„Nein, wir bleiben nicht wegen den Kindern zusammen!“ – Brief an Großeltern, die meinen, dass wir uns zusammenreißen müssen


Nach meinem Brief an Eltern, die sich trennen hat uns eine anonyme Mama geschrieben: Das hier ist ein Brief von ihr an alle Großeltern, die meinen, dass Paare nur noch wegen den Kindern zusammen bleiben müssen.

Aber eigentlich ist es ein Brief an ihre eigenen Eltern, die ein Problem mit ihrer Scheidungsentscheidung haben:

Liebe Mama und Papa, die jetzt Großeltern sind,


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ihr habt es mitbekommen, unsere Ehe ist am Ende. Wir haben uns entschieden, uns zu trennen. Wir sind unendlich traurig und am Boden zerstört, beide. Wir haben uns aber geschworen, uns wie zivilisierte Menschen zu benehmen, damit unsere Kinder, eure Großenkel, nicht drunter leiden.

Das kostet uns beide den letzten Nerv, die letzte Kraft.

Dass ihr auch am Boden zerstört seid, das verstehen wir. Dass ich euch mit der Kraft, die ich gar nicht mehr übrig habe, trösten und beruhigen muss, gibt mir das Letzte! Ich kann und möchte nicht mit euch über Gelübde und Versprechen diskutieren. Und auch nicht darüber, was die Nachbarn denken werden. Wir haben die Entscheidung getroffen.

„Bis dass der Tod euch scheidet“ bedeutet für uns nicht der eigene Tod, sondern der Tod unserer Liebe.

Wir wollen beide leben. Wir wollen nicht unsere Lebensfreude begraben, unser Leben als Kompromiss weiterleben – wie ihr das schon seit meiner Kindheit getan habt.

Meint ihr, mir ist es gut gegangen, weil ihr eure Ehe als Farce geführt habt?

Glaubt ihr, ich habe nicht womöglich mehr unter eurem permanenten Hass aufeinander, unter eurem Frust untereinander gelitten? Unter den Schreiereien, den Schikanen, den zugeknallten Türen?

Wisst ihr, wie oft ich als 13-14-15jährige im Telefonbuch nach einem Familienanwalt gesucht habe? Ich habe euch mehrfach vorgeschlagen, euch scheiden zu lassen. Ihr habt es überhört, abgetan, das Thema gewechselt, einen neuen Streit angefangen. Bloß nicht drüber reden!

Das SCH-Wort war bei uns: SCHEIDUNG. Wie: SCHANDE.

Was sollten die Nachbarn denken, was sollten Oma und Opa denken, was sollten eure Kollegen denken?


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Ihr habt euch gegenseitig gebremst, erstickt, krank gemacht. Mama, deine permanente Migräne. Papa, dein Bierkonsum und das damit verbundene Gewichtsproblem. Streit, Missgunst, Druck… und dabei immer noch gut aussehen müssen, irgendwie, fesch gemacht, auf Familienfotos, bei Familienfesten, draußen auf der Straße, bei euch im Betrieb. Lächeln. Sich bloß nichts anmerken lassen. Für mich als Kind: Belastung pur!

Und irgendwann der Satz: „Wir sind nur deinetwegen zusammen!“

Als wäre ich Schuld daran, dass ihr nicht frei leben konntet.

Und jetzt seid ihr am Boden zerstört, dass wir, eure Schwiegersohn und ich, uns für ein freies Leben entscheiden. Ihr macht Druck, ihr habt sogar mit Enterbung gedroht. Sagt mal, geht’s noch?

Aber klar, mit der Kraft, die ich nicht mehr habe, sehe ich es trotzdem irgendwie ein: Ihr habt es für euch nach bestem Wissen und Gewissen entschieden.

Jetzt entschieden wir aber nach bestem Wissen und Gewissen.

Und zwar nach unserem besten Wissen und Gewissen, nicht nach eurem. Wir haben nichts mehr gemeinsam, wir nehmen und mehr Kraft, als wir uns geben können. Jetzt ist der Zeitpunkt für eine friedliche Trennung. Wenn wir es noch länger „versuchen“ verbittern wir.

Nein, wir bleiben nicht wegen den Kindern zusammen!

Was wir von euch brauchen, ist nicht mal Akzeptanz. Ihr könnt darüber denken, was ihr wollt.

