Mobbing – dem Teufelskreis entkommen – Gastbeitrag von Sandra und Christin Paul – Teil 3


Viele Kinder werden schon im frühen Alter mit Schulschikanen und Mobbing konfrontiert. Cally Stronk und Constanze von Kitzing haben ein Erfolgsbuch Unheimlich Peinlich veröffentlicht, in dem diese wichtigen Themen nicht zu kurz kommen.


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In diesem Gastbeitrag erzählen euch die Expertinnen Sandra und Christin Paul mehr zum Thema Mobbing – als Teil einer Pubertätsspecial-Reihe:

Die Pubertät Ihres Kindes bringt Sachen mit sich, über die Sie bestenfalls irgendwann gemeinsam schmunzeln können.

„Weißt du noch, damals? Als du dir deine Haare von einem Tag auf den anderen grün gefärbt hast? Oder als du mit deinen Freunden heimlich so viel Bier getrunken hast, dass du in den Kaninchenstall kotzen musstest…?“

Es gibt jedoch eine Sache, für die gerade Jugendliche sehr anfällig sind und die alles andere als witzig ist – weder in dem Moment noch Jahre später:

Mobbing.

Ein Problem, was die Kinder- und Jugendbuchautorin Cally Stronk in Ihrem neuen Buch „Unheimlich peinlich“ unter anderem auch aufgreift, denn auch darin geht es um ein Mädchen, Ruby, das am eigenen Leib erfährt, wie Cyber-Mobbing anfängt.

Das, was in „Unheimlich peinlich“ an typischen Problemen in der (Vor-)Pubertät aufgegriffen wird, kommentieren und erklären wir, Sandra und Christin Paul aus der Paul & Paula Akademie, in mehreren Blogbeiträgen für Sie. Als gelernte Erzieherinnen, Seminarleiterinnen und Mutter und Tochter wissen wir nur allzu gut um die Probleme für Eltern und Kinder während der Pubertät. Widmen wir uns also dem unheimlich wichtigen Thema Mobbing.

Viele Jugendliche fürchten sich, etwas zu sagen, wenn sie sich nicht mehr wohlfühlen.

Aus Angst, dass sie überreagieren könnten und sie sich nur einbilden, dass sie gemobbt werden. Aus Angst, was passiert, wenn sie sich einem Lehrer anvertrauen und der mit der Klasse ins Gespräch geht. Sie haben Angst davor, dann mehr als zuvor ausgelacht und heruntergemacht zu werden. Die Gedanken drehen sich im Kreis: „Soll ich was sagen oder bin ich einfach zu empfindlich? Vielleicht war das gar nicht so gemeint. Und eigentlich haben sie ja auch irgendwo recht, meine Frage im Unterricht vorhin war wirklich dumm.“ Genau wegen solcher Gedanken erfahren Sie als Eltern meist erst sehr spät von dem Problem – wenn überhaupt. Zudem glauben Jugendliche vermehrt, ihre Probleme selbst lösen zu können und zu müssen, immerhin sind sie ja schon fast erwachsen und wollen auch so behandelt werden. Wie sähe das denn aus, wenn man da gleich zu Mama und Papa laufen würde.

Aber genau hierin liegt der Fehler.

Mobbing kann jedem passieren.

Man kann nichts tun, um die Gewissheit und Sicherheit zu haben, niemals selbst Opfer von Mobbing zu werden. Es reichen Kommentare im Unterricht, die belächelt werden, es reichen Dinge wie eine bestimmte Brille, Haarfarbe, ein Kleidungsstil, die Art, wie man manche Wörter ausspricht. Versteht man sich mit den Lehrern zu gut, kann das ein gefundenes Fressen sein, ebenso wie die gegenteilige Variante, wenn man sich komplett verschließt und sich keinerlei beteiligt am Unterrichtsgeschehen.

Aus Angst, die anderen könnten an einem selbst Dinge feststellen, die sie als Anlass nehmen, um sich lustig zu machen, lenken manche Jugendliche von sich ab, indem sie so tun, als seien sie dem potenziellen Opfer überlegen. Wer über andere lacht und Witze macht, muss sich nicht mit sich selbst beschäftigen und lenkt gekonnt von sich ab.

Illustration: Constanze von Kitzing, aus Unheimlich peinlich, das Tagebuch der Ruby Black, dtv Verlag, 2020

Es gibt unzählige Arten, wie Mobbing aussehen kann.

Immer weniger sind es offensichtliche Formen, die auftreten, zum Beispiel durch physische Aktionen. Der Trend geht zum Cybermobbing – Mobbing über das Internet. Über Foren, Chats, soziale Medien. Hier wähnen sich viele Jugendliche anonym in Sicherheit und halten sich immer die Möglichkeit offen, im Zweifelsfall böse Nachrichten, Bilder oder Kommentare einfach zu löschen. Darüber nachgedacht, wie es dem Opfer wirklich gehen muss, haben die Wenigsten.

