Gastbeitrag über Mutterinstinkt und den Überlebenskampf ihres Kindes


„Mit nur neun Monaten gab unser Sohn Anfang August seinen Überlebenskampf auf, um kurz darauf von den Ärzten zurückgeholt zu werden, die dieses ganze Drama von Anfang an hätten verhindern können.“
Ein sehr emotionaler und langer Gastbeitrag hat uns erreicht. Diesen möchten wir gerne mit euch teilen, denn er möchte euch Eins vermitteln:

Hört auf euer Gefühl, seid stark für euer Kind, setzt euch ein und bleibt hartnäckig. Lieber einmal zu viel auf etwas bestehen und einmal zu viel falsch liegen, als es im Nachhinein zu bereuen.

Und hier ist der bewegende Bericht:.

Ich muss ein bisschen ausholen, denn es wurde an zu vielen Stellen und in viel zu vielen Momenten fahrlässig gehandelt

Glücklicherweise sind wir eine sehr gesunde und robuste Familie. Bis zu diesem Sommer. Als erstes hat es mich erwischt, dann waren schnell alle drei Kinder und auch mein Mann krank. Als der Husten unseres Ältesten nicht abklingen wollte und auch der Jüngste immer noch erkältet war, ging ich mit ihnen beiden an einem Samstagvormittag zum Kinderarzt. Dieser hörte beim Älteren ein „Geräusch im rechten Lungenflügel“, machte eine Blutentnahme und sah, dass er eine bakterielle Infektion hatte. Er verordnete eine siebentägige Antibiotika-Kur und erklärte meinem Mann und mir, aufmerksam zu sein und schnell zu reagieren, falls es einem anderen Familienmitglied plötzlich schlechter gehen sollte. Er könne die Art der Bakterien so schnell nicht bestimmen, aber unser Sohn sei sicher noch ansteckend.

Als er beim Jüngsten keine Geräusche in den Lungen feststellte, wurden wir nach Hause entlassen – froh, dass es nichts schlimmes zu sein schien, nichtsahnend wie schlimm es noch kommen sollte.

Keine zwölf Stunden später, in der Nacht auf Sonntag, ging es unserem Jüngsten plötzlich schlechter.

Trotz Fieberzäpfchen sank seine Temperatur nicht und er atmete schwer. Mein Mann und ich fuhren um ca. 6.00 Uhr mit ihm in die Notaufnahme. Dort hatte sich eine Pflegefachfrau sofort um uns gekümmert und auch die diensthabende Assistenzärztin wurde sehr rasch hinzugezogen. Nach dem üblichen Wiegen und Fiebermessen, wurden wir nach seiner Vorgeschichte befragt. Ich erklärte, dass wir alle seit zwei Wochen krank waren, ich erzählte aber vor allem, dass wir einen Tag zuvor beim Kinderarzt waren, er dem grossen Bruder Antibiotika verschrieben und uns ausdrücklich erklärt hatte, dass die Ansteckungsgefahr bei uns zuhause naturgemäss gross sei und wir schnell reagieren sollten, wenn es einem von uns schlechter gehen sollte. Deshalb seien wir hier.

Die Assistenzärztin hörte mir aufmerksam zu, meinte dann aber ziemlich schnell, dass es sich hierbei wohl um Pseudo Krupp handle. Ich erwiderte, dass unser Kind selten huste und wenn, dann produktiv. Pseudo Krupp kennen wir und dieser zeichne sich eher durch einen trockenen und „bellenden“ Husten aus. Unser Kind atmete aber einfach sehr schwer, ohne zu husten. Und ich erwähnte noch einmal, dass sein Bruder einen Infekt hätte und Antibiotika nehmen müsse. Daraufhin hörte ich zum ersten Mal den Satz „Hier geht es jetzt aber um den Kleinen und nicht um den grossen Bruder! Das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun!“ Mit diesem Satz, würde man mich in den nächsten 24 Stunden noch einige Male zum Schweigen bringen…

Es wurde also Pseudo Krupp diagnostiziert und er musste die erste Dosis Adrenalin inhalieren.

Für mich war es sehr schlimm, meinem Baby eine Maske aufs Gesicht zu drücken, aber er merkte bald, dass ihm diese Maske gut tat und die Sättigung (um diese zu überwachen wurde ihm ein Knopf an den grossen Zeh geklebt) stieg auf 100%. Als ich ihn danach aber hinlegte, um ihn anzuziehen, bemerkte die Pflegefachfrau, dass ihn das Atmen so sehr anstrengte, dass sich sein Hals einzog, so als ob man mit einem Bleistift in den Hals drücken würde. Er bekam also eine zweite Dosis Adrenalin. Als auch diese seinen Atem nicht verbesserte, inhalierte er ein weiteres Medikament, welches die Bronchien weiter unten weiten sollte. Da es ihm auch nach dieser dritten Inhalation nicht viel besser ging, wurde der Oberarzt hinzugezogen. Auch ihm erzählte ich die ganze Vorgeschichte und wieder hielt ich es für sehr wichtig, zu erwähnen, dass der grosse Bruder einen Infekt habe. Aber auch dieser Oberarzt antwortete mir, dass es jetzt um den Kleinen ginge, das Eine hätte mit dem Anderen nichts zu tun, der Kleine habe einfach eine etwas stärkere Form von Pseudo Krupp.

