Wie schnell kann sich deine Handynummer gegen deinen Willen verbreiten?


Wann habt ihr das letzte Mal mit euren Teenagern das Thema Datenschutz besprochen? Und auch über Kommentare und den Umgang mit anderen Menschen auf Social Media und in Messengern geredet? Mit meinem Sohn kam das Thema schon in der Grundschule auf!

– schreibt unsere Kolumnistin mindfulsun

Hier ist vorgestern etwas vorgefallen, was mich dazu bewegt hat, dieses Gespräch mit meinem Sohn zu wiederholen.

Vorab: Es geht mir nicht darum, mich über irgendwen aufzuregen. Ich möchte um einen bewussten und achtsamen Umgang mit dem Thema Daten und Social Media werben.

Mein Sohn kam vorgestern aufgewühlt nach Hause. Im Laufe des Tages hat er Anrufe und Nachrichten von unbekannten Nummern bekommen. Er hat erfahren, dass seine Telefonnummer auf den Tisch in einem Gymnasium gekritzelt wurde, mit dem Zusatz: „Männlich, Single.“

Er geht nicht auf diese Schule. Ich habe mir dann – mit seiner Erlaubnis – sein Telefon genommen und mich mit einem der Anrufer ausgetauscht. Ich wollte wissen, in welchem Raum der Schule die Nummer steht und habe diese Info auch erhalten. Nach einem Gespräch mit der Rektorin wurde die Nummer durch den Hausmeister entfernt.
Die Rektorin war erschrocken und möchte nächste Woche die Klassenlehrer ansprechen, das Thema „Datenschutz und Persönlichkeitsrechte“ mit den Jugendlichen zu thematisieren.

Ich möchte auch nicht detailliert auf die rechtliche Seite eingehen.

Mehr Infos zu diesem Thema findet ihr hier, für Eltern. 

Und hier für Teenager. 

Was auch immer jemanden dazu bewegt hat, die Nummer meines Sohnes öffentlich auf einen Tisch zu kritzeln, werden wir nie erfahren.

Tatsache ist: Mein Sohn fühlt sich nicht wohl damit und offenbar wurde auch unterschätzt, welche Kreise das ziehen kann. Wie schnell diese Nummer dann weitergegeben wird und wo sie vielleicht landet. Am Ende bleibt dann wohl oft nur eins: Handynummer wechseln. Und das ist mit Aufwand, teilweise mit Kosten verbunden. Nicht zu unterschätzen sind der Stress und die psychische Belastung, wenn so eine Nummer öffentlich gemacht wird und unerwünschte Anrufe und Nachrichten eintreffen.

Natürlich stand ich meinem Sohn zur Seite. Ich bin froh, dass wir ein solches Vertrauensverhältnis haben und er sich an mich gewendet hat.

Heute nun haben wir das Thema Handy und Internet noch mal aufgegriffen. Wir haben uns lange unterhalten.

Wir sind noch mal eingegangen auf: Wenn dich jemand um die Nummer eines Freundes bittet, gib sie bitte nicht raus. Du kannst darauf hinweisen, dass die Person die Nummer direkt erfragen kann. Oder du richtest deinem Freund aus, wer nach seiner Nummer gefragt hat. Nicht umsonst lassen sich viele Menschen nicht in Telefonbüchern registrieren. Sie möchten einfach nicht, dass ihre Nummer für jeden zugänglich ist. Jede Privatperson hat das Recht zu entscheiden, wer die eigene Telefonnummer bekommt.

Es war mir immer wichtig, dass mein Sohn nicht nur seine eigenen Rechte kennt. Rücksicht auf andere Menschen ist ebenso bedeutend.

Über Fotos haben wir damals auch gesprochen. Irgendwen fotografieren, auch Mitschüler und Freunde – diese Bilder dann per WhatsApp verbreiten oder ins Internet zu stellen, ohne vorher die Erlaubnis einzuholen – ist tabu!

Ich weiß noch, dass es damals eine kleine Diskussion gab. Meine beiden Söhne hatten natürlich thematisiert, dass selbst Erwachsene die Fotos fremder Menschen im Internet teilen und teilweise mit vermeintlich witzigen Kommentaren versehen. Daran konnte ich ihnen dann allerdings auch genau aufzeigen, wie schnell sich das verbreitet und welche gehässigen Kommentare es dazu geben kann. Ich empfinde das demütigend und respektlos.

Ich habe damals mein Kind gefragt: „Wie würdest du dich fühlen, wenn jemand einfach so ein Foto von dir ins Internet stellt? Vielleicht noch mit einem Kommentar, der sich über dich lustig macht?“

„Nicht gut“ war die Antwort.

Das Gleiche gilt übrigens auch für Videos.

Auch über Internet und Anonymität haben wir in der Familie schon früh gesprochen. Wie schnell verleitet Anonymität im Internet zu vorschnellen Kommentaren und Beleidigungen? Dabei sitzt hinter jedem Rechner, an jedem Telefon, doch ein Mensch! Ich habe meinem Kind vermittelt achtsam zu sein. Wenn er wütend ist, lieber eine Runde um den Block laufen, Handy beiseite legen und erst später zu antworten. Auch andere Menschen unter dem Deckmantel der Anonymität zu beleidigen, geht nicht. Ich nehme mich da nicht aus, das habe ich ihm offen gesagt. Wie oft bin ich vorschnell und hitzig in Diskussionen gegangen. Das versuche ich schon lange zu vermeiden. Mir dessen bewusst werden, war der erste wichtige Schritt.

Zum Thema Kommentare auf Social Media habe ich ja hier auch schon geschrieben:

„Wie soll ich mit Kommentaren im Internet umgehen, Mama?“

Ein anderes Thema sind Chats: Was früher die Cliquentreffs nach der Schule waren, sind heute WhatsApp Gruppen.

Da wird auch getratscht und getuschelt. Der Unterschied zu früher: Ein Klick und die Inhalte verbreiten sich schnell weiter. Das kann eine massive seelische Belastung für die Betroffenen sein. Und die Hemmschwelle für Gehässigkeiten und Lästereien in Chats und im Internet ist auch niedriger, wenn wir unachtsam sind. Dafür ist dann die Reichweite umso größer. Einiges lässt sich nicht mehr kontrollieren oder löschen.

Wenn es also Konflikte in der Schule oder mit Freunden gibt, bitte in einem persönlichen Gespräch klären! Das habe ich meinem Sohn mitgegeben.

Bei uns hat sich die Aufregung gelegt. Ich bin erleichtert und ich bin auch froh, dass wir das Thema noch mal auf den Tisch gebracht haben. Wie bei vielen anderen Themen rückt es doch leicht in den Hintergrund. Auch im Umgang mit dem Handy-Internet- und mit anderen Menschen ist es wichtig, dabei achtsam zu bleiben: Das Thema öfter aktiv ins Bewusstsein zu holen. Und das in wiederkehrenden Gesprächen mit meinen Söhnen.
Auch ich habe beim Schreiben dieses Artikels reflektiert und mir selbst erst mal einen Social Media Detox verordnet. Meinen Twitteraccount habe ich vorübergehend auf Eis gelegt. Zeit für Achtsamkeit und Selbstreflexion!

eure mindfulsun

P.S. mindfulsun: Dieser Artikel ist mit dem Einverständnis meines Sohnes geschrieben.

P.S. Béa: Was gebt ihr euren Kindern und Teenagern mit zum Thema Achtung vor Menschen in unserer digital geprägten Zeit? Wissen sie, wie schnell kann sich eine Handynummer verbreiten – und wie sie rücksichtsvoll damit umgehen?

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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