komplett falsche Wort.
Ich persönlich habe, seit ich Kinder habe, vermehrt das Bedürfnis, meinen Eltern etwas von dem zurückzugeben, was sie für mich getan haben.

Soweit eure Meinungen, ob Kinder in der Schuld ihrer Eltern stehen, nur weil sie von ihnen großgezogen wurden!

Ich würde sagen, dass jede einzelne dieser Antworten in Richtung Nein tendiert und zusammenfassend zu sagen ist, dass das Wort „Schuld“ nicht der passende Begriff für dieses Thema ist. Verantwortung, vielleicht. Dankbarkeit auch – aber auch das alles ist keine Verpflichtung. Denn genau das ist Schuld: Eine Verpflichtung!

Habt ihr weitere Ergänzungen? Habt ihr vielleicht sogar eine völlig andere Meinung?

Liebe Grüße
Mounia

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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2 Kommentare

Steph
Antworten 24. Dezember 2020

Ich finde die bisherigen Antworten gehen wahrscheinlich mehr oder weniger von guten Familienbeziehungen/ Verhältnissen aus. Aber wenn man durch seine Eltern traumatisiert wurde und dadurch auch als erwachsene Person noch zahlreiche schwerwiegende Auswirkungen hat, ist die Sache mit der Dankbarkeit, Verantwortung, Schuld aus einem ganz anderen Blickwinkel gesehen. Schwierig.
Und leider gibt es von Erwachsenen, die durch ihre Eltern Bindungsstörungen, Entwicklungstraumata, Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung etc. “entwickelt haben, sehr sehr viele.

lena
Antworten 26. Dezember 2020

Ich sehe das wie Steph, wenn man aus einer nicht so heilen Familie kommt ist das komplizierter. Ich glaube: Wer von seinen Kindern eine Schuld einfordern muss hatte vermutlich vorher schon ein eher mäßiges Verhältnis zu den Kindern. Wenn man alles halbwegs "richtig" gemacht hat, kommen sie von alleine und unterstützen oder sind dankbar. Aber auch Dankbarkeit einfordern finde ich falsch.

Am Ende habe ich meine Kinder bekommen, weil ich es so wollte und nicht weil ich mir dafür etwas von ihnen erwarte oder erhoffe. Diese Sache das Kinder zur Dankbarkeit verpflichtet werden oder Verantwortung gezogen werden finde ich persönlich daher grundlegend falsch. Man sollte sich dessen im Klaren sein, das Elternschaft eine Einbahnstraße bleiben wird und das die Kinder vielleicht irgendwann weg sind. Dann darf man zwar enttäusch und traurig darüber sein, aber ihr gutes Recht ist es dennoch von den Eltern frei zu leben. Genauso wenig wie man nicht gutes tun sollte damit man dafür belohnt wird, sondern weil es das richtige ist zu tun, sollte man eben auch Kinder bekommen, weil man es will, nicht weil man sich dafür eine gute Rentenabsicherung erhofft.

Umso wertvoller sind die Familien in denen der Zusammenhalt ohne diesen Zwang funktioniert.

Auch das wir staatlich eine Schuldsituation für die Kinder zur Pflege schaffen ist für so manche äußerst bitter: z.B. wenn man den missbrauchenden Vater auf einmal finanzieren muss oder die Mutter die einen komplett vernachlässigt hat versorgen soll. So manche Kinder schaffen es trotz schlechter Eltern zu guten Erwachsenen zu werden, das haben sie aber nicht allein dem Umstand geboren worden zu sein zu verdanken.

Dieser Artikel umfasst leider nur einen Teil der Gesellschaft und äußerst geerdete Kommentatoren, die da mit sich im reinen sind. Das ist leider nicht die Regel, sondern eher die Ausnahme.

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