Obwohl alles in mir den Oberarzt noch einmal auf den grossen Bruder hinweisen wollte und obwohl ich ein so starkes Gefühl hatte, dass der Infekt des Grössten eine Rolle spielt, schwieg ich. Und ich begann sogar langsam selber daran zu glauben, dass er „halt einfach eine etwas stärkere Form von Pseudo Krupp hat“

Nachdem anhand eines Röntgenbilds ein Fremdkörper in der Luftröhre ausgeschlossen werden konnte, wurden wir auf die Station verlegt, denn wir sollten 24 Stunden zur Überwachung hier bleiben – damit wir hier sind, wenn er in der Nacht den klassischen Pseudo Krupp-Anfall bekommt…

Wegen der Ansteckungsgefahr durften wir das Zimmer nicht verlassen und so schaukelten wir den ganzen Tag im Zimmer auf und ab, immer im Takt zum Überwachungsgerät. Die Zeit schien nicht vorbeigehen zu wollen und so wiegte ich mein Kind immer noch im Arm, als es langsam dunkel wurde. Ich schätze es war so gegen 21.30 Uhr als ich ihn zum Wickeln hinlegte und er sofort blau wurde und total panisch nach Luft schnappte. Die Sättigung fiel auf 70% und ich rief die Pflegefachfrau. Sofort brachte mir diese eine Sauerstoffmaske, welche ich ihm aufs Gesicht halten sollte.

Es muss etwa eine Stunde später gewesen sein, als ich ihm die Maske zum ersten Mal abnahm.

Sofort sank die Sättigung und ich legte ihm die Maske wieder ans Gesicht. Er begann zu weinen und zu jammern und ich rief die Nachtschwester. Er hatte Fieber und als wir ihn hinlegen wollten um ihm ein Zäpfchen zu geben, lief er sofort wieder blau an. Ich hielt ihn also wieder stehend auf dem Arm und die Nachtschwester gab ihm das Zäpfchen, ebenfalls stehend und in meinem Takt mitschaukelnd, denn je mehr er sich aufregen würde, desto geschwollener würde sein Hals werden, erklärte sie mir. Er hatte nun schon ca. drei Stunden ununterbrochen die Sauerstoffmaske auf,aber sobald ich sie ihm abnahm, sank die Sättigung rapide. Irgendwie wartete ich auf diesen heraufbeschwörten Pseudo Krupp Anfall – das laute Husten blieb aber aus und ich rief irgendwann wieder die Nachtschwester.

Es musste nun ca. 1.00 Uhr gewesen sein, und ich fragte sie, ob das denn wirklich normal sei und ob man nicht irgendetwas machen könne, oder wie lange ich ihm noch die Maske hinhalten soll, bis es besser wird. Sie rief die diensthabende Assistenzärztin an, wurde aber abgewimmelt, „man könne bei Pseudo Krupp halt nichts machen, nur abwarten.“ Dann sagte ich ihr, dass er ja nicht einmal huste, er atme sehr angestrengt, er hat aber noch nicht ein einziges Mal gehustet, das sei doch kein Pseudo Krupp!

Die Nachtschwester rief abermals die Ärztin an und dieses Mal habe ich mitbekommen, wie die Schwester zu ihr sagte, dass sie doch wenigstens „der Mama zuliebe kommen solle, damit wir alle beruhigt sein können“. Aber auch dieses Mal kam die Ärztin nicht und ich schaukelte mein Kind weiter durchs Zimmer, betend, dass diese Nacht doch endlich enden möge.

Plötzlich öffnete sich die Tür, ein junger Arzt kam wortlos herein, hörte mein Kind dreimal mit dem Stethoskop ab und verschwand so rasant wie er hereingekommen war.

Ich war zu erschöpft und zu überrascht, um auf seinen Auftritt zu reagieren und so summte ich weiter das Sandmännchen-Lied. Immer und immer und immer wieder. Als die Nachtschwester um ca. 3.00 Uhr kam um Fieber zu messen, war seine Temperatur angestiegen und in seinen wunderschönen hellblauen Augen war plötzlich nur noch die absolute Panik zu sehen.

Er bekam bereits volle fünf Stunden Sauerstoff und als die Nachtschwester die Ärztin anrief und diese sie wieder abwimmeln wollte, drohte sie ihr damit, den Chef zu verständigen. Es dauerte noch einmal eine gefühlte Ewigkeit, bis die Assistenzärztin dann endlich kam. Sie strich meinem Baby zweimal über den Kopf, hörte ihn ab und meinte dann „tja, bei Pseudo Krupp kann man halt einfach nichts machen. Öffnen sie das Fenster und stehen sie mit ihm davor, das tut ihm gut!“ Ich sagte ihr, dass er nun seit fünf Stunden ununterbrochen Sauerstoff bekäme, sofort blau werde ohne die Maske und dass das doch nicht mehr normal sei! Er würde ja nicht einmal husten, das sei doch kein Pseudo Krupp, er habe sich bestimmt beim grossen Bruder angesteckt! Sie lachte und sagte, das Eine hätte mit dem Anderen nichts zu tun, ich solle doch jetzt einfach mal ans Fenster stehen und abwarten. Und weg war sie.

Keine Ahnung was mich da geritten hat, aber ich stand tatsächlich wie ferngesteuert ans offene Fenster und erhoffte Besserung für mein Kind. Am offenen Fenster. Obwohl er eine Maske aufhatte…

Ich war so verzweifelt und verfluchte die ganze Welt.

Die Nachtschwester fühlte sich sichtlich unwohl in ihrer Rolle und bot an, ihm noch einmal Adrenalin zu geben. Aber auch das half nichts und mittlerweile zog sich nicht nur sein Hals so stark ein, sondern auch das Zwerchfell. Es sah so surreal aus, es schien, als steche jemand mit einem Dolch auf den Körper meines Jungen ein. Er war jetzt total apathisch und verdrehte die Augen und als ich der Nachtschwester sagte, dass ich auch zuhause ans offene Fenster hätte stehen können und man ihm jetzt endlich helfen müsse, rief sie wiederum die Ärztin.

Tatsächlich kam diese wieder NICHT!

