Gute Gefühle bei Kindern einpflanzen und züchten, bitte!


Vor einigen Tagen hat mir ein Betroffener die Wirkung von Depressionen näher zu bringen versucht. Da ich selbst eine totaler Happy-Mensch bin, kenne ich schlechte Gefühle, düstere Gedanken und Selbstzweifel nur von seltenen Morgenmuffel-Momenten, sonst nicht…

Ich dachte immer, dass schlechte Gefühle durch Sorgen und Gedanken entstehen.

Ich stellte mir vor, dass in einem Tief erst negative Gedanken da sind, die einem zuflüstern: „Du bist nichts wert!“, „Alles ist hoffnungslos!“, „Du bist ein Versager!“ etc. Und dass daraufhin die doofen Gefühle entstehen – schwarz, schattig, erdrückend.

Der Betroffene meint, dass es genau anders herum ist!

Depression ist eine Krankheit, ihre Haupterscheinungsform seien entsetzlich schlechte Gefühle. Da aber die Natur die Menschen mit einem beachtlichen Denkapparat ausgestattet hat (na gut, mehr oder weniger…) versuchen die depressiven Menschen, sich via Ratio die schlechten Gefühle zu erklären. Durch stunden- oder tagelanges Grübeln. Eben die Leier oben: Nichts wert, alles hoffnungslos, Versager. Vielen Depressionsbetroffene hilft schon diese Erkenntnis, um mit bestimmten Mechanismen die Gefühl-Gedanken-Spirale zu durchbrechen. Zum Beispiel, in dem sie schneller in die Sportschuhe steigen und losrennen, bevor weitere Gedankenspiralen sie lähmen können.

Ich überlasse das Thema Depression allerdings den Profis.

Wofür ich euch hier sensibilisieren möchte ist, euren Kindern eine gute Basis zu geben, sich gute und gesunde Gefühle zu verschaffen. Ohne schlechtes Gewissen.

Gute Gefühle bei Kindern einpflanzen geht besonders in der frühen Kindheit:

Bei den Neugeborenen am Anfang hat alles etwas mit der Erfüllung von Bedürfnissen zu tun. Die modernen Ansätze, insbesondere das Attachement Parenting, zeigen auf, dass man Säuglinge nicht verwöhnen kann – nur unterversorgen. „Schreien lassen“ ist zum Glück eine Praktik, die inzwischen verpönt ist – und das zu Recht. Ein kleiner hilfloser Mensch entwickelt nur Urängste und eine Anlage für schlechte Gefühle, wenn er Vernachlässigung erlebt. Wobei Experten wie Nora Imlau sehr wohl unterscheiden zwischen „Begleitetem Weinen“ (manchmal kann man eben nix gegen die doofen Blähung im Babybauch tun, außer Herumtragen und Trösten) und dem „Alleine-Weinen“ lassen.

In der Trotz- oder besser…  Autonomiephase werden sich die Dreikäsehochs ihrer eigenen Unzulänglichkeiten bewußt. Das bringt auch ganz viel Wut aufs Tapet. Auch hier spielt Begleitung und meiner Meinung nach auch Ablenkung eine große Rolle. Ernst nehmen ist für einige Zeit gut, Trösten auch, und für den weiteren Verlauf kann Humor die Sache entspannen und gute Gefühle verschaffen. Von blauen Katzen mit roten Ballerinas habe ich euch in einem anderen Beitrag schon mehr erklärt.

Gute Gefühle bei Kindern züchten geht ab ungefähr Kita-Alter:

Später, wenn die Kindergarten- und Grundschulkinder artikulationsfähig sind, ist es sinnvoll, mit ihnen über Gefühle zu reden und sie zu identifizieren. So entsteht Reflektionsfähigkeit! Ab diesem Alter ist es möglich, mit ihnen herauszufinden, was ihnen guttut, was gute Gefühle hervorruft und was schlechte Gefühle vertreibt.

Wollt Beispiele, wie ihr gute Gefühle bei Kindern züchten könnt?

Hier nur schnell drei Prinzipien – und vielleicht können wir die Liste gemeinsam größer werden lassen:

1. Gemeinsame Aktivitäten genießen

Zeichnen und Kochen waren Dinge, die ich schon als Kind gern mit meiner Ma gemacht habe. Ich habe die Tradition fortgeführt – meine Tochter Carina und ich zeichnen und kochen zusammen, seit sie auf einem Hocker in der Küche stehen konnte. Wir sind das ohne Plan und ohne Angst vorm Scheitern angegangen, wir verloren uns im kreativen Tun und genossen es beide total… und ich habe ganz oft darauf geachtet, ihr das auch klar zu sagen: „Mein Schatz, das macht so ein Spaß mit dir!“ – sie strahlt bist heute noch über beide Ohren und hat mit dem Kochen und Zeichnen zwei Quellen für gute Gefühle – auch mit sich allein.

2. Erst das Vergnügen, dann die Arbeit

Wenn Hausarbeiten anstehen oder wenn uns etwas bevorsteht, was weniger Spaß macht, wie z.B. die Steuererklärung, schauen wir, ob wir uns eine kleine Freude vorab gönnen können: Ein schöner Milchkaffe, ein Blick über Berlin von unserer Terrasse, oder wenn wir auf Teneriffa sind, der Blick aufs Meer. Carina sagte neulich: „Du kannst nicht aufs Meer schauen und gestresst sein!“ – und genau so entstehen gute Gefühle. Einatmen und genießen bevor man die Kröte schlucken muss! 

3. Handfeste Versöhnungen nach Streit

Es gibt keine Familie, in der nicht gestritten wird. Streit ist auch heilsam und gut, solange es nicht verletzend und böse wird. Kinder müssen auch lernen, ihren Standpunkt zu verteidigen! Und auch, wenn Carina meint, dass ich mit ihr grundsätzlich zu wenig gestritten habe, um sie vernünftig aufs Leben vorzubereiten… wenn es mal Streit gibt, gehört auch eine schöne Versöhnung dazu, die ich gern ordentlich zelebriere: Mit dicken Umarmungen und Liebeserklärungen. Seit sie 18 ist, gern auch mit einem Glas Champagner… Und noch was: Wir lieben auch Wiedergutmachungen. Aber davon habe ich euch ein anderes Mal schon mal erzählt. 

Ich hätte noch ganz viel Beispiele, aber noch lieber würde ich von euch erfahren:

Wie schafft ihr es, gute Gefühle bei euren Kindern zu züchten? 

Liebe Grüße,

Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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