„Du bist ja nur eifersüchtig! Du bist ja neidisch!“ – vom Vorwurf zum Verständnis der Gefühle


Über Eifersucht habe ich hier schon mal geschrieben. Und Mounia über Neid und Eifersucht unter den Geschwistern. Es ging um unsere Erfahrungen. Jetzt ist es an der Zeit, den etwas achtsameren Blick auf diese Themen zu werfen – natürlich von unserer Kolumnistin mindfulsun:

Neid und Eifersucht sind Ausdruck von nicht erfüllten Bedürfnissen, irgendwas ist im Mangel.

Und solche Gefühle bekämpfe ich nicht. Ich fühle in mich rein, wo der Mangel liegt und was ich brauche. Klingt fremd?

Was steckt hinter Neid und Eifersucht? Das gilt es für mich herauszufinden, gerade auch bei Kindern.

So können sie lernen, sich und ihre Bedürfnisse und Gefühle besser kennenzulernen und zu artikulieren. Erst wenn ich herausfinde, was gerade in mir passiert, kann ich damit umgehen.
Diese Erfahrung habe ich zumindest gemacht, auch bei meinen Söhnen.

Was kann denn nun hinter Neid und Eifersucht stecken?

Hinter Eifersucht steckt vielleicht oft Angst: Die Angst verlassen zu werden, etwas zu verlieren. Auch Verzweiflung und Hilflosigkeit spielen möglicherweise eine Rolle und das alles kann ziemlich schmerzhaft sein. Und ja, oft äußert sich das mit einem Gefühl im Bauch, was wir unangenehm empfinden.

Deswegen lade ich mich selbst und auch meine Söhne ein, in uns zu spüren:
Wo sitzt das Gefühl?
Wie fühlt sich das an?
Und was genau ist es, was ich fühle?

Es genau zu benennen, kann für mich sehr hilfreich sein.

Hinter Neid stecken vielleicht Traurigkeit oder auch Ärger, weil mein Bedürfnis nach Gerechtigkeit nicht erfüllt ist. Das kann auch unter Geschwistern ein Thema sein: Er / sie hat etwas, was ich nicht habe und ich finde das ungerecht. Oder es spielen sogar Scham eine Rolle und die Angst, etwas nicht zu bekommen, was ich (auch) gerne hätte.

Anstatt also den Kindern oder einem anderen Menschen einen Vorwurf zu machen…

„Du bist ja nur eifersüchtig! Du bist ja neidisch!“

…können wir gemeinsam auf Entdeckungsreise gehen, was denn nun dahinter steckt. Als erwachsener Mensch mache ich das alleine. Kinder brauchen dabei möglicherweise noch unsere Unterstützung.


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Wie ist das, wenn wir sehen ein Geschwisterkind ist „eifersüchtig“ und in unserem Empfinden benimmt es sich dann daneben, wird vielleicht laut. Wie sich das Kind dann benimmt und äußert, drückt einen Mangel aus. Und wenn ich dann sehe, wie mein Kind weint und ich verurteile das Kind dafür: „Sei nicht eifersüchtig!“… in diesem Moment fühle ich die Liebe zu meinem Kind womöglich nicht so und auch in mir wird etwas ausgelöst.

Deswegen, zur Ruhe kommen! Einen Moment zurücktreten und schauen: Wie geht es meinem Kind jetzt, was sehe ich?

Ich sehe ein weinendes Kind, was gerade nicht die Umarmung bekommen hat, die es brauchte. Oder ein Kind, das weint, weil sein Geschwisterkind gerade auf dem Arm ist.

Ein weinendes Kind löst etwas in mir aus: Empathie.

Neid und Eifersucht sind definitiv Gefühle, hinter die wir schauen können und sie nicht tabuisieren!

Und vor allem bitte niemanden dafür beschämen:

„Platzen vor Eifersucht… ganz grün vor Neid…“

Das sind Ausdrücke, die ihr sicher auch schon gehört habt.

Stattdessen schauen, auch bei sich selbst: Was steckt dahinter?
Und wenn hinter Neid und Eifersucht doch so oft Ängste stecken können: Ich begegne diesen Gefühlen mit Mitgefühl, bei mir selbst und bei anderen Menschen. Vor allem bei meinen Kindern!

Ganz klar ist es dann auch wichtig, damit umgehen zu lernen. Das empfinde ich als einfacher, wenn genügend Selbstmitgefühl da ist.

Ein paar Worte noch zum Thema „Neid“:

Kennt ihr das? Ich kann auch zwei Sachen gleichzeitig fühlen! Die Freude für den anderen Menschen und ich kann traurig sein. Es geht beides!

Ich habe mir mittlerweile angewöhnt, meine Freude erst dann zum Ausdruck zu bringen, wenn ich mit meinen eigenen „unangenehmen“ Gefühlen im Reinen bin. Oder ich sage auch: Ich freue mich sehr für dich und möchte dir das gern auch richtig zeigen und mit dir feiern. Erst brauche ich etwas Zeit für mich, um damit klarzukommen, dass ich auch etwas traurig bin. Weil ich mir das auch schon lange wünsche und ich es nicht habe.“

Diese Offenheit und Authentizität finde ich wertvoller, als meine Traurigkeit zu verstecken.

Wisst ihr, was hinter Neid und Eifersucht bei euch schlummert?
Und wie gebt ihr das an eure Kinder weiter?

Eure
mindfulsun


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Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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