Die Nachtschwester musste ein weiteres Mal anrufen und ihr sagen, dass sie JETZT kommen MUSS, es sei ernst! Irgendwann stand „Madame“ dann da und als auch sie sah, wie er atmete (ich hielt ihm mittlerweile sieben Stunden die Sauerstoffmaske ans Gesicht!), rief sie die Assistenzärztin der Intensivstation hinzu. Als ich auch ihr die ganze Vorgeschichte und vom grossen Bruder erzählt hatte, bekam ich wiederum zu hören, dass das Eine mit dem Anderen rein gar nichts zu tun hätte, ich müsse mich jetzt auf den Kleinen konzentrieren. Sie rief irgendjemanden an (ich nehme an es war der Oberarzt der Intensivstation) und verordnete die allererste Blutentnahme, seit wir dieses Krankenhaus betreten haben.

Es kam also 22 Stunden lang niemand sonst auf die Idee, meinem Kind Blut abzunehmen!

Leider funktionierte auch das nicht auf Anhieb, es hatte Luftblasen im Blutrohr und so wurde ihm aus drei verschiedenen Fingern Blut abgenommen bis sie es endlich geschafft haben.

Als das Telefon klingelte und das Labor bekannt gab, dass er zu viel Co2 im Blut hat (er hatte also zu wenig Kraft, die Luft auszuatmen), ging plötzlich alles schnell. Wir liefen in die Intensivstation und wurden dort von zwei Ärzten und drei Schwestern empfangen. Ich musste wieder unsere Geschichte erzählen und tatsächlich wurde mir auch dort wieder gesagt, der grosse Bruder tue hier nichts zur Sache, die Assistenzärztin der Intensivstation war sogar so genervt, dass sie mir ganz vorwurfsvoll sagte, ich solle mich doch jetzt endlich um den Kleinen kümmern und nicht um den grossen Bruder!

Die sollte man doch eigentlich nur bei Grey’s Anatomy von innen zu sehen bekommen… Man nahm mir den Kleinen, sagte mir, dass sie ihm den Kopf rasieren müssten für eine Infusion und dass er intubiert wird. Sie begleiteten mich nach draussen und ich konnte nur noch abwarten. Es war das erste Mal seit fast 17 Stunden, dass ich mich setzte. Und es war das erste Mal, dass ich so sehr weinte, dass mir die Brust zu platzen drohte.

Da lag mein wunderschöner, kleiner Junge, umgeben von Schläuchen und Maschinen, angebunden ans Bett.

Man erklärte mir, dass sie am Kopf keine Vene treffen konnten, deshalb habe er bereits jetzt blaugrüne Verfärbungen am Kopf. Weiter konnten sie keine Vene an Hand oder Fuss finden, da er noch viel Babyspeck habe und sie nicht die Zeit gehabt hätten, lange zu suchen, denn er habe bereits begonnen das Atmen aufzugeben.

Also drangen sie mit einem kleinen Bohrer in sein Schienbein bis zu seinem Knochen vor, injizierten mit einer langen Nadel ein Beruhigungsmittel direkt in den Knochen und intubierten ihn. Mir wurde erklärt, dass der Schmerz dieses Bohrers besser zu ertragen wäre als das Intubieren. Sein Hals war dann schon so geschwollen, dass sie den Schlauch beim ersten Mal nicht reinbrachten, daher war er für einen kurzen Augenblick weg. Ohne Atem. Sättigung auf Null. Ich wage es nicht auszusprechen, was er für einen kurzen Moment war. Mein kleines Kind, mein Baby sollte keine solchen Schmerzen spüren! Und es sollte sich erst recht nicht auf den Weg machen!

Zum Glück konnten sie den Beatmungsschlauch beim zweiten Versuch setzen und so wurde mein Kind wieder zu uns zurückgeholt.

In beiden Armen hatte er jetzt Infusionen, eine Infusion war in seinem Fuss. Ein Schlauch diente der Beatmung, der andere der Ernährung. Drei Elektroden klebten an seiner Brust, beim Anbringen einer Elektrode hatten sie ihn noch verbrannt, weil sie zu hoch eingestellt war. Er bekam unter anderem Morphium, jedoch wehrte er sich zu fest, wurde immer wieder wach und wollte zu mir, er war aber angebunden.

Und durch den Tubus, den Schlauch, verliess kein Ton seinen Hals, er weinte und schrie stumm.

Ich durfte ihn nicht in die Arme nehmen und es brach mir mein Herz.

Ab Tag zwei bekam er deshalb Fentanyl, was, wie man mir erklärte, hundertmal stärker als Morphium wirkt und endlich schlief er tief. Alle vier Stunden gab ich ihm meine abgepumpte Muttermilch durch die Magensonde, immerhin etwas, das ich machen konnte. Zuhause warteten meine beiden grossen Jungs, der Älteste hatte in dieser Woche auch noch Geburtstag. Es war die absolut schlimmste Zeit meines Lebens, ich funktionierte nur noch. Ich wurde Abends nach Hause geschickt um zu schlafen und schleppte mich am nächsten Morgen in aller Früh wieder zu meinem Kind. Dazwischen versuchte ich krampfhaft meine beiden grossen Jungs die Lücke nicht spüren zu lassen, die dieser Vorfall in unsere Familie riss. Mein Mann hatte zum Glück Urlaub und so übernahm er Abends den Besuch bei unserem Baby im Krankenhaus.

Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass die Mitarbeiter der Intensivstation uns wirklich super betreut haben.

Sie haben sich für uns Zeit genommen, waren freundlich und sehr fürsorglich. Sie massierten unserem Kind die Beine, sprachen mit ihm, es kamen Clowns vorbei und sangen für ihn. So schlimm diese Zeit für uns war, so erträglich wurde es uns durch das Personal dort gemacht. Unser Sohn erholte sich ausserordentlich schnell. Nach drei Tagen Beatmung, wurde er langsam aus der Narkose geholt und wir verbrachten noch einmal 24 Stunden auf der Intensivstation.

Am Freitagmorgen wechselten wir dann wieder auf die normale Station. Er hatte sofort nach der Intubation intravenös Antibiotika bekommen und das Labor „züchtete“ die Bakterien aus seinem Blut um genau feststellen zu können, um welche Bakterien es sich handelt, daher bekam er ein, auf ihn „zugeschnittenes“ Antibiotika und wir konnten am Samstagvormittag tatsächlich nach Hause. Er war natürlich noch total schlapp und bekam weiterhin Antibiotika, aber wir durften endlich nach Hause und nur das zählte.

