Was tun, wenn Kinder lügen? 6 Tipps


Was tun, wenn Kinder lügen? So richtig einem direkt ins Gesicht?

Es ist schon einiges her, da hat eine unserer Facebookfans Rat gesucht.


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Das war die Frage:

„Hallo Liebe Bea Ich habe eine wichtige Frage an Mamas mit Kindern im Alter zwischen 7 und 10 Jahren Mein Sohn (7) lügt ohne Ende!!!!

Zum Beispiel: Mein Sohn kommt heim von der Schule. Ich bringe gerade seine Schwester zu Bett (Mittagsschlaf) und habe den allerbesten Blick in den Hof. Was ich da sehe lässt mir die Kinnlade herunter klappen… Er kommt um die Kurve, hat auf dem Arm eine Jacke. Diese nimmt er und packt sie in den Dreck hinter einem Brett legt das andere Brett drüber und kommt lachend in die Wohnung. Ich frage wo er seine Jacke hat. Er: „Hab ich in der Schule vergessen“. Ich gehe zu dem Versteck, hole die Jacke und bitte um eine Erklärung. Er: „Ich weiss nicht wie die dahin gekommen ist das war bestimmt xy, der hat die versteckt um mich zu ärgern!“

Er lügt mir ins Gesicht und es kommen immer mehr Lügen. Wie geht ihr damit um? Was macht ihr? Welchen Ratschlag könnt ihr mir geben? Hinsetzen und Reden bringt ja nix wie ich merke!“

Also, wir hatten es schon mal mit dem Thema Lügen zu tun, aber da ging es um die magische Phase, also um deutlich jüngere Kinder. Hier scheint eine bewußtere Form der Wahrheitsverdrehung vorzuliegen… Was tun, wenn Kinder lügen – also wirklich echte Lügen von sich geben?

Und das sind die besten Antworten aus der Community, mit klaren Tipps, wie damit umgehen:

1. Klare Konfrontation ohne Fragen – aber mit Verständnis

Christina Ri schreibt: „Ich habe einmal gelesen, in so einer Situation sollte man eine Frage nicht so stellen, dass das Kind lügen kann. Also wenn du die Jacke gesehen hast, frag nicht, WO ist die Jacke? Wenn du siehst, dass er etwas kaputt gemacht hat, frag nicht, WER hat das kaputt gemacht? Du weisst ja schon, dass er es war. Sag zum Beispiel: Ich habe gesehen, was du mit deiner Jacke gemacht hast. Dann kannst du ja nachfragen, warum er das gemacht hat (aber erst, wenn du ganz ruhig bist). Mein Sohn hat auch eine Zeit lang gelogen, je mehr ich nachgefragt habe, desto mehr hat er gelogen. Also habe ich nicht mehr gefragt, sondern ihn vor die Tatsachen gestellt. „Ich weiss, was passiert ist.“ oder „Ich habe gesehen, was du gemacht hast.“ So konnte er gar nicht erst lügen. Weisst du, wie ich das meine? Und dann habe ich immer wieder mit ihm darüber geredet, dass ich Lügen nicht mag, und dass er mir die Wahrheit sagen kann, auch wenn er einen Blödsinn gemacht hat. Es funktioniert nicht von heute auf morgen, aber es ist viel besser geworden! Ach ja, und wenn er zu mir kommt und etwas „beichtet“, sage ich auch „danke, dass du so ehrlich warst!“

Yvonne Hergane schreibt: „Bei meinem Sohn hat geholfen: Viel reden, Kind nicht bloßstellen, sondern Verständnis zeigen, Lügen als absolutes No Go definieren, die Gründe gemeinsam „aufräumen“, Ehrlichkeit honorieren und mit gutem Beispiel vorangehen. Zeigen, dass Wahrheit am Ende immer der richtige Weg ist, auch wenn’s anfänglich wie der Schwerere aussieht.“

