Schulstreik für bessere Klimapolitik – einfach blau machen oder Einsatz für eine grüne Welt?


Unsere Achtsamkeits- und Nachhaltigkeits-Kolumnistin mindfulsun hat sich mit den aktuellen Schulstreiks für eine bessere Klimapolitik auseinandergesetzt.

Streiks gegen die Klimapolitik von SchülerInnen, Azubis und StudentInnen
Unterstützen wir sie – Eltern und LehrerInnen – gemeinsam!

Nicht nur unter den Hashtags #schoolstrike4climate und #FridaysForFuture kann es jeder lesen und mitverfolgen:
Schulstreiks für den Klimaschutz überall auf der Welt, angeführt von der 16 jährigen Aktivistin Greta Thunberg. Ihre Rede auf dem UN-Klimagipfel in Kattowitz war einfach nur mitreißend und berührend!

Falls ihr sie noch nicht kennt, schaut sie euch bitte an:

Klare, wahre Worte und ganz großes Kino!

Hier ein Auszug:
„Mir geht es um Klimagerechtigkeit und um einen lebenswerten Planeten. Unsere Zivilisation wird für die Chancen einer kleinen Gruppe von Menschen geopfert, die immer mehr Geld verdienen wollen. Unsere Biosphäre wird geopfert, damit reiche Menschen in Ländern wie meinem in Luxus leben können. Es sind die Leiden der Vielen, die für den Luxus der Wenigen bezahlen.
2078 werde ich meinen 75. Geburtstag feiern. Wenn ich Kinder habe, werden sie vielleicht den Tag mit mir verbringen. Vielleicht werden sie mich nach Ihnen fragen. Vielleicht werden sie fragen, warum Sie nichts unternommen haben, obwohl noch Zeit dazu war. Sie sagen, dass Sie Ihre Kinder mehr als alles andere lieben, aber gleichzeitig stehlen Sie ihnen ihre Zukunft vor den Augen weg.“

Daraufhin wurde sie überall auf der Welt eingeladen, Reden zu halten. Sie hat abgelehnt: wegen der Kohlenstoffbilanz. Greta fliegt nicht, lebt vegan und hat mit vielen Kindern und Jugendlichen auf der ganzen Welt Mitstreiter gewonnen.

Weltweit gibt es am Freitag Schulstreiks! Weltweit gehen SchülerInnen, StudentInnen und Azubis auf die Straßen!

Warum ich diesen Artikel schreibe? Natürlich der Sache wegen und weil ich auch mehr Eltern und LehrerInnen in Deutschland gerne dafür gewinnen möchte, die Kinder zu unterstützen.
Am letzten Freitag waren in Deutschland ca. 30.000 Schüler – in über 50 Städten auf den Straßen, weltweit ca. 70.000. 

Das ist eine stolze Zahl und auf diese Kinder kann man* stolz sein!
Und mit *man meine ich sicher nicht nur mich.

Statt in den Unterricht, auf die Straße – für den Klimaschutz

Und ja, der Schulstreik ist bewusst gewählt. Die Frage nach dem: „Warum gehen die denn nicht am Wochenende oder nach der Schule auf die Straße?“ kommt – immer wieder.

Die Antworten kommt von Greta Thunberg selbst: „Ich mag die Schule und ich mag es zu lernen. Aber warum sollten wir für eine Zukunft lernen, die es bald vielleicht nicht mehr gibt? Das ist wichtiger als Schule, denke ich.

Wenn Erwachsene sagen, ihr Kinder müsst doch in die Schule gehen, dann sage ich: Und ihr müsst das Klima retten. Wenn ihr etwas von den Kindern wollt, dann haben die das Recht, etwas von euch zu wollen.“

Was ist mit den Fehlstunden? Ist das nicht schwänzen? Wird das bestraft?

Es ist kein „Schwänzen“! Es ist ein: Sich für eine gute Sache einsetzen und ein Zeichen setzen! Was ist wichtiger, als das sie ihre Werte leben und dafür eintreten? Das ist es doch genau das, worum es geht! Und dass die Kinder in Zukunft einen Planeten haben möchten, auf dem sie noch leben können, ist mehr als verständlich! Alles wird von den SchülerInnen selbst geplant und organisiert. Für das Leben lernen, gelebte Demokratie.