Beim Abschlussgespräch bekam ich dann zum ersten Mal zu hören, dass er sich „mit 99%iger Wahrscheinlichkeit bei seinem grossen Bruder angesteckt hat und das Gleiche hat wie er“. Ich war zu erschöpft um wirklich wütend zu werden, zumal diese Ärztin, die jetzt Dienst hatte sowieso gar nichts dafür konnte, dass mir am Anfang kein Gehör geschenkt wurde.

Aber es bestätigte mein Gefühl – ich hatte von Anfang an recht.

Ich fragte sie dann, ob das alles hätte verhindert werden können, wenn man den Kleinen von Anfang an auf eine bakterielle Infektion untersucht hätte – sie bejahte und ich begann langsam zu begreifen, dass ich um ein Haar mein Kind verloren habe, nur weil man mich nicht ernst nahm und eine Prüfung meiner Einwände nicht einmal in Erwägung zog.

Der Nachsorgetermin in unserer Kinderarzt-Praxis gab mir dann den Rest.

Unser Kinderarzt hatte in der Zeit, bevor wir auf die Intensivstation mussten sogar Notfall-Dienst! Als er zufällig las, dass einer seiner Patienten im Krankenhaus auf Station war, wollte er uns besuchen, da sagte man ihm auf der normalen Station, dass wir „gegangen“ seien. Er war erleichtert, weil er dachte, wir wären nach Hause gegangen, kein Mensch hat ihm gesagt, dass wir auf Intensiv waren. Er war so sauer, denn hätten sie ihm sofort bei Dienstantritt die Akten gegeben, oder ihn informiert, dass einer seiner Patienten hier ist, hätte er auf Grund der Erkrankung des grossen Bruders sofort eine Blutabnahme verordnet.

Aber unabhängig davon, hätte spätestens bei der stationären Aufnahme des Kindes, ein Blutbild gemacht werden müssen, das sei ein Standard-Vorgehen. So hätten sie die erhöhten Werte sofort gesehen, ihm Antibiotika und Kortison gegeben und wir wären mit absolut grosser Wahrscheinlichkeit nie auf der Intensivstation gelandet. Ich war baff. Da lief also der Mann, der mich hätte unterstützen und uns dieses Desaster hätte ersparen können, die ganze Zeit zwei Stockwerke unter uns umher und wir wussten nichts voneinander. Ich musste mir von total neun (!!) Fachkräften anhören, dass mein Einwand nichts zur Sache täte, es hatte also keine einzige Person (bis auf die super Nachtschwester) Schicht, die mir Glauben schenken wollte oder wenigsten prüfte ob etwas Wahres an meiner Vermutung sei.

Es ist satte 22 Stunden absolut niemand auf die Idee gekommen, dem Kind Blut abzunehmen.

Absolut niemand. Obwohl er sieben Stunden lang ununterbrochen die Sauerstoffmaske brauchte. Und die diensthabende Nachtärztin auf der Station musste viermal – viermal – dazu aufgefordert werden, sich ein Kind anzuschauen, das zur Überwachung da war.

Wie konnten wir denn nur so unglaublich viel Pech haben, dass all diese Komponenten zusammenspielten und uns diese Erinnerungen bescherten, die wir nun nicht mehr loswerden?

Ich weiss, dass es viele Familien gibt, die nicht so grosses Glück hatten wie wir, auf der Intensivstation habe ich Dramen gesehen, an die ich nicht zu denken wage. Aber ich verspüre den Drang, endlich gehört zu werden! Denn unser Fall hätte ganz anders verlaufen können. Wo gearbeitet wird, passieren Fehler, aber hier wurden nicht einfach „Fehler“ gemacht, man hat fahrlässig gehandelt und mit der arroganten Einstellung der Fachpersonen überflüssigerweise das Leben meines Kindes aufs Spiel gesetzt.

Ich glaube ganz fest daran, dass wir Eltern mit der Geburt unseres ersten Kindes mit einem Sensor ausgestattet werden, der uns ganz genau spüren lässt was richtig ist und was nicht. Wir dürfen, sollen und müssen selbstbewusst mitentscheiden wenn es um unser Kind geht.

Ich hadere immer noch mit mir, wieso ich nicht härter darauf bestanden habe, dass ich von einer Ansteckung des grossen Bruders überzeugt bin. Ich war wie gelähmt, ich, die sonst wie eine Löwin für ihre Familie kämpft, die auf fast alles eine Antwort kennt und die sich immer auf ihr Gefühl verlassen kann. Ich war so gelähmt und so unfähig zu denken, dass ich selber nicht darauf gekommen bin, meinem Kind könnte man Blut abnehmen. Ich war 17 Stunden auf den Beinen, ich habe meinem Baby satte sieben Stunden eine Sauerstoffmaske aufs Gesicht gedrückt. Ich kann das alles einfach noch nicht fassen. Ich habe nur noch funktioniert. Und gehofft. Aber vor allem funktioniert.

Ich bin unendlich dankbar, dass mein Kind überlebt hat, dass er keine bleibenden Schäden davontragen wird (zumindest keine körperlichen), dass wir in einem Land leben, in dem wir so gut medizinisch versorgt werden. Aber es macht mich unglaublich wütend, dass all das hätte verhindert werden können. Wenn man auf uns Eltern gehört hätte, und wenn nicht, dann weil man ihm bei der stationären Aufnahme Blut abgenommen hätte, so, wie man es sonst „immer“ macht. Und wenn auch da nicht, dann, wenn man sich das Kind einmal ganz genau angesehen hätte anstatt die Nachtschwester am Telefon abzuwimmeln.

