Wenn der Kinderwagen im Laden dreckige Reifen hat – eine Geschichte über Kinderunfreundlichkeit


Wie sind wir als Eltern und Kinder in Läden willkommen? Stören wir nur, wenn uns am Kinderwagen etwas Dreck anhaftet? ich habe eine Geschichte über Twitter abgefangen und teile sie mit euch, weil ich vor über 20 Jahren ein sehr ähnliches Erlebnis hatte und dachte, die Dinger hätten sich geändert. Offensichtlich nicht.

Die Geschichte find mit diesem Tweet an von Herzmolekül, der ich sehr gern folge und die tolle Tweets schreibt:

Und geht so weiter (einfachheitshaber hier als Text und nicht als Tweets):

Ich entschied mich mit den Kindern etwas spazieren zu gehen, da wir ohnehin noch einigen Drogeriekram brauchten.

Also zogen wir los. Und gingen unsere Straße mit dem Kinderwagen entlang. Ich benutzte dafür die Räder des Kinderwagens, um ihn fortzubewegen. Als wir nun also am Straßenende ankamen, waren die Räder des Kinderwagens voller Blütenstaub und Blätter. Diese klebten aufgrund der Nässe sehr widerspenstig. Ich fuhr etwas zickzack, um das Grobe wieder loszuwerden. Es waren noch einige Meter bis zum Drogeriemarkt.

Dort angekommen, standen unmittelbar vor der Eingangstür zwei deutlich alkoholisierte Herren, die sich lautstark gröhlend unterhielten und weiterhin Alkohol konsumierten. Mein dreijähriger Sohn schaute ängstlich, ich lenkte ihn mit einem Gespräch ab und wir betraten den Laden.

Da noch immer ein Blütenmeer unter den Rädern klebte, verlor ich während ich Zwillingswagen, Einkaufswagen und Kind an der Hand irgendwie durch die engen Gänge bugsierte, ab und so etwas davon. Nicht viel, aber doch so viel, dass eine Mitarbeiterin mit Besen vor mir stand. Sie sagte nichts. Schaute wortlos missbilligend auf den Kinderwagen und verschwand, nachdem sie etwa 6-10 Laubblätter zusammengefegt hatte.

Eine Minute später erschien eine weitere Person, die stellv. Filialleitung, wie sich später herausstellte, etwa 5 m vor mir. Im lauten, ungehaltenen Ton rief sie:

„Entschuldigung, der Kinderwagen da, DER HAT DRECKIGE REIFEN!“

Ich unterbrach sie und fragte sie, ob sie die Wetterverhältnisse (es regnete da übrigens schon wieder) draußen mitbekommen hätte… „Was ich jetzt Ihrer Meinung nach machen sollte? Den Laden verlassen?“

Sie wurde noch unfreundlicher und meinte: „Meine Kollegin hat gerade fegen müssen! Ich weiß gar nicht, warum SIE SICH JETZT AUFREGEN!“

Ich machte mir die Mühe ihr das zu erklären. Ich versuchte ihr verständlich zu machen, dass ich lediglich am Eingang einige Blätter, die noch an den Reifen klebten, verloren hatte und sich doch jetzt gar nichts mehr löste. Und dass ich allein ihr Auftreten und generell das Ansprechen auf diesen Zustand wirklich mehr als dreist finde. Stattdessen beharrte sie darauf, dass sie mir ja Tücher geben wollte, um den Wagen zu putzen!

Ich war tatsächlich mittlerweile auf Autopilot geschaltet und die Dame verschwand, weil sie merkte, dass ich nur mit weiteren Gegenfragen komme:

„Muss das ein Rollstuhlfahrer auch?“

„Kontrollieren Sie jetzt gerade die Schuhe aller Kunden?“

(Denn JEDER HATTE bei der Wasser-Blüten-Blätter-Kombi irgendwas unter dem Schuh kleben!)

Andere Kund*innen kamen auf mich zu und sprachen mich an, dass dies wirklich eine Unverschämtheit mir gegenüber wäre.

Ich war in dem Moment sehr froh darüber, dass ich diese Bestätigung bekam. Ich bin ein sehr reflektierter Mensch, behaupte ich zumindest, und stelle meine Reaktionen oft infrage. Ich überlege, ob ich Dinge falsch interpretiere. Oder ein Fass aufmache, wo es nicht nötig wäre?

Jedenfalls war ich innerlich fix und fertig und hätte vor Wut und einem Mischmasch an Gefühlen auf der Stelle losheulen können. Aber da waren meine Kinder. Und da musste ich mich zusammenreißen und klar denken.

Fast an der Kasse drehte ich dennoch ab und ging zu der dame (Filialleiterin). Sie führte gerade ein Privatgespräch am Telefon. Ich bat sie dies zu unterbrechen, weil ich ihren Namen notieren wollte. Patzig gab sie ihn mir. Nochmals versuchte ich ihr klarzumachen, was genau mich so sauer machte. Ich wollte ihr die Chance geben noch einmal zurückzurudern. Letztlich verwies ich auf die sehr unangenehme und in letzter Zeit häufig anzutreffende Situation direkt am Eingangsbereich.

Das fand sie unerheblich.

Und die Moral von der Geschicht‘:

In Deutschland kannst du dich besser volltrunken, rumpöbelnd vor eine gewisse Drogeriemarktkette stellen, als mit einem nass bereiften Kinderwagen in selbiger einzukaufen.

Wieder was gelernt.

Ende.

Ist euch auch schon mal so etwas passiert? Habt ihr auch Kinderunfreundlichkeit erlebt?

Liebe Grüße,

Béa

P.S. Seid ihr auf Twitter? Herzmolekül freut sich über neue Follower und ich sage euch, es lohnt sich!

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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1 Kommentare

Birte
Antworten 7. September 2018

"In Deutschland..." - echt jetzt? Mir ist einmal ähnliches passiert, auch Blätter am Kinderwagen, und wir mussten in den Hausflur (Mietshaus). Ergebnis: Anpfiff vom Hausmeister - der ja auch gut und gerne mal das Laub vor dem Haus hätte beseitigen können, dann wäre der Kinderwagen auch sauberer gewesen.
Aber, die Betonung liegt hier auf EINMAL. Ich habe nämlich acht Kinder. Und ein missmutiger und bequemer Hausmeister oder eine faule und unfreundliche Filialleiterin sind nicht Deutschland.
Da hier Kinderfreundlichkeit von denen, die Deutschland für kunderfeindlich halten, gerne an der Bwtreuungsquote für Klein-, Kindergarten- und Schulkinder gemessen wird, muss man sich auch klarmachen, dass diese Art Kinderfreundlichkeit bedeutet, Kinder aus dem gesellschaftlichen Leben zu entfernen. Und den Dreck und die Geräusche, die mit ihnen verbunden sind, eben auch. Das führt dann aber auch dazu, dass sich eine Filialleiterin aufregt. Oder dass fremde Menschen der Ansicht sind, ein schreiendes Kind müsse ein Fall für das Jugendamt sein, weil es ihm ganz furchtbar schlecht geht.
Ansonsten ist Deutschland aber immer noch ein Land, das Kindern vieles bietet - Zugang zu guter medizinischer Versorgung zB. Kindergärten, Schulen, Freizeitangebote. Betteln gehen muss hier auch niemand. Und ich habe auch schon, auch in diversen Drogeriemärkten, superfreundliche Unterstützung bekommen, ich durfte im Personalraum stillen, mit den Kindern auf Mitarbeitertoiletten gehen, habe Einkäufe zusammengesucht bekommen.

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