Konzerne boykottieren, weil sie moralisch verwerflich sind – bringt das überhaupt was?


Heute folgt ein Thema, über das sich jede*r von uns bestimmt schonmal Gedanken gemacht hat. Konzerne boykottieren, weil sie moralisch verwerflich sind – Was bringt das eigentlich? Und warum sollten wir es trotzdem tun?

Kritik an meinem Lieblingsunternehmen

Gestern habe ich gelesen, dass sich Hugendubel trotz scharfer Kritik weigert, queerfeindliche Literatur aus dem Sortiment zu nehmen. Eines davon wurde besonders kontrovers diskutiert. Es nennt sich „Der Homoheiler“ und ist von Joseph Nicolosi verfasst, einem ehemaligen Psychologen, der glaubte, man könne Homosexualität allen Ernstes „heilen“.

Thalia hat nach diesen „Anschuldigungen“ sowohl die deutsche als auch die englische Version aus dem Sortiment entfernt. Hugendubel nicht, und zwar mit folgender Begründung:

Dieser Screenshot stammt von dem Instagram Account rainbookworld, der auf diese menschenfeindliche Literatur aufmerksam gemacht hat und eine Antwort von Hugendubel erhalten hat. Das Unternehmen distanziert sich zwar von diesen Inhalten, wirbt nicht für sie, zensiert sie aber auch nicht. Kurz: Das Buch wird also weiterhin zum Verkauf angeboten werden.

Die queere Community hat dazu aufgerufen, die persönlichen Konten bei Hugendubel zu schließen und das Unternehmen nicht mehr zu unterstützen. Es sei die einzige Chance, um Veränderung zu bewirken. Kauft nämlich niemand dort ein, muss sich auf Dauer was ändern, selbst, wenn es nur fürs Geschäft ist. Klingt einleuchtend, oder?

Also habe ich nach längerem Überlegen meinen noch vorhandenen Hugendubel Gutschein in den Tiefen meines Portemonnaies vergraben und mein Konto gelöscht – als Statement! Für die Menschenwürde eines jeden.

Dasselbe mache ich auch bei Rossmann. Nachdem in den letzten Monaten immer wieder rassistische Skandale im Marketing und Läden passiert sind (Hier die Geschichte von Vanessa H.), habe ich entschieden, das Unternehmen vorerst nicht mehr zu unterstützen – zumindest so lange, bis sich was ändert.

Ich mache das noch bei ein paar anderen Konzernen. Nestle zum Beispiel. Davon kommt mir nichts ins Haus. Nicht, wenn dieser Konzern auf Menschrechte trampelt.

Muss ich alles boykottieren?

Doch obwohl ich glaube, dass ich etwas Gutes tue, kann ich nicht umhin, mich wie eine Heuchlerin zu fühlen. Schließlich besitze ich ein iPhone, obwohl ich weiß, unter welchen sozialen Bedingungen es hergestellt wird. Dasselbe gilt für H&M und andere größere Shops. Auf viele Konzerne kann ich gar nicht verzichten, weil mein Budget es nicht anders zulässt. Deshalb frage ich mich: Bringt es nur dann etwas, wenn ich alles „Schlechte“ boykottiere? Und wenn ja, wohin wird mich das bringen?

Wohin wird mich das Boykottieren führen?

Mein Kopf raucht schon vom vielen Nachdenken, aber diese Fragen muss ich trotzdem stellen: Was bringt das alles überhaupt? Werde ich wirklich was ändern können? Versinken diese Millionengeschäfte nicht ohnehin im Geld, auch ohne meine Unterstützung? Und wohin wird mich das ganze Boykottieren am Ende hinführen? Werde ich am Ende gar nichts mehr kaufen können, weil man ja gar nicht mehr weiß, was Kinderarbeit ist und was nicht. Was nachhaltig ist und was nicht. Was es bedeutet, eine gute Konsumentin zu sein…

Können wir in dieser Welt überhaupt sozial nachhaltig leben?

Ich glaube, wir Menschen müssen einsehen, dass wir in der westlichen Welt niemals vollends nachhaltig leben können. Dafür sind wir nun mal zu „reich“. Wir haben zu viel, selbst die Minimalistischsten unter euch haben vermutlich mehr als der Großteil der restlichen Weltbevölkerung. Würden wir anfangen zu boykottieren, könnten wir vermutlich nicht mehr damit aufhören und müssten am Ende alle im Wald leben. Denn nahezu ALLES aus unserem Lebensstil ist streng genommen irgendwie moralisch fragwürdig. Selbst unsere morgendliche Tasse Kaffee oder Tee. Selbst unser gebrauchtes Handy.

Das bedeutet aber nicht, dass wir uns mit unserem Schicksal zufriedengeben können. Vielleicht können wir nicht auf alles verzichten, aber vielleicht auf einiges. Deshalb ja. Ich glaube, es bringt etwas, Konzerne, die moralisch verwerflich sind, zu boykottieren. Ich glaube es deshalb, weil eine Einheit, die mitmacht, plötzlich nicht mehr als einzelnes Individuum dasteht.

Und siehe da – Hugendubel hat sich inzwischen dazu entschieden, sämtliche homophobe Literatur aus ihrem Sortiment zu entfernen! Alles nur, weil viele Menschen an einem Strang gezogen und eine Veränderung bewirkt haben.


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Was ist eure Meinung dazu? Und was haltet ihr von der aktuellen Debatte um Hugendubel?

Liebe Grüße
Mounia

PS.: Hier nochmal der Post von rainbookworld:

 

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TW: Homophobia, Conversion Therapy @hugendubel_buchhandlungen has these title in their online shop aviable. @thalia_buchhandlungen reacted and deleted them in their shop but Hugendubel said in a Interview with @mannschaftmagazin they want to be neutral. And justified these homophobic books as „Freedom of Speech/expression. That is so sad. Breaking the mental of queer people isn’t Freedom of speech. Homosexuality is no illness. Please write this to the support of Hugendubel. Please write them that Homophobia isn’t freedom of expression Hugendubel hat diese Bücher online gelistet. Thalia hatte reagiert und die entsprechenden Bücher entfernt. Hugendubel verteidigt diese Titel in einem Interview mit dem Mannschaftsmagazin als Meinungsfreiheit. Homosexualität ist keine Krankheit. Konversionstherapie ist in Deutschland inzwischen verboten @hugendubel_buchhandlungen. Ich finde es auch traurig, das die Blogger die Hugendubel unterstützen nichts dazu sagen. #stophomophobia #hugendubel #lesen #bookstagram #lgbtbooks #bookshelf

Ein Beitrag geteilt von Timo 21 🏳️‍🌈🇩🇪📚 Blogger,Writer (@rainbookworld) am

Zur Transparenz: Dieser Blogpost ist aus der aktuellen Diskussion entstanden und nicht gesponsert.

P.S,. von Béa. Gerade für Familienmenschen ist es auch nicht so einfach, konsequent zu boykottieren.
Ich kann euch diesen Text von Nora Imlau wärmstens ans Herz legen:

Meine Freundin, Nestlé und ich


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Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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