Aber es ist jetzt durch. Es ist passiert und ich kann es nicht mehr ändern. Ich möchte nur allen Eltern noch einmal sagen:

Hört auf euer Gefühl, seid stark für euer Kind, setzt euch ein und bleibt hartnäckig. Lieber einmal zu viel auf etwas bestehen und einmal zu viel falsch liegen, als es im Nachhinein zu bereuen.

Und vielleicht, ich wünsche es niemandem, aber vielleicht, wenn jemand von euch in eine ähnliche Situation kommt, denkt ihr an meine Geschichte und werdet dazu ermutigt, nicht von eurem Gefühl abzulassen und zu kämpfen.

Nachtrag::

Liebes Tollabea-Team.

Ich hatte in der Zwischenzeit ein wirklich gutes Gespräch mit der Klinikleitung. Es wurden Einzelgespräche mit den involvierten Personen geführt und Teamsitzungen abgehalten. Es gibt im Januar eine einmalige Schulung des gesamten Krankenhauspersonals über unsere Geschichte.

Danach wird unser Fall fix als neuer Block in die interne Weiterbildung aufgenommen. Es wird sowohl fachlich die Art dieser Atemwegsinfektion gelehrt (da sie sehr selten ist, kommt sie in der regulären Grundausbildung nicht vertieft vor), als auch dem Personal vermittelt, wie wichtig und unabdingbar es ist, die Patienten und Angehörigen ernst zu nehmen und speziell die Ärzte auch noch mehr auf das Pflegefachpersonal zu hören. Für mich war es ein sehr gutes Gespräch, der Chefarzt war sehr glaubwürdig und ernsthaft interessiert. Das meine „Reklamation“ so etwas bewirkt hat finde ich wirklich gut und ich kann Frieden mit der Situation schliessen.

Vielleicht macht das alles auch anderen Eltern Mut und motiviert sie, solche Erlebnisse nicht einfach hinzunehmen, sondern sich Gehör zu verschaffen und somit echte Veränderungen zu bewirken.

Habt ihr auch ähnliches erlebt? Meldet euch bei uns, wir publizieren auch eure Story!

Und wer anonym bleiben möchte, schickt uns am besten eine PN über den Messenger: https://m.me/tollabea (übrigens, dann fragt euch das Ding, ob ihr News von euch erhalten wollt… Ein „Ja, geht klar, würde uns freuen!)

Yvonne Petzke
About me

Berliner Mom of 3 * Sport (Marathon) * Reisen * Natur * Mode * Beauty * * Aktuelles und Persönliches über mich und mein Leben findet ihr auf Instagram unter @yvonne_tollabea

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30 Kommentare

Nadine
Antworten 27. September 2017

Puh, was für ein Krimi und Gott sei Dank mit gutem Ausgang!
Aber kann bzw. sollte man da nicht noch was unternehmen? Beschwerde, Klage, was weiß ich... Es kann doch nicht sein, dass in diesem Krankenhaus so viele Menschen fahrlässig gehandelt haben und jetzt ungeschoren davon kommen!
Vielleicht kann euer Kinderarzt da auch weiterhelfen, zumindest wohin ihr euch wenden könnt...

Ich wünsche euch alles Gute!
Nadine

Anita
Antworten 28. September 2017

Ich bin entsetzt! Arrogante Ärzte sind das Aller-Allerschlimmste! Diese Hilflosigkeit, dieses Ausgeliefertsein... Für mich hört sich diese Geschichte nach dem Krankenhaus Neukölln an. Vielleicht hab ich Recht?

    Sabrina
    Antworten 3. Oktober 2017

    Hallo, ich bin die Mama aus dem Bericht. Das Krankenhaus steht in St. Gallen, Schweiz... traurig zu lesen wieviele Eltern ähnliches erlebt haben, auch in anderen KH...

Ines Prediger
Antworten 28. September 2017

Es ist unfassbar, kaum zu glauben was da geschehen ist. Man sollte die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Besonders die Ärztin die sich geweigert hat herauszukommen, um nach dem Jungen zu schauen. Das ist doch unterlassene Hilfeleistung, was sie sich da geleistet hat. Ich würde weitere Rechtliche Schritte einleiten. Der Hausarzt würde sicher helfen.
Ich bin sehr, sehr froh das der kleine Mann die Geschichte gut ohne körperlichen Schaden überstanden hat. Wünsche ihm und seiner Familie alles gute für die Zukunft. ❤❤❤

Marianne
Antworten 28. September 2017

Einfach unfassbar!!!Diese Arroganz und Inkompetenz gewisser Ärzte,die einem zu allem noch hinstellen,als wäre man völlig daneben.Mir kamen die Tränen beim Lesen dieses Artikels.Habe ich doch selbst mit meinen 2Kindern,due Jüngere damals gerade 3Monate alt,wegen RSV nächtelang im Kispi verbracht...Diese kleinen hilflosen Geschöpfe so leiden zu sehen zerfrisst jedes Mutterherz.Da sollte man gerichtlich vorgehen.

Phibie
Antworten 5. Oktober 2017

Ich bin sehr froh, dass es Deinem Sohn wieder besser geht. Es ist unglaublich was Du dort erlebt hast, leider denken die Ärzte oft das die Mütter einfach ein bisschen hysterisch sind. Dabei kennen die doch ihre Kinder am besten. Ich weiß nicht, warum man als Arzt sich immer so gegen die Mütter wehrt. Ich bin eigentlich nicht jemand, der gleich mit Anwälten droht oder rechtlichen Konsequenzen, allerdings denke ich, dass man in diesem Fall vielleicht wirklich etwas machen sollte. Dabei geht es ja nicht um Rache oder Schmerzensgeld oder so etwas in der Art, sondern auch damit so etwas nicht noch einmal passiert. Keiner ist unfehlbar, aber das ist wirklich das allerletzte und das auch noch von mehreren Ärzten, so etwas darf nicht passieren.