Jammert. Lästert. Schimpft.

Bitte aber, wenn wir nicht da sind, und vor allem, wenn unsere Kinder nicht da sind!

Wenn wir unseren Kindern zusichern, dass ihre Mama und Papa sie lieben, und alles tun werden, dass es ihnen gutgeht, hilft es nicht, wenn ihr uns als Versager hinstellt. Der Satz, den ich das letzte Mal aufgeschnappt habe, sollen diese Kinderohren bitte nie mehr hören:

„Wenn eure Eltern euch wirklich lieben würden, würden sie zusammen bleiben!“

Denn, liebe Mama und Papa, wenn ich schon harte Entscheidungen wie eine Scheidung treffe, kann es sein, dass ich mich unter diesen Umständen auch von euch lossagen muss.

Eure euch immer noch liebende Tochter!

______________________________

Wer von euch hat auch ähnliche Erfahrungen gemacht und sagt auch: „Nein, wir bleiben nicht wegen den Kindern zusammen“?

Liebe Grüße,

Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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14 Kommentare

Holly_Holster
Antworten 25. März 2018

Ich bin ganz sicher weit entfernt von Scheidung, aber ich kenne das Gedühl, in einer Beziehung zu stecken, die einem nicht mehr gibt, nur Kraft kostet und Zugeständnisse an eine Zukunft, die keiner so eigentlich möchte. Damals gab es keine Kinder und trotzdem war die Entscheidung schwer und hat Jahre gedauert.
Man lebt nur sein eigenes Leben und Versager ist man sicher nicht, weil man sich entscheidet, die Kinder nicht mehr als Paar wachsen zu sehen. Es kann doch nur heißen, dass man endlich neue Wege beschreiten möchte und Kraft findet, sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren statt Kraft im Frust zu verlieren.
Alles Gute an diese Mama und alle anderen in solch einer Situation. Ihr seid stark und tut das Richtige. 🍀

    Béa Beste
    Antworten 26. März 2018

    Lieben Dank für deine Ermunterung. Die Mutter, die das geschrieben hat, liest mit! Liebe Grüße, Béa

Nadine
Antworten 16. Mai 2018

Danke für diesen interessanten Brief. Es ist toll, dass Menschen ihre Geschichte teilen.

Meine beste Freundin hat sich vor einigen Monaten von ihrem Mann getrennt. Die beiden haben auch zwei Kinder. Jedoch ist das kein Grund für sie sich nicht von ihrem Mann scheiden zu lassen. Ich habe ihr empfohlen sich an einen Rechtsanwalt zu wenden.

helga
Antworten 19. August 2019

Meine Freundin ist nach 20 Jahren des Zusammenlebens in eine schwierige Lage geraten. Ein Seitensprung und Lüge dazu lässt sie nicht ihrem Mann verzeihen. Das Kind ist aber zum echten Stolperstein geworden. Dankbar für die Warnungen vor Schwierigkeiten mit Eltern! Die können sie, wie ich hoffe, bei der Orientierung in der wirklichen Lage helfen.

Helena
Antworten 15. April 2020

Ich habe eine Scheidungsentscheidung getroffen. Die Beziehung hat viel Kraft und Nerven mir gekostet, was sich einfach nicht mehr lohnt. Es ist jetzt schwer der Tochter zu erklären, warum die Eltern einander nicht mehr lieben. Danke für den Beitrag über Scheidungen!

Steffi
Antworten 25. August 2020

Ich "freue" mich zu lesen das es auch anderen Eltern so geht und sie ttotz aller umstände sich selbst nicht vergessen denn wenn es der Mutter und dem Vater gut geht geht es auch den Kindern gut. Klar ist es schwer. Für alle! Aber auch ich habe much dafür entschieden meine Tochter alleine groß zu ziehen um ihr später den ganzen Stress zu ersparen denn ich wusste leider von anfang an das es mit mir und dem Vater nicht gut geht auf dauer.
Danke an alle die sich nicht unterdrücken lassen von dem gerede und sich das beste für sich selber entscheiden

Laura
Antworten 20. Oktober 2020

Vielen Dank für deinen positiven und mutmachenden Brief. Die Liebe zwischen den beiden Elternteilen sollte der Nährboden für ein Familienleben sein. Doch manchmal kommt es dann anders als gedacht. Es ist manchmal die beste aber nie die einfachste Entscheidung.

