Was bedeutet es, mutig zu sein?


Was ist Mut? Wie definieren wir ihn? Was bedeutet es, mutig zu sein? Um all diese Fragen – von Ängsten, die es zu überwinden gilt, bis hin zu Mutproben – soll es in diesem Beitrag gehen!

Was ist mutig?

Wir lernen schon von klein auf, was es bedeutet, mutig zu sein, und doch fällt es mir selbst heute schwer, eine ordentliche Definition für das Wort Mut zu finden. Das ist glaub ich oft so, mit Dingen, die man nicht greifen kann. Jede:r war schonmal in der Lage, seinen Mut zu beweisen, und fast alle mussten sich einmal den sogenannten Mutproben stellen. Aber was bedeutet es, mutig zu sein? Gibt es eine allgemeine Definition oder ist das „Ansichtssache“? Gibt es ein „richtig“ und „falsch“ in dieser Debatte?


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Fangen wir mal ganz anders an:

Wann wart ihr zuletzt so richtig mutig?

Bei mir liegt es ein Jahr zurück. Ich hatte eine Bewerbung an einen Verlag geschrieben und musste nur noch auf Senden klicken. Doch die Ängste bremsten mich und das Gedankenkarusell ging von Neuem los.

Was, wenn ich wieder nur Absagen kassieren würde? Was, wenn meine Bewerbung es nicht einmal wert wäre, etwas darauf zu erwidern? Was, wenn sie niemand lesen würde, und all die Mühe umsonst wäre? Und überhaupt stünden die Chancen total gering, dass sie mich nehmen würden? Was tat ich hier überhaupt?

Dennoch schaffte ich es nach wiederholtem Überfliegen der Nachricht auf Senden zu klicken. Nur ein kleiner Klick, und doch hat er mich so viel Überwindung gekostet. Denn das ist es, was den Mut ausmacht.

Mut = Etwas überwinden

Wir zögern vor den Dingen, für die wir mutig sein müssen. Etwas, das uns keine Angst macht, erfordert auch keinen Mut. Demnach geht es nicht um das Ereignis an sich (zum Beispiel auf der Bühne stehen und frei reden), sondern um die Furcht, die damit einhergeht. Mir würde es sehr viel Mut abverlangen, Fallschirm zu springen, wobei es für meine Schwester ein Klacks wäre, da sie sich gar nicht überwinden müsste.

Deshalb können auch die banalsten Dinge den eigenen Mut erfordern. Gespräche zum Beispiel.

Mut, unangenehme Dinge anzusprechen

In meinem Beitrag Vergeben, verdrängen, vergessen? habe ich mal über eine Situation geschrieben, in der ich aufgrund meiner konfliktscheuen Ader meine Enttäuschung ständig heruntergeschluckt habe, bis ich in einem völlig unpassenden Zeitpunkt explodiert bin. Der Grund war, dass ich nicht den MUT hatte zu streiten, und die Dinge anzusprechen, die mich störten.

Seitdem ich dieses Geschehen verarbeitet habe, schätze ich es umso mehr, wenn Menschen den Mut aufbringen, mir etwas zu sagen, das mir nicht gefallen könnte. Denn ich weiß, dass es sie Überwindung kostet, und sie ähnlich wie ich Angst vor Streit haben. Aber rechtzeitig miteinander reden löst nun mal fast alle Konflikte.

Wann ist Mut sinnvoll – und wann dämlich?

Zurück zu den Mutproben. Wie bereits festgestellt, zeugt eine Sache nicht von Mut, wenn sie einen selbst nicht herausfordert. Mich kostet es Überwindung, eine E-Mail abzuschicken, andere nicht. Aber die sogenannten Mutproben (z.B. eine Spinne anfassen), die nur für reinen Nervenkitzel sorgen, gehören meiner Meinung nach einer anderen Rubrik an.