Claudia
Antworten 11. November 2017

Vielen Dank für das Teilen und diesen sooooo wichtigen Appell. Bei meinem Sohn waren es angeblich die Drei-Monats-Koliken, gegen die man ja nichts machen kann und ich müsse da durch und das wurde mir immer wieder und immer wieder gesagt...
Als er kaum noch trank und apathisch wurde und ich mich weigerte die Praxis zu verlassen bis das geklärt ist, wurde der 6x9cm große Tumor anstelle der Niere meines 4Monate alten Sohnes endlich gefunden ?

    Béa Beste
    Antworten 11. November 2017

    Wahnsinn, was du durchgemacht haben musst! Wie geht es ihm heute? Liebe Grüße, Béa

      Claudia
      Antworten 12. November 2017

      Danke für die liebe Nachfrage. Nach zwei riesigen Operationen (es gab ein Rezidiv) und 8 Monaten Chemotherapie sind seit Februar 2015 alle Untersuchungen ohne Befund. Er ist im September 4 geworden, ein großartiger und doch ganz normaler Junge und seit April auch ein toller großer Bruder ❤

        Béa Beste
        Antworten 12. November 2017

        Das ist wunderbar schön und tröstlich. Alles Liebe und Gute und ganz ganz viel Gesundheit - für euch alle! Béa

Babs
Antworten 12. November 2017

Ich habe mein erstes Kind verloren, weil mein Frauenarzt mir ein falsches Medikament verschrieben hat. Ich habe in der Packungsbeilage gelesen, dass man es nicht in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten nehmen darf und habe sofort angerufen. Mein Frauenarzt beteuerte mir, ich könnte das Medikament nehmen, es sei kein Problem.

Nachdem meine Blasenentzündung mit Cranberrysaft und sonstigen Alternativ-Mitteln nicht besser wurde, habe ich schließlich doch das Medikament genommen und hatte dann ein totes Kind im Bauch...

Noch heute bin ich unfassbar traurig darüber, dass ich nicht eine zweite Arztmeinung eingeholt habe. Aber damals kam mir das irgendwie nicht in den Sinn.... auch ich habe nur funktioniert....

    Béa Beste
    Antworten 12. November 2017

    Das ist absolut schrecklich!!! Aber es ist nicht deine Schuld! Sei ganz lieb umarmt, Béa

Rewana
Antworten 12. November 2017

Die Erfahrung ist grausam. Ich kann auch verstehen, dass über rechtliche Schritte diskutiert wird. Allerdings bin ich der Meinung, dass die Mama hier nachträglich etwas sehr wertvolles erreicht hat. Ein offenes Ohr bei der Klinikleitung und die Zusage, dass es Schulungen geben wird, sowie offene Gespräche mit den involvierten Kräften. Das ist, meiner Meinung, mehr wert als ein nervenaufreibender Prozess gegen eine Klinik, die weiter arrogant agiert und alle Verantwortung wegschiebt.
Alles liebe

UHU
Antworten 29. Dezember 2017

Was eine grausame Erfahrung die ihr da machen musstet.
Seit einigen Jahren gibt es das PRG (Patienten Rechte Gesetz ) . Sicher ist die rechtliche Seite etwas woran man in einer solchen emotionalen Lage nicht denkt. Und in diesem Fall scheint es eine tolle Klinikleitung zu geben.
Dennoch denke ich , ist es gut vom PRG zu wissen.
Alles Gute

M.
Antworten 28. Februar 2018

Wie furchtbar! Wenigstens hat sich danach etwas bewegt... Ich glaube, viel ist auch dem Personalmangel geschuldet. Wir waren Mal mit unsere 11 Monate alten Tochter stationär mit Verdacht auf Lugenentzündung. Es hat mehr als 24 Stunden gedauert, bis zum roten Mal ein Arzt zu uns kam und und sagte, was unser Kind hat. Sie haben uns schlecht vergessen! Auf mein Nachfragen behauptete die Schwester sogar, der Arzt sei doch bei uns gewesen und erst morgen sei er wieder auf Station. Sie glaubten mir nicht, gaben aber später zu, dass wir vergessen wurden. Gott sei Dank hatte es keine Folgen, aber in dieses KH gehen wir sicher nicht mehr..

    Béa Beste
    Antworten 28. Februar 2018

    Wie gut, dass es trotzdem gut ausgegangen ist... Ich fürchte aber, dass alle Krankenhäuser Personalmangel haben! Danke für dein Kommentar! Liebe Grüße, Béa

Franziska
Antworten 28. Februar 2018

Liebe Mama, ich habe deine Geschichte mit viel Bedauern gelesen... Ich bin selber schon lange im Rettungsdienst tätig und habe ähnliche Situationen schon mehrmals erlebt. Deine Geschichte hat mich aber wirklich ergriffen, weil ich meistens nur die andere Seite erlebe. Ich habe schon mit arrogantem Gesundheitsfachpersonal gestritten bis aufs Blut wegen solchen Dingen. Ich hatte viele Fälle, die deiner Geschichte arg ähneln. Herzinfarkt, Atemnot, pädiatrische Notfälle, die wegignoriert wurden. Ich denke, dass es v.a. daran liegt, dass das Gesundheitswesen, insbesondere die Notaufnahme so unglaublich oft für Bagatellen missbraucht werden, dass manche Ärzte/Pfleger/Sanitätspersonal blind werden für die Differenzierung. Wer braucht wirklich medizinische Hilfe und wer will nur das System ausnutzen, ist überfordert oder hat die falschen Symptome gegoogled? Leider leiden Kinder wie dein Kleiner unter den Problem der Gesellschaft und des Systems. Ich hoffe er hat alles gut überstanden, ich wünsche euch alles Gute für die Zukunft! Du hast alles richtig gemacht! Ich weiß nur zu gut wie schwierig es ist in so einem Fall standhaft zu bleiben gegen alle Argumente.
Es kann nur bergauf gehen! ;)

