Wie erkläre ich Kindern und Jugendlichen, was eine Therapie ist und wie sie funktioniert?


Was Therapien angeht, haben Kinder oft viele Klischees im Kopf. Dies will ich heute allerdings richtigstellen und aufzeigen, wie Kindern erklärt werden kann, was eine Therapie ist und wie sie funktioniert.

Viele Menschen werden schon im frühen Alter mit Psychotherapien konfrontiert. Mal liegt es an einem Trauma, mal an einer Persönlichkeitsstörung usw. Da ich selbst zwei Therapien gemacht habe, weiß ich genau, wie (abwertend) Menschen auf diese Form der Hilfe reagieren und welche Assoziationen sie im Kopf haben.


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Ich muss gestehen, dass ich früher (als ich klein war) selbst dachte, dass Menschen, die eine Therapie machen, einen Knacks haben. Für mich war eine Therapie außerdem immer mit Schwäche verbunden, dabei zeugt es von sehr viel Stärke, sich einer Therapie zu stellen und etwas an sich oder seinem Leben ändern zu wollen.

Wie erkläre ich Kindern, was eine Therapie ist und wie sie funktioniert?

Was ist eine Therapie?

Eine Therapie ist eine Methode, in der es um das Innere von uns geht. Dort werden seelische Probleme behandelt und im besten Fall sogar geheilt. Da die Wunden von außen jedoch nicht sichtbar sind, reicht ein Pflaster oder ein Gips nicht aus. Stattdessen müssen die Wunden durch Gespräche oder Übungen und Spiele behandelt werden.

Klischee ade

Im Fernsehen sieht man die Patient*innen immer auf einem länglichen Sofa liegen und über über ihr Leben schwadronieren. Frei erfunden ist dieses Bild nicht, denn in der klassischen Psychoanalyse nach Sigmund Freud ist es tatsächlich so, dass eine Person sitzt oder liegt, und über das redet, dass ihr oder ihm gerade durch den Kopf geht. Der/die Therapeut*in hört zu und hilft dabei, die Gedanken in verschiedene Richtungen zu lenken. Das Ziel ist es, Konflikte aus der Vergangenheit zu bewältigen, um in der Gegenwart besser leben zu können.

Bei Kindern und Jugendlichen ist diese Form der Therapie aber eher selten, da diese ohnehin schon sehr gehemmt dabei sind, mit einer fremden Person ehrliche Gedanken zu offenbaren. Beliebter ist die kognitive Verhaltenstherapie, in der das Verhalten neu erlernt wird. Bei Suchterkrankungen, Essstörungen oder Zwängen wird daher oft eine Verhaltenstherapie empfohlen.

Ansonsten gibt es noch die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, eine Weiterentwicklung der Psychoanalyse. Bei dieser geht es vor allem darum, aktuelle Konflikte zu lösen, in dem in die Vergangenheit – zum Beispiel die Kindheit und Erziehung – geschaut wird. Besonders empfehlenswert ist diese Form bei  Ängsten oder Traumata.

Wie funktioniert so eine Therapie?

Zunächst einmal müssen sich Patient*innen und Therapeut*innen erst mal kennenlernen und schauen, ob sie zueinander passen. Es ist wichtig, dass das Kind sich bei der psychologischen Fachkraft wohlfühlt. Sollte dies nicht der Fall sein, kann gern nach einem anderen gesucht werden. Therapeut*innen sind deshalb auch nicht böse. Hauptsache das Kind fühlt sich wohl und sicher.


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Als nächstes geht es darum, sich selbst ein besser kennenzulernen. Oft wissen wir selbst nämlich gar nicht genau, wer wir sind, weil wir ständig Dinge tun, die wir tun sollen, aber nicht wollen. „Fremdgesteuert“ sagt meine Therapeutin immer dazu – ich lasse mich von anderen Personen oder Regeln etc. steuern und ignoriere dabei meine eigenen Bedürfnisse.

Bei Kindern und Jugendlichen ist es sogar so, dass die Ebene zwischen Patient*in und Therapeut*in viel vertrauter miteinander ist. Sie duzen sich gegenseitig und sitzen auch nicht immer in stickigen Praxen. Je nachdem, inwieweit es dem Kind helfen kann, ist die Therapeut*in bereit, sich etwas anzupassen.

Therapien sind auch nie langweilig, denn es gibt immer eine Menge zu erzählen und außerdem viele Übungen und Tests, die gemacht werden können. Viele Konzepte sind bereits aus der Schule bekannt z. B. Multiple Choice Aufgaben oder Mind Maps. Auch können in bestimmten Fällen die Eltern dabei sein, wobei das eher eine eigene Form, nämlich die Familientherapie ist.

Schweigepflicht

Alles, was gesagt wird, bleibt streng vertraulich. Therapeut*innen würden niemals die Geheimnisse ihrer Patient*innen ausplaudern, auch dann nicht, wenn die Therapie längst vorbei ist. Die wenigen Ausnahmen sind, wenn die Person imstande ist, sich selbst oder andere zu gefährden, oder selbst zu gefährdet zu werden.

Therapien helfen, aber retten nicht

Auch ganz wichtig ist zu wissen, dass niemand den Zauberstab schwingen wird und jemand anderen retten wird. Eine Therapie hilft nur dabei, etwas mehr Struktur in das „Chaos“ zu bringen und selbst besser damit umzugehen bzw. es zu lernen. Ich selbst dachte tatsächlich immer, dass ich zur Therapie gehe und dann wie aus dem Nichts geheilt sein werde – genau, wie wenn ich Medizin zu mir nehme. Aber bei seelischen Verletzungen ist es etwas anders. Deshalb können wir auch über jede Errungenschaft stolz sein, weil wir selbst es sind, die uns retten.

Therapien sind nichts Schlechtes, sondern was Gutes.

Indem wir uns helfen lassen, sorgen wir dafür, dass unser Leben einfacher wird. Eine Therapie mag zwar gelegentlich etwas anstrengend sein, aber sie bereichert auch das Leben.

Ich hoffe, ich konnte im Groben und Ganzen zusammenfassen, was eine Therapie ist und wie sie funktioniert. Ich bin bewusst nicht in die (psychologische) Tiefe gegangen, weil es mir wichtig war, mich kindgerecht zu artikulieren. Wenn ihr aber einen spezifischeren Beitrag haben wollt, sagt gern bescheid!

Habt ihr noch weitere Ergänzungen und Erfahrungen, wie eine Therapie funktioniert? Vielleicht auch für kleine Kinder?  Teilt sie gerne mit uns!

Liebe Grüße
Mounia

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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