Sie als Eltern sollten vor allem präventiv handeln.

Je besser und stabiler Ihre Beziehung zu Ihrem Kind ist, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Kind mit solchen Problemen zu Ihnen kommt und sich Ihnen anvertraut. Falls nicht, gilt es, die Jugendlichen aufmerksam zu beobachten. Leider sind die Anzeichen dafür, dass Ihr Kind Opfer von Mobbing geworden ist, sehr breit gefächert und nicht immer klar abzugrenzen von den normalen Verhaltensweisen während der Pubertät, jedoch können vermehrte Aggressivität, aber auch übermäßiger sozialer Rückzug Anzeichen sein. Schlechte Noten, noch krassere Stimmungsschwankungen mit der Tendenz zu depressiven Phasen und Albträume zählen ebenso dazu. Sollten Sie eine Benachrichtigung von einer Lehrperson bekommen, zum Beispiel aufgrund einer übersteigerten Aggressivität oder aber auch Passivität, sollten Sie ohnehin das Gespräch mit Ihrem Kind suchen.


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Manche Jugendliche äußern vermehrt den Wunsch daheim, die Schule zu wechseln (wegen der vermeintlich „blöden Lehrer“ zum Beispiel) oder haben immer häufiger körperliche Symptome, wegen denen sie daheim bleiben.

Sollten Sie das Gefühl haben, dass mit Ihrem Kind etwas nicht stimmt und es sich Ihnen nicht offenbaren kann, versuchen Sie, feinfühlig ein Gespräch zu beginnen.

Bestenfalls fragen Sie danach, wie es in der Schule läuft, mit wem die Pausen verbracht werden, ob Ihr Kind zu seinem Geburtstag was mit Freunden unternehmen möchte und wenn ja, mit wem genau. Weicht Ihr Kind Ihnen aus, können Sie ruhig äußern, dass sie Veränderungen wahrgenommen haben, die Sie besorgen und die Sie nicht ganz zuordnen können.

Geben Sie nicht auf, wenn Ihr Kind abblockt. Machen Sie zudem deutlich, dass Sie immer ein offenes Ohr haben und egal, was Ihr Kind Ihnen auch sagt, dass das nichts an Ihrer Zuneigung oder Ihrer Meinung über Ihr Kind ändert. „Manchmal ist es gerade erwachsen, wenn man sich Hilfe sucht und andere nach Rat fragt. Auch das verlangt Reife.“

Gehen Sie im Zweifelsfall auf Lehrer zu fragen, wie diese Ihr Kind sehen und ob Ihnen etwas aufgefallen ist. Bei Jungen empfiehlt es sich zudem, dass der Vater das Gespräch zu seinem Sohn sucht und klar kommuniziert, dass es nicht „schwach“ oder „unmännlich“ ist, wenn man manche Probleme nicht allein löst. Und dass es ebenso wenig männlich ist, andere zu mobben.

Sollte sich Ihr Kind Ihnen anvertrauen, sollten Sie nicht den Kopf verlieren.

Unüberlegte Aktionen können Ihr Kind sonst umso mehr blamieren, sprechen Sie also bestenfalls mit Ihrem Kind ab, welche Schritte gemeinsam wann unternommen werden sollen. Sorgen Sie zudem dafür, dass Ihr Kind Erfolgserlebnisse hat – sei es im Verein, in einer AG, durch Noten oder im privaten, familiären Bereich.
Und vergessen Sie nie: Gemeinsam bekommen Sie auch diese schwierige Situation ganz gewiss gemeistert!

Liebe Grüße

Sandra und Christin Paul

Und zu den Autorinnen:

Cally Stronk ist Autorin. Sie wollte schon immer mal eine Geschichte schreiben, die auf einem Friedhof spielt. Denn sie hat in ihrer Jugend (fast direkt) neben einem Friedhof gewohnt. Ganz zufälligerweise hat Cally auch einen kleinen und einen großen Bruder, ansonsten ist die Geschichte aber auf jeden Fall komplett ausgedacht 😉 Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig, alles andere wäre doch unheimlich peinlich!

Constanze von Kitzing ist Illustratorin. Sie musste als Kind immer in der Dämmerung über den Friedhof gehen, um vom Bauernhof Milch zu holen. Deshalb hat sie jetzt vor nichts und niemandem mehr Angst. Na gut, außer vor Spinnen, Dunkelheit, zu schnellen Autos, davor dass das Essen anbrennt, dem Klimawandel und vor schlechten Rezensionen.

Zur Transparenz, wie immer:
* = affiliate Links – sonst bekomme ich kein Geld, dass ich das blogge… aber der Content für euch ist auch geschenkt. 

Hier alle anderen Pubertäts-Specials:

Eltern – vom Vorbild zum (unheimlich) peinlichen Anhang  – Gastbeitrag von Sandra und Christin Paul

Clique – beste Freunde oder beste Feinde? Gastbeitrag von Sandra und Christin Paul – Teil 2

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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