Für das Zusammenleben in einer harmonischen Symbiose – Eltern sollten sich nicht für ihre Kinder „aufopfern“


Eltern sind die Hüter und Beschützer ihrer Kinder. Aber sollen sie wirklich auch Märtyrer sein? In diesem Beitrag soll es darum gehen, warum ich glaube, dass sich Eltern nicht für ihre Kinder „aufopfern“ sollten.

„Eltern sollten sich für ihre Kinder opfern!“

Nirgendwo steht es, und doch kommt es mir vor, es wird irgendwie indirekt erwartet – vorwiegend seitens der Mütter. Das Kind sollte immer an erster Stelle stehen – seine Bedürfnisse, sein Leben und seine Zukunft sind immer wichtiger als die eigenen. Und wenn es einem mal schlecht geht, ist es egal, denn Hauptsache dem Kind geht es gut. Das Problem ist nur, dass eventuell die eigenen Bedürfnisse zu kurz kommen – und daran ist nichts ehrenhaft.


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Während der Weihnachtszeit habe ich das Buch „Ungezähmt“ von Glenn Doyle (affiliate Link, also Mini-Werbung) gelesen und bin da auf eine Passage gekommen, die mir Gänsehaut bereitet hat. Dort geht es um die Rolle der aufopfernden Mutter, die einzig und allein für ihre Kinder lebt, und wie problematisch das ist:

„Was für eine grausame Bürde wir unseren Kindern damit zumuten – zu wissen, dass sie der Grund sind, weshalb ihre Mütter aufhören, lebendig zu sein. Was für eine grausame Bürde wir unseren Töchtern damit zumuten – zu wissen, dass auch sie dieses Schicksal ereilen wird, wenn sie sich dazu entschließen, selbst Mutter zu werden. Denn wenn wir ihnen vorleben, dass die Verwandlung in eine Märtyrerin die höchste Form der Liebe ist, werden sie auch zur Märtyrerin.“

(Aus: „Ungezähmt“ von Glenn Doyle, S. 142)

Kurz zum Kontext: Glenn hatte sich in eine Frau verliebt und wollte sich von ihrem Mann trennen. Aber aus Angst, ihre Kinder aus ihrer vertrauten Umgebung zu entreißen und ihnen dramatisch gesagt das Leben zu zerstören, zögerte sie. Dadurch opferte sie ihr eigenes Glück für das der Kinder – und das machte sie kaputt. Letztendlich trennte sie sich doch und kam mit der Liebe ihres Lebens zusammen. Heute ist sie überglücklich. Und die Kids haben es überlebt und sind es auch! Klar war es am Anfang eine harte Zeit alle, aber letztendlich ist es so besser.

Die Meinung der Kinder voranstellen?

Das Buch von Glenn Doyle hat viele alte Erinnerungen in mir geweckt. Mein Vater ist jetzt über 60 und Single. Er wirkt zufrieden damit, und fühlt sich auch nicht einsam, trotzdem beschleicht mich manchmal die Angst, dass er unseretwegen so allein ist.

Damals, als wir Kinder waren, hatte er einige Freundinnen. Wenn er das Gefühl hatte, dass es ernst wurde, stellte er uns vor, und jedes Mal waren entweder meine Schwester oder ich sofort abgeneigt. Wir mochten sie nicht (vermutlich, weil sie nicht unsere Mutter war), und außerdem wollten wir ihn mit niemandem teilen. Ich kann mich zwar nicht mehr daran erinnern, aber mein Vater erzählte mir Jahre später, dass meine Schwester und ich ihn immer dazu drängten, die Beziehung zu beenden. Und er tat es sogar, weil wir das Wichtigste in seinem Leben sind. Seit der Scheidung hatte er ohnehin große Angst, dass wir uns von ihm entfremdeten, und so beendete er die Beziehungen.

War das ehrenhaft? Oder einfach nur Märtyrertum? Und überhaupt – was hatten wir Kinder mit seiner Beziehung am Hut? Zumal alle Frauen rückblickend total lieb waren! Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich nicht erwarten, dass er sein Glück für uns aufopfert. Vermutlich hätten wir Mädels anfangs noch genörgelt, aber uns schließlich genauso sehr an die neue Beziehung gewöhnt, wie an unseren neuen Stiefvater, den meine Mutter heiratete.


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Das war übrigens auch so ein Ding von meinem Papa. Ich glaube, er hatte Angst, dass er von meinem Stiefvater ersetzt werden würde – weil nicht er es war, der uns zum Schwimmunterricht fuhr und jeden Abend mit uns am Tisch saß. Vielleicht wollte er uns so sehr mit seiner Liebe überschütten, dass wir keinen Zweifel an ihr hatten. Nun, Mission erfolgreich, aber kam er vielleicht trotzdem zu kurz?

Eltern-Kind Dynamik

Je länger ich darüber nachdenke, desto schwieriger finde ich die Dynamik, die wir hatten. Wir waren die Kinder und er der Vater. Trotzdem hatten wir die „Macht“, um Entscheidungen über sein Leben zu treffen (auch, wenn es uns damals nicht bewusst war). Nicht, dass ich finde, dass Eltern sich als Diktator:innen aufspielen müssen, aber Kinder sollten es auch nicht tun. Ich bin zwar total dankbar, dass mein Vater unser Wohl immer im Blick hatte, aber rückblickend hätte er ruhig auch mehr an sich denken können.

Eltern sollten sich nicht für ihre Kinder aufopfern

Und das sage ich aus der Sicht des Kindes. Warum? Weil ich finde, dass dem Kind nicht vorgelebt werden sollte, dass Elternschaft reine Opferbereitschaft bedeutet. Und weil ich glaube, dass Eltern und Kinder wie in einer Symbiose leben und sich gegenseitig beeinflussen. Das Zusammenleben gestaltet sich automatisch harmonischer, wenn es Eltern und Kindern gut geht. Andersherum beeinflusst es auch beide Parteien, wenn es ihnen schlecht geht.

Und damit schließe ich vorerst. Ich finde das Konzept um die Opferbereitschaft bei Eltern sehr spannend, und könnte noch tausend Beispiele von Mutter und Vater einbringen, aber ich glaube, das Wichtigste ist gesagt.

Buchtipp: Aufopfern ist keine Lösung: Mut zu mehr Gelassenheit für Eltern psychisch erkrankter Kinder und Erwachsener – Janine Berg-Peer

Ich bin vorhin auf dieses Buch gestoßen, dessen Titel sehr spannend klingt! Zwar habe ich es nicht gelesen, aber die positiven Rezensionen sprechen für sich und ich würde es daher besonders gern den Eltern ans Herz legen, die nur schwer auf die „Aufopferung“ verzichten können, weil es jemand anderem in der Familie (psychisch) nicht gut geht.

(affiliate Link, also Mini Werbung!)

Was sind eure Gedanken zur Opferbereitschaft der Eltern?

In diesem Beitrag erzähle ich übrigens mehr über die Scheidung meiner Eltern – sie haben den Schritt tatsächlich gewagt, und ich bin ihnen noch heute dankbar dafür!

Ich bin dankbar für die Scheidung meiner Eltern

Liebe Grüße
Mounia

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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