Nicht nur, dass man die armen Spinnen nicht belästigen sollte, für mich sind solche „Proben“ kein Zeugnis von Mut, sondern Gruppenzwang. Mache ich das, weil ich etwas überwinden will, oder weil ich Angst habe, dass die anderen mich auslachen, wenn ich nicht mitziehe? Sobald Letzteres zutrifft, sind Mutproben meiner Meinung nach nicht mutig, sondern dämlich. Besonders brenzlig finde ich es, wenn es lebensgefährlich wird. Nennt mich spießig, aber das eigene Leben aufs Spiel zu setzen, finde ich nicht mutig, sondern lebensmüde!

Anmerkung von Béa: Übrigens, genau davon handelt das Kinderbuch „Mutig, mutig“ von Lorenz Pauli: 
Alles fängt an wie auf dem Spielplatz: Maus, Schnecke, Spatz und der Frosch sind am Teich zusammengekommen, und plötzlich ist die Idee für das Wettspiel da. Wer ist der Mutigste von allen?
Aber wenn die Maus – «mutig, mutig» – eine lange Strecke taucht, findet der Frosch das keine Leistung.
Und wenn der Frosch Grünzeug frisst, ist das für die Schnecke nur köstlich, nicht mutig.
So gibts lange Gesichter und Applaus, bis schließlich der Spatz an der Reihe ist.

Der ziert sich und dreht sich, und endlich sagt er: «Ich mache nicht mit.»
Ist das mutig? – Die Freunde zögern. Aber dann jubeln sie: «Ja, das ist Mut!»


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Den Mut haben, Nein zu sagen

Manchmal kostet ein „Nein“ sehr viel Überwindung, denn es braucht auch sehr viel Mut, sich dem potenziellen Gruppenzwang zu stellen, aber trotzdem vernünftige Entscheidungen zu treffen. Ich finde es sehr mutig, für sich einzustehen, vor allem, wenn es einem Angst macht. Wieder denke ich an die Mutproben, und wie viele ich über mich ergehen ließ, weil ich nicht den Mut hatte, nein zu sagen.

Béa erinnert sich: Ihr kennt ja meine Geschichte, ich verlor meine Eltern mit 12 und 15 und kam nach Deutschland. Ich habe mir in Sache Drogen geschworen, ich würde vielleicht probieren – allerdings nicht unter einer von zwei Bedingungen: 1. Wenn es mir schlecht geht. 2. Wenn mir andere Druck machen. In der Tat kam ich mit knapp 18 in einer Situation, wo sogar 1 und 2 beides zusammentrafen, Liebeskummer und eine Gruppe, die mich „retten“ wollte… Ich sagte klar und deutlich NEIN und sechs Leute versuchten, mich zu überreden, keine „Spaßbremse“ zu sein. Es hat mich sehr viel Überwindung gekostet, aufzustehen und allein in einer schmerzhaft schönen Frühsommernacht mit all ihren Düften nach Hause zu gehen, aber ich fand mich anschließend mutig. Ich habe bis heute keine Drogen genommen… Und bin stolz darauf. 

Das Mut-Fazit:

Wir halten also fest:

Mutig sein ist je nach Kontext abhängig und für jeden unterschiedlich.
Was jedoch gleich bleibt, ist, dass Mut uns immer Überwindung kostet.

Und – das hätte ich fast vergessen – das Glücksgefühl ist berauschend, wenn man sich einmal überwunden hat. Man sprüht vor Freude und möchte am liebsten die ganzen Welt umarmen. Das mag ich am meisten am mutig sein. Das Gefühl „danach“! Das Gefühl, die Antwort zu erhalten – die Zusage vom Verlag, und den Stolz auf mich selbst, weil ich mich überwunden habe!

Und noch eine wichtige Anmerkung von Béa: Mounias erstes Band von der Trilogie für junge Erwachsene, die sie geschrieben hat, wird es in Oktober geben. Es ist druckfertig und ich bin mega stolz auf sie:

Nightsky Full Of Promise (Berlin Night, Band 1) 

und ihre zwei Bücher im Eigenverlag haben den Verlag überzeugt:

Zwischen meinen Worten

Zwischen meinen Träumen

Und: Hier ein Beitrag mit einer Anekdote, von der Mounia wünschte, mehr Mut gehabt zu haben!

Vergeben, verdrängen, vergessen? Wie verarbeite ich Enttäuschung?

Liebe Grüße
Mounia

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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