Wichtiger Tipp von Janine Lütge dabei: „Wenn ihr hinterfragt wieso, weshalb, warum: Macht das in einer guten Atmosphäre… Es sollte keinem Verhör gleichen denn sonst kann es gut sein das ihr weiter angelogen werdet.“

2. Mit Storytelling zum Nachdenken anregen

Andrea Ertl-Deutschmann weiß Bescheid: „Er will sein Gesicht nicht verlieren und lügt deshalb weiter. Du hast ihn ja ganz schön auch vor sich selbst blamiert… Ich hätte die Jacke nicht vor ihm aus dem Versteck geholt und ihn zur Rede gestellt!
Ich hätte ihm eine Geschichte erzählt von einem Jungen, dessen Jacke schmutzig war und er sie deshalb vor seiner Mutter versteckt hat und ihn dann gefragt, ob er sich das vorstellen kann und ihm dann die Gelegenheit gegeben die Sache aufzuklären. Hätte er weiter gelogen, hätte ich die Jacke später geholt und ihm dann ganz ruhig gesagt, dass ich es zufällig (wichtig sonst fühlt er sich beobachtet und kontrolliert!) beobachtet hätte und ihn gefragt, was für ein Problem er hat!“

3. Mit Humor reagieren – und die Dramatik rausnehmen

Christiane Englert rät aus dem Erfahrungsschatz ihrer Eltern: „Kinder lügen in diesem Alter nicht, sie erzählen Geschichten und Storys. Das wusste schon mein Vater. Das nimmt auch schon das Negative und die Dramatik aus der ganzen Geschichte. Viele solcher Storys kann man einfach belächeln. Ich hätte dem Knaben erzählt, dass ich hellsichtig bin und das er seine Jacke jetzt bitte unter dem Holz holen soll. Bei uns funktioniert das wunderbar. Meist enden bei uns die Geschichten lustig, ich wurde getestet und für „tauglich“ und hellsehend bewertet! Manchmal habe ich keinen Bock drauf und sage das auch so! Fangfragen stelle ich keine. Wenn ich weiß was Sache ist, weil ich es entdeckt und gesehen habe, dann sage ich das genau auch so. „Big mother is watching you!“ ist dann mein Spruch…“


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Jette Funke „Kinder in diesem Alter haben den Kopf voll mit Fantasiegeschichten und Abenteuern und erkunden ihre Welt oft auf eine teils imaginäre Weise. Sie testen die Welt und prüfen sie auf diese Weise, es sind weniger Lügen, wie wir Erwachsenen lügen, es sind Geschichten und Spiele. Ich denke, es ist gut offen damit umzugehen, zu beobachten, Fantasie zu unterstützen und alles offen ansprechen, um dann auch zu sagen “ Das ist eine fantastische Geschichte, die du dir da ausgedacht hast“ oder eben auch gut gemeinte Ratschläge und Warnungen aussprechen, wenn z.B. Schulkameraden unschuldig beschuldigt werden. Dein Sohn hat bestimmt einen langweiligen Schulweg gehabt und denkt sich etwas Spannendes aus, oft kopieren Kinder auch Geschichten, die sie erlebt haben oder vielleicht im Fernsehen verfolgt wurden. Das alles gehört zur Entwicklung des Kindes, und ist nicht „böse“. Mach dich locker und denke an deine Kindergedankenwelt zurück, du wirst sicher Parallelen finden…“

4. Spiegel vorhalten – Rollentausch

Dani Wild hat einen kreativen Ansatz: „Dreh den Spieß um und zeig ihm, in welcher Situation Du Dich befindest! Ich hab mich mal bei Lidl voll zum Affen gemacht und geschrien und getobt (wie sonst meine Tochter, wenn sie was nicht bekommen hat). Sie ging 3 Schritte zur Seite- und meinte nur: „Hör auf! Alle gucken schon… das ist peinlich!“
Wenn er ganz genau weiß, dass Du lügst und wenn er Dir zeigt das Du lügst denkst Du Dir ne faule Ausrede aus. Vielleicht hilft es wenn er es von der anderen Seite erlebt. Wir tauschen auch immer mal die Rollen. Letztens (die Kids waren schon 9) haben sich meine beiden nur gezankt und wenn ich was gesagt hat, dann hat keiner gehört. Ich: Kopfhörer auf und Abendbrot gemacht. Jedes Mal wenn eine rein kam hab ich nicht reagiert. Das hab ich 45 Minuten durc gehalten (die beiden waren dann schon verzweifelt) dann habe ich es auf gelöst und gefragt, ob das schön ist wenn der Andere nicht zuhört?!“