    Béa Beste
    Antworten 1. März 2018

    Vielen lieben Dank, liebe Franziska, für diese netten Worte! Die Mama liest hier mit und es tut ihr bestimmt gut. Liebe Grüße, Béa

Katrin
Antworten 1. März 2018

Mir kamen die Tränen beim Lesen dieses Berichtes. Jedes einzelne Gefühl konnte ich so gut nachvollziehen. Auch wir haben so etwas erfahren. Ich habe mich Jahre danach noch gefragt, warum ich mich nicht auf meinen Instinkt verlassen habe. Leider hat die Klinik bei uns nicht o gut reagiert. Ein Gespräch war erst auf mehrmalige Nachfrage möglich u zeitgleich war die Krankenakte verschwunden. Im gGespräch erklärte man mir, dass es halt alles nicht so einfach zu erkennen war u dass die Ärzte ja alles getan hätten. Die Komplikationen sind ja erst am Morgen gegeben. Anschließend wurde mir dann noch unterstellt, ich hätte die Akte beim zweiten KH-Aufenthalt mitgenommen. Aufgrund dieses herablassenden Verhaltens haben wir uns letztlich an eine Anwalt gewandt. Ein Gutachten bestätigte dass die Erkrankung bereits bei der Einweisung bestand u dies war sogar von einem der Ärtzzte vermerkt wurden! Alle vorgeschriebenen Standards sind nicht eingehalten wurden u die Akte tauchte auch nach dem ersten Schreiben der Ärzte auf.
Ich wünsche allen Mpttern nie in eine derartige Situation zu kommen u wenn doch: Hört nur auf euren Instinkt u laßt euch nicht reinreden. Bleibt stark u besteht auf in euren Augen notwendigen Infos u Untersuchungen.

Katrin
Antworten 1. März 2018

Ich mußte weinen beim Lesen dieses Beitrags. Ich habe mich so darin wiedererkannt, denn auch wir muüten vor 4Jahren ähnliches durchmachen. Die Ärzte haben eine Darmeinstülpung bei unserer Tochter nicht erkannt u alle Anzeichen auf eine Magen-Darm-Grippe geschoben. Meine Aussage, dass niemand in der Familie aktuell MagenDarm-Symptome hat, wurden mit “das kommt noch abgetan“. Immer wieder fragte ich nach dem Blutbild, welches jedoch angeblich noch nicht vorlag. Bis zuletzt hat man mich vertröstet u die Op wurde da ja kein Notfall nach hinten verlegt. Letztlich kam es zu Komplikationen u Aufenthalt auf der Intensivstation. Bis heute kann ich mich selbst nicht verstehen. Ich habe gesppürt, dass es etwas schlimmeres ist u habe doch nicht stark genug auf meinen Instinkt gehört.
Ein Gespräch mit der Klinik fand erst nach mehrmaligem Nachfragen statt u die Akte war dann auch verschwunden. Wir haben uns durch das herablassende Verhalten des Chefarztes entschlossen einen Anwalt einzuschalten u somit zum Glück die Akte erhalten.
Ich wünsche allen Mamas niemals in eine solche Situation zu kommen u wenn doch, ihr seid stark! Hört auf euren Instinkt und euer Bauchgefühl, es ist meist das Richtige.

    Béa Beste
    Antworten 1. März 2018

    Liebe Katrin, lieben Dank für deine lieben Worte, deine Geschichte... und es tut mir Leid, dass es so lange gedauert hat zum Freischalten! Ganz viele liebe Grüße, Béa

Drops
Antworten 1. März 2018

Deine Geschichte erinnert mich so sehr an unsere. Unsere Tochter hatte mit 4 Monaten Keuchhusten und uns hat niemand geglaubt. Erst der Hausarzt nicht, dann die Assistenzärztin in der Klinik nicht. Wir wurden nach 1 Woche stationär entlassen und am nächsten Tag wieder vom Hausarzt eingewiesen, nachdem er endlich einen Keuchhustenanfall miterlebt hatte. Er war schockiert über unsere Entlassung. Und was war, wir wurden pampig begrüßt und gefragt ob wir das Krankenhaus als Hotel ansehen würden. Mein Kind wäre gesund.... Warum ich mich damals nicht mehr durchgesetzt habe, verstehe ich bis heute nicht. Ich wusste das mein Kind bei diesen Anfällen ums Überleben kämpft und die Ärzte im Krankenhaus haben uns nicht geglaubt. 2 Wochen stationär und ein Keuchhustentest wurde abgelehnt, mit der Begründung das Keuchhusten so selten wäre das sie sich niemals hätte anstecken können.
Der Hausarzt hat den Test dann später gemacht und er war positiv.... Ich werde diese Zeit nie vergessen und schäme mich bis heute, nicht mehr auf mein Bauchgefühl gehört zu haben.

Jule
Antworten 3. März 2018

Oh man, da bekommt man Gänsehaut, wenn man das liest! Zum Glück ist es gut ausgegangen!
Eine Bekannte von mir arbeitet im Krankenhaus und erzählt von Eltern, die Freitagnachmittag in der Notfallaufnahme sitzen, weil das Kind gestürzt sei und gebrochen habe. Somit muss das Kind 48Std zur Beobachtung ins Kkh. Die Eltern seien aber das ganze Wochenende nicht erreichbar geschweige denn lassen sie sich mal blicken. Diese Familien sind Schuld, dass verantwortungsbewussten Eltern nicht geglaubt wird! Schrecklich!
Ich war auch mal mit meiner Tochter beim Notdienst, weil ich das Gefühl hatte, aus der Bronchitis ist mehr geworden. Bekam aber nur solche Antworten wie "einweisen werde ich sie nicht!" (obwohl ich das nie eingefordert habe) oder "man muss ja nicht gleich das Schlimmste befürchten, geben Sie ihr Zeit" aber nach 8Tagen Fieber war es mir einfach zu lange. Am nächsten Morgen wurde beim Kinderarzt eine Lungenentzündung diagnostiziert - so schlimm das auch ist, aber ich war echt erleichtert! Mein Bauchgefühl lag richtig-keine Ahnung, was die im Krankenhaus gemacht hat.
Ich denke für Ärzte müsste es härtere Konsequenzen geben bei fahrlässigen Fehlentscheidungen, wie zb in eurem Fall, wenn keine Blutentnahme stattfand, obwohl es zum Standard gehört!!

