Auch die nicht so schönen Gefühle gehören zum Leben!


Vor einigen Tagen habe ich einen Artikel über „Gute Gefühle einpflanzen und züchten“ publiziert, der ganz viel gelesen und kommentiert wurde. Viele stimmten zu, andere wiederum haben protestiert… Darunter auch Darksun, die mit diesem Beitrag eine andere Sichtweise auf das Thema bringt:

Auch die nicht so schönen Gefühle gehören zum Leben!

Als Betroffene und seit Jahrzehnten an einer Depression Erkrankte, stimme ich Béa schon in einem Punkt zu:

Die schlechten Gefühle bestimmen unsere Gedanken.

Aber manchmal ist es auch genau umgedreht: Aus dunklen Gedanken, erwachsen schlimme Gefühle.

Das ist wirklich ein wenig Henne und Ei und vermischt sich auch oft. Auseinander halten, ist schwer bis unmöglich, ohne Hilfe.

Ich bin jetzt in einer Therapie und lerne langsam und achtsam auf diese Gedanken und Gefühle zu hören: Ist es ein Gedanke oder ist es ein Gefühl? Gedanken kann ich manchmal schon steuern. Ich nehme sie an, wenn ich weiß, sie sind wichtig für mich – und beschäftige mich mit ihnen oder schicke sie sanft weg, wenn sie unnütz sind. Sind die Gedanken allerdings mit einem schlechten Gefühl verbunden: Ich fühle mich traurig, wertlos oder alles ist hoffnungslos, dann beschäftige ich mich mehr damit. In der Achtsamkeit habe ich schon gelernt, ich muss die Wurzel finden. Diese Gedanken kommen nicht ohne Grund.

Ich habe auch für mich verstanden: Nicht alles im Leben ist positiv und es ist enorm wichtig auch mit den negativen Dingen umzugehen.

Aber hier und genau hier ist der Punkt: Negativ ist nicht immer schlimm!

Ja, ich bin traurig, aber traurig sein geht auch vorbei!

Ja, ich fühle mich heute wie eine Versagerin aber bin ich das dann wirklich?

Ja, ich habe Tage an denen denke ich, ich bin eine schlechte Mutter. Das sind Momente!

Wichtig ist, diese Gedanken und Gefühle nicht zu verteufeln, sie gehören zum Leben dazu.

Béa sprach in ihrem Artikel davon, Kindern gute Gefühle einzupflanzen und zu züchten. Ich stimme ihr sehr wohl zu, eine liebevolle Kindheit ist wichtig für jede gesunde Entwicklung eines Menschen. Liebe, Vertrauen und Geborgenheit sind Grundbausteine!

Ich finde es aber ebenso wichtig, den Kindern den Umgang mit schlechten Gefühlen beizubringen!

Also ihnen zu signalisieren: Es ist OK, dass du dich so fühlst!  Und es nicht sofort zwanghaft umzuwandeln, denn das führt später dazu, sich für solche Gefühle zu schämen, sie nicht annehmen zu können oder damit umzugehen. Alles nur positiv, rosa und Ponyhof: So ist das Leben nicht! Und Kindern solch eine heile Welt vorzugaukeln, hilft ihnen nicht. Die Palette von Gefühlen ist groß und nicht immer positiv und hinter den Gefühlen stecken Bedürfnisse.

Ein „Sei doch nicht traurig“ hilft wenig. Ein „Woher kommt die Traurigkeit, warum fühlst du dich so? Was brauchst du?“ DAS ist wichtig. Auch Kinder können schon lernen, in ihre Bedürfnisse zu schauen und sie zu artikulieren.

Reflektieren lernt man ja darüber, eben in solche Gefühle hineinzusehen:

Ängstlichkeit, Enttäuschung, Wut, Beklommenheit, bedrückt sein, aufgewühlt, verunsichert..

All das gehört zum Leben dazu! Und schon als Kind damit lernen umzugehen, ist gesund.

„Du musst aber keine Angst haben!“  Wie oft habe ich das als Kind gehört? Das hängt mir bis heute nach. Hilfreicher wäre gewesen: „Warum hast du denn Angst?“ Wenn meine Eltern mir zugehört hätten, mir beigebracht in meine Angst zu schauen, das Bedürfnis dahinter zu entdecken, dann würde ich heute weniger ängstlich sein und mich vor allem nicht für meine Angst schämen.

Ich möchte hier nicht nur den Fokus auf die negativen Gedanken legen, natürlich sollten positive Gedanken und Gefühle gefördert und erzeugt werden. Gerade mit und für unsere Kindern! Und das bei jeder Gelegenheit.

In meinen Augen ist aber auch wichtig zu lernen die anderen, nicht so schönen Gefühle annehmen zu können und zu wissen:

Auch die nicht so schönen Gefühle gehören zum Leben dazu und sie sind vorübergehend!

Was meint ihr? Wie handhabt ihr das bei euren Kindern?

Liebe Grüße,

Darksun

(die heute auch noch einen starken Blogpost bei sich auf dem Blog hat, über Selbstliebe)

P.S. Ihr wollt euch den Beitrag merken – pinnt es bei Pinterest und folgt und auch dort!

Titelbild zu „Auch die nicht so schönen Gefühle gehören zum Leben!“:
Photo by Joseph Gonzalez on Unsplash

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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9 Kommentare

Olivia
Antworten 4. März 2018

Hi, mich fasziniert in letzter Zeit die Frage, ob die Liebe gar kein Gefühl ist (sondern eine Interaktion)? ... wie das Colin Bear in seinem Büchlein behauptet ..

LG Olivia

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