Tanzen, um schüchterne Kinder etwas mutiger zu machen?


Ihr Lieben, falls ihr ein paar sehr introvertierte Kinder habt und nicht wisst, wie ihr sie ein wenig aus ihrer Komfortzone herauslocken könnt, habe ich den ultimativen Tipp für euch: Tanzen, um schüchterne Kinder etwas mutig zu machen.

Tanzkurs für klein Mounia

Als ich sechs Jahre alt war und eingeschult wurde, fiel es mir schwer mich mit anderen Kindern anzufreunden. Ich blieb meist mit dem einen Mädchen, das schon in meiner Kindergartengruppe war zusammen und brauchte eine ganze Weile, bis ich auftaute. Und mit einer ganzen Weile meine ich sehr, sehr lange. Meine Mutter, die verzweifelt versuchte mich aus dem Land der Schüchternheit zu befreien, meldete mich bei einem Tanzkurs an: Ballett!

Das Ziel war, neue Menschen kennenzulernen, mich zu bewegen und lernen vor anderen aufzutreten.Wie es anfangs für mich war, kann ich nicht genau sagen. Aber ich glaube, dass zu Beginn meine Mutter während der ersten Hälfte der Stunde dabei sein musste. Nach und nach taute ich dann auf. Ich lernte meine Ballettlehrerin kennen, den Tanz und dann noch mehr…

Das Ballett gab mir viele tolle Dinge:

Selbst-Verständnis

In meinem Beitrag Die Risiken und Nebenwirkungen bei Selfies hatte ich euch bereits erzählt, dass ich es sehr gut finde, dass durch die Selfie Welle viele Menschen lernen sich selbst zu beobachten. Für mich war nämlich das Ballett eine erste Form von Selbstbeobachtung. Ich sah mich nämlich selbst vor diesen gigantischen Spiegeln, die an der ganzen Wand befestigt waren. Ich beobachtete, wie ich mich bewegte, tanzte, und Pirouetten drehte.  Ich „verstand“ mich besser und nahm mich besser an.

Körperwahrnehmung

In gewisser Weise lernte ich durch das Ballett meinen Körper erstmals kennen. Im Tanzsaal waren wie gesagt gigantische Spiegel befestigt. Wo ich auch hinsah, ich sah mich und beobachtete meine Tutu, wie ich tanzte und im Einklang mit der Gruppe kam. Nach etwa zwanzig Minuten machten immer wir Dehnübungen. Ich beobachtete, wie meine Elastizität sich immer mehr steigerte. Irgendwann könnte ich einen Spagat – das war Wahnsinn. Ich lernte auch, wie viel Kraft mein Körper hatte und wie viel er erreichte, selbst wenn ich anfangs nicht daran glaubte.

Bühnenauftritte

Beim Ballettunterricht ließ es sich nicht vermeiden, dass ich die ein oder anderen Auftritte hatte. Unsere Gruppe studierte mehrere Monate ein Stück ein, welches im Sommer auf einer großen Bühne vorgezeigt werden sollte. Wie aufgeregt ich war, kann ich gar nicht in Worte fassen. Mir war so übel, dass ich glaubte jeden Moment umzukippen. Doch das tat ich nicht. Ich trat auf und verließ meine Komfortzone. Es war ein tolles Gefühl aus mir herauszukommen und zu sehen, wie viel ich mich traute.

Neue Freunde und Kontaktfreudigkeit

Im Ballett lernte ich viele liebe Mädchen kennen (Jungs gab es leider keine). Oft tanzten wir mit den Kursen unter- und über mir. Ich kam also auch in Kontakt mit Menschen, die nicht in meinem Alter waren.

Meine Offenheit neue Leute kennenzulernen wandte ich dann ganz schnell in der Grundschule an. Wie ihr wisst, ist es als Kind ohnehin viel leichter neue Kontakte zu knüpfen. Kinder können einfach auf eine Person zu gehen und sie „Wollen wir Freunde sein?“, fragen. Im Nachhinein ist es unfassbar, dass ich, das schüchterne Mädchen, das sich kaum traute zu reden (und in der Familie immer noch damit aufgezogen wird) plötzlich aus sich herauskam. Und ich würde sagen, dass ich dem Großteil dem Tanzen zu verdanken habe.

Das Tanzen ging weiter.

Nach fünf Jahren Balett und einem Umzug nach Berlin wechselte ich zu einer völlig neuen Richtung: Hip Hop. Noch ein paar Jahre später versuchte ich mich an dem Standarttanz. Ich tanzte viele Jahre lang mit Freude. Es gab und gibt mir Freude und Selbstbewusstsein.

Das waren meine Gedanken zum Thema Tanzen, um schüchterne Kinder etwas mutig zu machen!

Natürlich rate ich mit diesem Beitrag niemandem, die Kids gleich in einem Ballettstudio anzumelden. Aber falls ihr eure Kinder verzweifelt versucht aus ihrer Reserve zu locken, dann ist irgendeine Art von Tanz vielleicht der erste Schritt. Und da ist nur vom Tanzen und vom Ballett gesprochen habe, sage ich zum Abschluss, dass das natürlich für jeden Sport gilt. Ich, die mit einem Hobby aufgewachsen ist, kann es nur empfehlen!

Wer hat Kinder, die auch tanzen?

Liebe Grüße,

Mounia

P.S. von Béa.

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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2 Kommentare

Sandy Hickmann
Antworten 6. Dezember 2018

Ihr Lieben,
unsere Süße war auch sehr introvertiert, aber hat es schon immer geliebt zu tanzen. Mit 3 Jahren hat sie sich im Kindergarten total eingeigelt. Die Erzieherin hat uns eine ganz liebe, junge Tanzleherin empfohlen, die mit Kinder aus verschiedenen Altersgruppen Theatertanz gemacht hat. So haben wir unsere dort auch angemeldet und gehofft, dass sie dadurch auftaut. Es war ein voller Erfolg. Einmal im Jahr ist Auftritt und beim ersten Mal war sie unheimlich aufgeregt, aber seitdem ist es ihr Jahres-Highlight. Nun ist sie schon 6 Jahre, Tanzen ist ihre Leidenschaft und der Start in die Schule lief sehr gut. Inzwischen hat sie viele tolle Freunde beim Tanzen und in der Schule, auch Freundinnen, die älter als sie sind. Tanzen war für sie und uns auch das absolut Richtige, um sie zu öffnen.

Tanja
Antworten 10. Dezember 2019

Das kann ich nur bestätigen. Mein Sohn hat große Freude und Bestätiung (und Erfolg) im Bogenschiessen gefunden. Er ist inzwischen sehr von sich und seinem Können überzeugt, - kann vor Leute treten (z.B. Buchvorstellung oder Aufführung), da er dort auch gelernt hat, "beobachtet" zu werden bis hin natürlich zum "aufs Treppchen stehen" bei der Siegerehrung. -- ein wahnsinns Wandel, den ich miterleben durfte vom schüchternen introvertierten Jungen mit wenig Lust an Freunden, der Menschen gemieden hat zum aufgeschlossenen und offenen selbstbewussten Kerlchen mit einer tollen Truppe, die durch den Verein bei 2-3 Terminen die Woche tolle Wegbegleiter und Freunde wurden. Vor 2 Jahren wollte er nie vor die Klasse, war sehr introvertiert und hat gerade letztes Wochenende bei einer großen Aufführung vor 700 Leuten einen kurzen Auftritt ohne große Nervösität im Vorfeld total sicher und mit Freude hingelegt. Für mich eine große Freude, ihn heute so zu sehen.

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