Anna
Antworten 7. März 2018

Mir sind beim Lesen die Tränen gekommen.Was für eine schreckliche Erfahrung!
Leider habe auch ich schon viel schlimmes im Krankenhaus erlebt.
Als ich mit 15 mit starken Bauchschmerzen in die Notaufnahme kam und meine Mutter den Verfacht äußerte, es könne der Blinddarm sein, lachte der Arzt süffisant und meinte:“Wenn es der Blinddarm wäre, könnte ihre Tochter vor Schmerzen nicht mehr laufen!“
Ich würde vaginal untersucht und ein Schwangerschaftstest wurde gemacht.Meine Versicherungen, dass ich gar nicht schwanger sein könne, wurden ebenfalls jovial weggelächelt.
Ich hatte bei der Intersuchung bestialische Schmerzen und habe gebrüllt wie ein Tier.
Es sind viele weitere schreckliche und demütigende Dinge passiert, die hier den Rahmen sprengen würden.
Nur soviel:Ich kam Samstag früh in die Notaufnahme und würde stationär eingewiesen, da ich Fieber und eine starke Blasenentzündung hatte.Das Fieber stieg auf 41 an.Ich entwickelte eine Lungenentzündung.Montag Vormittag wurde ein Ultraschall gemacht.(Der Zivi ließ mich mit den Worten „das schaffst du schon!“vom 3.stock in den Keller laufen, obwohl ich meinte, mich dazu nicht in der Lage zu fühlen.)
Beim ultraschall war schneeflockenartig freie Flüssigkeit im Bauchraum zu sehen.der Arzt meinte:“ich würde jetzt operieren.“
Leider hatte er wohl nicht viel zu sagen.
Am Montag Nachmittag wurde eine Bauchspiegelung vorgenommen, weil niemand eine Erklärung für meinen Zustand hatte.
Ich weiß noch genau, dass ich gefragt wurde, ob man denn nicht gleich prophylaktisch den Blinddarm entnehmen solle?
Eben jener war schon seit Tagen geplatzt und der gesamte bauchraum voller Eiter, deshalb die Lungenentzündung und das hohe Fieber.
Aber wie gut, dass der Arzt in der Notaufnahme so genau Bescheid wusste, zu welchen Kraftakten ein 15-jähriges Mädchen imstande ist!
Seine hybris hätte mich fast mein Leben gekostet und hat mich 3 Tage unmenschlichste Schmerzen aushalten lassen müssen.
Und aus einer simplen Blinddarm Komplikation wurde ein Notfall mit anschließendem 4-wöchigem Krankenhausaufenthalt.
Immerhin lasse ich mir seitdem von Ärzten überhaupt nichts mehr erzählen, was für mich keinen Sinn ergibt.
Alles gute für die Mutter aus dem Bericht.Gut gemacht!

    Béa Beste
    Antworten 7. März 2018

    Lieben Dank, dass du deine Erfahrung hier geteilt hast! Sie wist wertvoll für andere... die Lektion daraus können wir uns für alle Lebenslagen hinter die Ohren schreiben. Die Selbstrettungskräfte sind wichtig, und wir müssen alle auf unser Gefühl vertrauen! Liebe Grüße, Béa

Marianne H.
Antworten 7. April 2018

Das ist ein schreckliches Erlebnis für Dich,das Du aber Gott sei Dank ohne weitere körperliche Schäden überlebt hast.Es prägt aber für das ganze Leben. Ich habe es ebenfalls erlebt wie arrogant manche Ärzte und das Pflegepersonal sein können .
Ich habe zum einen dadurch als Jugendliche meine Mutter verloren und selbst auch fast zweimal mein Leben verloren.
Meine Mutter hatte vor über 40 Jahren in einer Uniklinik eine große Darmoperation.Im Vorfeld -das fanden wir später heraus - würde die OP Vorbereitung nicht richtig gemacht und danach nicht darauf geachtet dass es meiner Mutter täglich schlechter statt besser ging.Unsere Einwände würden ignoriert.Wir würden ständig behandelt als würden wir nervig und übertrieben Unruhe stiften.Nach einer Woche würde dir in einer Hektik in den OP gebracht und festgestellt dass sie eine schwere Bauchfellentzündung hatte.Danach dann Intensivstation und wir durften nur anrufen weil sie Ruhe bräuchte.Es hieß auch dass wir benachrichtigt werden wenn eine Verschlechterung eintreten würde -wir wurden erst benachrichtigt als sie schon zwanzig Minuten verstorben war.Ein traumatisches Erlebnis mit Folgen -wir haben bis heute Schuldgefühle sie im Stich gelassen zu haben und den Ärzten und dem Personal nach der OP geglaubt hatten.Nie wieder passiert und das hatten wir uns vorgenommen.Trotzdem erlebten wir bei mir selbst noch dreimal dass es wichtig ist ,als Patient Angehörige zu haben die den Ärzten und dem Pflegepersonal intensiv auf die "Finger " schauen was getan wird wenn es der/dem Angehörigen immer schlechter geht und vom medizinischen Personal bagatelliesiert wird.Im Zweifelsfall lieber einen Wechsel in eine andere Klinik veranlassen wenn man das richtige Gefühl hat dass hier ein Ignorieren des wahren notwendigen Handelns besteht, bevor man die Person verliert.
Ich wünsche Euch allen dass das schlimm Erlebte verkraftet wird und das Bewusstsein geschärft wird lieber unangenehm angesehen zu werden,aber einen Verlust des Angehörigen dadurch zu verhindern.

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