Wer ist eigentlich „man“? Gedanken von Béa zu Passiv- und „man“-Formulierungen


Das wird ein kurzer Post, liebe Leute. Über Passiv- und „man“-Formulierungen! Denn eigentlich möchte ich gern eine Diskussion anregen, auch zum Wohl unserer Kinder. Zum Wohl? Ja, genau. Worte und Formulierungen haben große Macht über unser Wohlbefinden. Und so, wie wir als Eltern manche Dinge erklären, kann die Art und Weise beeinflussen, wie sich Kinder selbst später die Welt erklären.

Ich stelle fest, dass passive und diffuse Formulierungen mit „man“ oft dazu beitragen, die Welt eigentlich nicht so gut zu erklären. Dabei unterscheide ich drei Sorten von „man“-Formulierungen. Wobei ich das dritte als am schlimmsten empfinde:

1. Die Unterstellung, weil: Ich will unbedingt, dass alle mitfühlen, was ich fühle.

„Man fühlt sich vor dem Kopf gestoßen…“, „Man steht da und versteht nicht, was los ist…“ – eigentlich ein Schrei nach Empathie. Ich fühle gerade etwas und möchte das auf alle übertragen. Leider geht das oft nach Hinten los: Menschen, die sich gerade nicht mit meinem Schicksal identifizieren können, denken  dann: „Nö. Ich gerade nicht!“. Also ist es viel besser, wenn ich meine Gefühle beschreibe, wie sie sind und damit authentisch bin. Das ist viel stärker!

2. Das Verschwinden in der Masse: Ich will eigentlich nicht auffallen.

„Man ist benachteiligt….“, „Man hat dann vielleicht nicht das Richtige gesagt…“ – kommt ganz oft in Fernsehinterviews vor! Das kommt bei vielen Menschen vom Unbehagen, dass sie im Rampenlicht stehen. Sie wollen eigentlich nicht für sich selbst sprechen, sondern für mehrere. Sie wollen sagen: „Ich vertrete hier nicht nur mich, ich bin keine Rampensau, ich rede von vielen Menschen!“

Auch hier finde ich, dass es smarter und präziser ist, mit einem klaren „Ich“ zu formulieren – anstatt der persönlichen Identifikation auszuweichen.

3. Die Generalisierung: Es fühlt sich für mich an, dass das, was einige Personen tun, auf die ganze Welt trifft.

„Man stellt mich hin als Verräter… „, „Man behandelt mich ungerecht…“ – Was ist da eigentlich los? Da haben mir einige Menschen etwas getan oder etwas zu mir  gesagt, und ich habe das Gefühl, die ganze Welt ist gegen mich. Falsch! Hier hilft es eine Menge, aktiv zu formulieren. Wer hat mich hingestellt als Verräter? Aha, nur eine Person! Wer hat mich genau ungerecht behandelt? Hach, auch nur einer. Okay, das sind wahrscheinlich wichtige Menschen, die vielleicht meine ganze Welt just in dem Moment ausmachen. Es ich aber besser, sich klar zu machen, um wie viele Leute es sich konkret handelt. Wer das genau ist.

Übrigens, das ist hier auch der Fall bei Passiv-Formulierungen: „Ich werde hingestellt als Verräter… “ oder „Ich werde ungerecht behandelt…“ ist de facto genau das Gleiche, oder?

Für Kinder und Heranwachsende ist dieser Punkt besonders wichtig: Denn ganz schnell entsteht bei ihnen das diffuse Gefühl der Machtlosigkeit – gerade wenn die Eltern das vermitteln. Also: Achtung! Negative Gefühle sind OK, darum hat mindfulsun bei uns schon mal geschrieben. Aber mir es hilft eine Menge, wenn ich mir dazu die genauen Fakten anschaue.

Gerade in meiner Bloggerwelt kann es sehr schnell vorkommen, dass wir auf eine Blogpost Gegenwind bekommen. Hey, Leser und Fans haben eine eigene Meinung! Und sie schreiben sie auch hin – manche möglicherweise auch nicht gerade freundlich. Mir hilft es da enorm, durchzuzählen. Wie viele haben einfach lauter Herzen und Däumchen gegeben? Na bitte. So erklärt sich auch das Titelbild.

Versteht ihr meine Abneigung gegen Passiv- und „man“-Formulierungen?

Liebe Grüße,

Béa

P.S. – Nachträglich nach Veröffentlichung: Ich habe als Kommunikationswirt (ja, das ist mein Studienhintergrund) das Ganze aus meinem Gefühl heraus geschrieben. Inzwischen habe ich noch einen Artikel gefunden, in dem die Formulierung „man“ von Psychologen anders gedeutet wird – und zwar beruhend auf einer Studie des Department of Psychology, University of Michigan, Ann Arbor, MI, USA:

„Wenn Menschen ,man‘ benutzen, um eine Bedeutung aus einer negativen Erfahrung zu gewinnen, dann erlaubt es ihnen, die Erfahrung zu normalisieren und sie aus der Distanz zu reflektieren“, sagte Ariana Orvell, Doktorandin und Co-Autorin der Studie. Gleichzeitig ordnen wir mithilfe des „mans“ unser Schicksal in einen universellen Kontext ein und vergewissern uns darüber, dass auch andere die gleiche negative Erfahrung gemacht haben können. Das „man“ macht unsere Negativgeschichten dadurch für uns selbst erträglicher.“

Wenn ich jetzt darüber nachdenke: Vielleicht ist es besser, dann doch mit „man“ zu kommunizieren und die Gedanken auszudrücken, statt gar nicht zu kommunizieren…

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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