Tobias Müller
Antworten 22. Dezember 2020

Vielen Dank für den Beitrag zum Thema Scheidung mit Kindern. Meine Cousine hat einen Anwalt für die Scheidung gefunden und möchte nun so schnell wie möglich den Prozess der Scheidung starten. Gut zu wissen, dass Kinder kein Grund sein sollten, eine nicht zu rettende Ehe weiterzuführen.

Yelena
Antworten 19. April 2021

Vor kurzem hatte ich das Thema mit meiner Schwester ausdiskutiert. Sie ist tot unglücklich in ihrer Ehe und bleibt dennoch wegen dem Kind mit ihrem Partner zusammen. Ich bin auch der Meinung, dass Eltern ihre Kinder trotz der Scheidung immer noch sehr lieben und eine friedliche Trennung der beste Ausweg ist.

Cathrin
Antworten 8. Juni 2021

Ich habe mich vor 3 Jahren von meinem Mann getrennt. Dem gemeinsamen Sohn (7) habe ich erklärt, dass wir beide ihn sehr lieben, aber seine Eltern sich nicht mehr. „Der Papa ist nett aber ich liebe ihn nicht mehr.“
Mein Sohn hatte von da an die Gewissheit, dass er nichts mit der Trennung zu tun hat und ist im ganzen Umgang viel entspannter geworden. In der Schule klappt es seit dem auch viel besser. Eine Trennung muss nicht zwingend etwas schlechtes für die Kinder sein.
Ich bin mit meinem Ex-Mann befreundet, er ist ein super Papa!

Susanne
Antworten 8. Juni 2021

Total traurig, dass sich das Umfeld in so einer Situation nicht als Unterstützung heraus stellt sondern die Situation nur verkompliziert. Menschen können wohl oft nicht akzeptieren, dass andere Menschen nicht dieselben Entscheidungen treffen in einer ähnlichen Situation, dass sich die Zeiten und Möglichkeiten weiter entwickeln und wir uns endlich auch um uns selbst kümmern dürfen um mehr Kraft auch für andere zu haben. Klasse Brief!

Dani
Antworten 11. Juni 2021

Hallo, ich kenne beide Seiten. Meine Eltern sind auch wegen "mir" zusammen, eine unerträgliche Situation für mich als Kind. Jahrelang habe ich mir gewünscht, das sie sich endlich scheiden lassen, aber leider blieben sie zusammen. Jetzt habe ich die Entscheidung getroffen nicht mehr mit meinem Mann zusammen zu leben, obwohl wir 3 Kinder haben. Wenn man sich die Mühe macht den Kindern zu erklären warum das so ist und dann ihnen auch beizustehen ist das kein Problem. Das wichtigste was sie daraus gelernt haben ist das Eltern-Kind Liebe nie vorbei oder kaputt geht, aber das es bei Mama und Papa nicht immer der Fall ist und diese Bindung einfach manchmal schwächer ist und kaputt gehen kann. So oder so ist es für die Kinder schwierig, aber was wir ihnen vorleben ist auch das was sie lernen und später wiederspiegeln, und ich möchte meinen Kindern nicht beibringen an kraftraubenden und zerstörerischen Beziehungen festzuhalten.
Der erste Satz meiner Mutter war aber auch das ich da durch müsse und das es sicherlich auszuhalten sei.
Ich fühle mit der Schreiberin des Briefes mit und wünsche ihr alle Kraft der Welt um das durchzustehen. Du wirst das schaffen :)

Verena
Antworten 3. Oktober 2021

Auch, wenn viele Eltern in einer anhaltenden Ehekrise der Überzeugung sind, dass es für die Kinder stets das Beste sei, wenn keine Scheidung beschlossen wird, ist tatsächlich das Gegenteil der Fall. Damit ein Kind unbeschwert aufwachsen kann, sollte es davor verschont werden, permanente Streitigkeiten mitzubekommen. Auch Konflikte über das Sorgerecht und Unterhalt für die Zeit nach der Scheidung sollten verhindert werden. Eine fachliche Beratung erhält man bei einem Rechtsanwalt für Familienrecht.

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