Sollten Schüler nicht das Recht haben, während der Schulzeit zu streiken? Ja, es gibt einen Bildungsauftrag und genau der greift hier doch auch eigentlich: SchülerInnen unterstützen, sich für ihre Werte einzusetzen, sich gesellschaftlich zu engagieren! Gehört das nicht auch zur Bildung? Wollen wir nicht alle – Eltern und Lehrkräfte – dass unsere Kinder zu starken, verantwortungsbewussten Persönlichkeiten heranwachsen, die sich in die Gesellschaft einbringen?

Zusätzlich könnten in den Schulen jetzt Projekttage und Diskussionen zum Thema Klimaschutz stattfinden.
Klassen können gemeinsam mit den LehrerInnen zu diesen Demos gehen.

Ein Blick in ein Schulgesetz:

Auszug aus dem Schulgesetz von Niedersachsen, §2 – Bildungsauftrag:
Die Schülerinnen und Schüler sollen fähig werden:
– die Grundrechte für sich und jeden anderen wirksam werden zu lassen, die sich daraus ergebende staatsbürgerliche Verantwortung zu verstehen und zur demokratischen Gestaltung der Gesellschaft beizutragen
– ökonomische und ökologische Zusammenhänge zu erfassen
– für die Erhaltung der Umwelt Verantwortung zu tragen und gesundheitsbewusst zu leben

2) Die Schule soll Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern den Erfahrungsraum und die Gestaltungsfreiheit bieten, die zur Erfüllung des Bildungsauftrags erforderlich sind.

Es gibt in manchen Schulen die Möglichkeit, sich vom Unterricht freistellen zu lassen. Die Mutter einer Abiturientin hat mir dazu auf Twitter geschrieben, dass das Gymnasium ihrer Tochter die Aktion vollkommen unterstützt. Es genügte eine Einverständniserklärung der Eltern, dass SchülerInnen ab 13 Jahren mit dem Zug zur Demo fahren durften und eine Entschuldigung für die Fehlzeit.

Meine Gedanken zur Fehlzeit: Wie wäre es denn, wenn auf dem Zeugnis unter diesem Punkt vermerkt würde: xy Tage / Stunden für den Klimaschutz eingetreten?!

Weiterhin schrieb mir diese Mutter, dass sie diese Form von Protest auch regelmäßig unterstützen würde. Sie würde sich allerdings auch wünschen, dass es generell weniger Unterrichtsausfall gibt, um diese Fehlzeiten an Freitagen besser zu kompensieren.

Ja, es gibt auch Folgen / Strafen: Von Nachsitzen, Ermahnungen, Strafarbeiten – bis hin zu Klausuren genau auf den Freitag legen – habe ich gelesen.

Was ist mit dem verpassten Stoff? Hier glaube ich wirklich daran, dass die Schüler_Innen auch dem Beispiel von Greta folgen und verantwortungsbewusst sind. Sie holt den Stoff nach und lernt am Abend und an den Wochenenden. Über die Möglichkeit, dass wohl einige diesen Streik nutzen, um wirklich zu schwänzen brauchen wir nicht reden. Das wird es immer und überall geben und ist kein Grund die ganze Sache in einem schlechten Licht zu sehen.

Mein Sohn wird wohl am Freitag, 25. Januar in Berlin vor der Kohlekommission am Bundeswirtschaftsministerium beim Streik dabei sein, gemeinsam mit Jugendlichen aus ganz Deuschland. Alle Termine könnt ihr hier finden:

Startseite

Hier können auch wir Eltern etwas tun. Wir können an der Seite unserer Kinder stehen. Denn es ist auch unsere Welt.
Ich habe meinem Sohn angeboten, ihn zu begleiten.

Ich verstehe die Sorgen mancher Eltern und ich finde es auch wichtig, sich darüber auszutauschen. Und ist es nicht auch wichtig, sich mal mit den SchülerInnen direkt zu unterhalten – und zwar über die Inhalte?

„Warum streikst du, warum ist dir das wichtig?“ – anstatt nur über die Fehlzeiten zu diskutieren. Mit ihnen zu sprechen, statt nur über sie. Offenbar haben sie eine Menge zu sagen! Ich kann mir auch durchaus vorstellen – gerade bei dem Wetter – Essen und warme Getränke werden dankbare Abnehmer bei diesen Streiks finden.

In meiner Abiturzeit haben wir gegen den Golfkrieg gestreikt und wurden teilweise von unseren LehrerInnen unterstützt, sie haben sich uns angeschlossen. Genau das wünsche ich mir für diese SchülerInnen jetzt auch.

Soweit mindfulsun.

Frage von Béa: Habt ihr auch Kinder, die sich einsetzen wollen? Was sagen sie? Und wie steht ihr zum Schulstreik gegen Klimapolitik?

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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