Viviane Ahlf meint: „Mein Sohn (9) ärgert sich immer wen er selber „angelogen“ wird, ich versuch Ihm immer das Gefühl für den anderen zu vermitteln. Wobei ich ihm auch sage, dass die Wahrheit immer rauskommen wird und das das Lügen eine Mücke zu einem Elefanten mutieren lässt.“

5. Herausfinden, ob das nicht ein Schrei nach Aufmerksamkeit ist – und entsprechend handeln

Florian Heinrich ruft: „Hallo…. wann war denn das letzte Gespräch mit der Lehrerin/ dem Lehrer? Wenn Kinder mit dem Schulalltag Probleme bekommen, – was normal ist, – ziehen sie sich gerne in Fantasiewelten zurück. Je nach eigener Fantasie ist das dann leicht oder eben schwer zu erkennen. Wer seine Jacke versteckt und sagt, jemand anders hätte die versteckt um ihn zu ärgern…  so jemand wurde geärgert und hat die Erfahrung machen müssen, dass ihm Erwachsene (Lehrer) nicht glauben… also packt er deutlich eins oben drauf. Habe ich mit meinem auch gerade durch. Und der hat auch ne kleine Schwester. Geschwisterkonkurrenz äußert sich anders!“

Conny Jung meint: „Lügen in dem Alter ist ja nicht gleich lügen, wie wir ‚Großen‘ es meinen. Es ist vielmehr: etwas zurückhalten, etwas nicht sagen wollen, ohne Berechnung!
Schenk ihm Aufmerksamkeit und Liebe…. das hilft und die Probleme lösen sich von selbst…“

Suse Liebe Suse geht noch liebevoller ran: „Ich denke auch, dass er mehr Aufmerksamkeit haben möchte (auch wenn Du sie ihm gibst) Es ist ja normal, dass Kinder oft etwas machen, damit sie Aufmerksamkeit bekommen… negativ, wie positiv.  Beim nächsten Mal würde ich einfach die Jacke holen und sie weghängen, ohne einen Ton,oder eine Reaktion darüber zu verlieren. Wenn er merkt, dass er damit nicht weiter kommt, legt er es ggf. ab. Um ihn dann doch noch etwas Gutes zu tun, würde ich ein paar Minuten warten und ihn in den Arm nehmen und ihm sagen, wie lieb Du ihn hast! Ggf. öfter am Tag, ohne Grund machen!“

6. Wenn es zu viel wird, ist ggf. Hilfe von außen nötig

Anja Schwalgun meint: „Du könntest mal Freunde fragen, wie sie euer Familienleben beurteilen!!!! Außenstehende haben einen anderen Blickwinkel und sind emotional nicht beteiligt. Ich kann bei anderen auch immer mehr erkennen,als bei mir selbst. Ich würde sagen,er will Aufmerksamkeit erhaschen. Eifersucht?“

Auch Andrea Ertl-Deutschmann schreibt: „Wenn Du damit nicht weiterkommst, würde ich einen Kinderpsychologen oder psychologischen Berater hinzuziehen. (Wir beißen nicht und Dein Kind ist auch nicht „bekloppt“ und Du keine Rabenmutter, wenn man professionelle Hilfe holt)“

Und wie ist das bei Euch? Habt ihr auch solche Erfahrungen gemacht? 

P.S. Ich habe einige Tippfehler aus den Originalantworten korrigiert – aber vielleicht habe ich nicht alle erwischt! Gnade, bitte…

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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