Wie ich im 8 Schwangerschaftsmonat verhindert habe, dass man mein Baby zu früh auf Welt holt und operiert


Wir haben hier schon mal zwei Beiträge von LeserInnen gehabt, bei denen Kindern in lebensbedrohlichen Situationen gerettet wurden, weil eine bestimmte Person den richtigen Instinkt gehabt hat: In einem Fall die Mutter. In dem anderen die Hebamme.

Ich will euch hier eine persönliche Story erzählen, denn auch ich bin froh, dass ich die richtigen Menschen an der Seite hatte, mit dem richtigen Wissen und Gewissen!

Es ist sehr lange her, deswegen sind die medizinischen Details eigentlich ziemlich überholt… man würde heute alles anders untersuchen können… und außerdem möchte meine Tochter nicht, dass ihre damalige Diagnose so konkret öffentlich diskutiert wird. Ich beschränke mich hier auf die Aspekte des Geschehens, bei denen ihr etwas für euch ableiten könnt.

Mal auf den Punkt gebracht:

Holt euch immer eine zweite Meinung bevor einer ein Skalpell ansetzt!

Ich war im 8. Monat schwanger und das Ganze ging los bei einer Kontrolluntersuchung. Es ist sehr sehr lange her (meine Tochter hat jetzt vor zwei Tagen ihr Studium abgeschlossen. Yeah!) – daher waren die normalen Ultraschallgeräte recht rudimentär. Bei einer Kontrolluntersuchung sah mein behandelnder Gynäkologe eine ungewöhnliche große Blase im Bauch des Babys. Also des Babys in meinem Bauch. Mein Arzt war nicht besonders beunruhigt, meinte, dass das Baby vollkommen friedliche Bewegungen und Herztöne hat – also nicht unter Stress steht… aber: Ich sollte ins Krankenhaus und das genauer abklären lassen.

Eine bestimmte mögliche Diagnose stand im Raum, im Krankenhaus hatte mal eine andere Idee.

Auch im Krankenhaus wurde gleich ein Ultraschall gemacht. Der Assistenzarzt vermutete beim Baby gleich etwas, das richtig böse werden könnte! Zwei weitere Ärzte schauten drauf und beschlossen, dass das Baby am besten per Kaiserschnitt geholt und anschließend operiert werden sollte. Am besten gleich am nächsten Tag. Ich sollte gleich alle Formalitäten erledigen und am nächsten Tag zur OP vorstellig werden. Oder am besten gleich da bleiben!

Ich war sprachlos, fragte mehrmals nach dem Warum. Ich war super jung, zu dem Zeitpunkt keine 21… ich hatte den Eindruck, dass sie mich wie ein unwissendes Kind behandeln. Ich bekam keine ausreichenden Erklärungen – auch nicht auf die Frage, warum es so dringend sei, wenn das Baby offensichtlich keine Stress- und Schmerzanzeichen hätte. Sie meinten, was sie habe, könnte sehr plötzlich sehr gefährlich werden! Basta. OP muss sein.

In dem Moment habe ich eine Wahl getroffen: Mir war es eigentlich danach, nur noch zu heulen und mich in die Hände des Krankenhauses zu begeben… aber ich habe nüchtern und mutig entschieden, dass das keine gute Option ist. Sondern dass es so viel Zeit hat, um eine weitere Meinung zu holen.

Ich bat um die Erlaubnis, mit meinem Arzt zu telefonieren. Damals hatte nicht jeder ein Handy! Mein Arzt war sofort dran und sagte, ich solle zurück zu ihm in die Praxis, er würde etwas organisieren. Und sagte den Krankenhausärzten, sie sollten mich auf seine Verantwortung entlassen. Diese fanden das sichtlich nicht gut, liessen mich aber ziehen…

Bis ich bei meinem Artzt in der Praxis war, war es dann schon Abend und alle waren weg. Er wartete nur noch auf mich, wir gingen zusammen einige Straßen weiter zu einem Freund von ihm, einem Ultraschallspezialisten, in seine Praxis – die genauso leer war. Wenig später fand sich auch noch ein anderer Freund der beiden ein, angeblich die Koryphäe in Berlin auf dem Gebiet der Kinderchirurgie. Ich war ganz normaler Kassenpatient damals… und das alles war außerhalb der Sprechzeiten!

Die drei älteren Herren, alle deutlich über 65, machten erst eine Flasche Rotwein auf und prosteten sich zu: „Das bekommen wir schon gelöst!“. Ich bekam Traubensaft. Mein Bauch wurde mit Ultraschall untersucht. Ich schaut mit auf den Bildschirm: WOW! Was für eine Präzision…  Ladies, was für euch heute selbstverständlich ist, war damals in den 90ern eine echte Revolution.

Die Situation war reichlich skurril: Ich auf der Liege und die drei älteren Ärzte mit Rotweingläsern um mich herum, einer mir den Ultraschall über den Bauch hin und her fahrend… und fachsimpelnd. Sie scannten und scannten und dann stand fest: Termin im Krankenhaus absagen. Keine OP nötig. Ultraschall alle 3 Tage. Und falls was sein sollte, garantierten sie, dass sie den Eingriff persönlich leisten würden – in einem anderen Krankenhaus.

Der Kinderchirurg sagte damals wortwörtlich: „Ein guter Chirurg ist einer, der es versteht, eine OP zu vermeiden!“

Das fühlte sich für mich gut an. Natürlich war die Zeit danach alles andere als entspannt und voller Sorgen! Aber in der Tat durfte meine Tochter ganze ANDERTHALB MONATE (!!!) danach eine natürliche Geburt haben. Sie wurde direkt danach vom Kinderchirurgen untersucht und der entschied sich auch dann gegen eine OP.

Das gesundheitliche Problem meiner Tochter erledigte sich mit ca. 8 Monaten von selbst. Von selbst!

Stellt euch vor, ich wäre der Krankenhausempfehlung gefolgt und hätte mein Kind als Frühchen in eine OP gegeben! Was für ein Start wäre das? 

Ich danke auch nach so vielen Jahren von Herzen meinem Ärzte-Trio, wobei ich leider weiß, dass es einen von ihnen gar nicht mehr gibt. Und ich bin jedes Mal, wenn ich darüber nachdenke, stolz auf mich selbst, dass ich nicht völlig ausgetickt bin, sondern mir eine zweite Meinung eingeholt habe.

Habt ihr auch solche Situationen erlebt? Erzählt sie mal, denn mit jeder Story mehr ist auch jede neue Mama schlauer! 

Liebe Grüße,

Béa

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Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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