Vergessene Hausaufgaben – Motivation, Anreize und bedeutungsvolle Konsequenzen


Achtsamkeit und Schule? Und dann auch noch Hausaufgaben? Unsere Gastautorin mindfulsun hat sich – aus gegebenem Anlass – Gedanken gemacht:

Ich möchte heute über bedeutungsvolle Konsequenzen statt Strafen schreiben, über Anreize statt Belohnungen und über Motivation statt Frust.

Mein Sohn ist im Sommer von der Grundschule in die Sekundarschule gewechselt. Er ist 12 Jahre alt und in der 7. Klasse. Die erste Elternversammlung haben wir schon hinter uns. Hier empfand ich es als wertvoll, dass auch die Kinder selbst teilnehmen konnten. Die Informationen waren somit transparent für uns alle – dachte ich.

Jetzt, ein paar Wochen später kam das Thema auf: Angst vor einem Tadel für vergessene Hausaufgaben.

Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass diese Maßnahme überhaupt existiert. Die Klassenlehrerin – Deutsch – vergibt für drei vergessene Hausaufgaben einen Tadel. Nein, dies wird jetzt kein aufgeregter Artikel über die Lehrerin. Natürlich war ich im ersten Moment schockiert, ich habe reflektiert und möchte hier darüber schreiben, was ich mir wünschen würde.

Ich habe auch mit der Lehrerin meines Sohnes über das Thema „Tadel für vergessene Hausaufgaben“ gesprochen. Ich wollte es gern verstehen, auch warum wir als Eltern nicht darüber informiert wurden. Sie sieht es als erzieherische Maßnahme und der Tadel wird nach zwei Wochen gelöscht. Mein Sohn hat sich vorher bei ihr entschuldigt. Er hat ihr erklärt, warum er diese dritte Hausaufgabe nicht erledigt hat und durfte sie dann nachholen. Hierfür habe ich mich natürlich auch bei ihr bedankt!

Eine kleine Zusatzinfo: Die erste tägliche Schulstunde meines Sohnes – unter Aufsicht der Klassenlehrerin – ist auch dafür gedacht, Hausaufgaben zu erledigen. Hier habe ich mich mit der Lehrerin auf eine engere Zusammenarbeit und Kommunikation geeinigt.

Mir ist wichtig, dass Eltern und Schule zusammenarbeiten. Mir ist es auch wichtig, mein Kind zu motivieren. Und ja, Kinder zur Erledigung der Hausaufgaben zu motivieren ist nicht immer leicht.

Was sind eigentlich Hausaufgaben? Hausaufgaben dienen für mich zur Vertiefung des im Unterricht Gelernten und sollen eigentlich dem Lehrer Auskunft darüber geben, ob der Stoff verstanden wurde. Indem ein Lehrer die Hausaufgaben kontrolliert – hier reicht schon stichprobenartig von jedem Kind – kann er sehen, ob noch Bedarf besteht, weiter an diesem Thema zu arbeiten.

Meine Gedanken dazu:

Würde es die Kinder nicht vielleicht mehr motivieren, wenn sie genau wüssten: Hausaufgaben sind eine wichtige Übung, die auch (evtl. aus Zeitmangel stichprobenartig) angeschaut werden. Die Lehrkräfte möchten gern sehen, was du gelernt hast und wo du vielleicht noch Hilfe benötigst. Und vor allem würde es Wertschätzung bedeuten, Wertschätzung für erledigte Hausarbeit.

Wo Strafen verhängt werden und Wertschätzung fehlt, wird es Frust geben und kein Gefühl der Motivation entstehen.

Wenn es Konsequenzen für nicht erledigte Hausaufgaben gibt, warum dann keine positive Aufmerksamkeit und Resonanz für gemachte? Womöglich werden einige jetzt an dieser Stelle denken: ‚Die Kinder sollen lernen, dass das wichtig ist. Im Leben gibt es nun mal Dinge, die erledigt werden müssen!‘ Ich habe zur Recherche zu diesem Artikel eine Umfrage auf Twitter zum Thema Hausaufgaben gestartet und möchte hier eine Mutter zitieren:

Kinder bedeutungsvoll motivieren, statt blindes Funktionieren zu lehren.

Anmerkung: Hier ging es auch um das Thema – Hausaufgaben während Krankheit erledigen. Dazu bald mehr in einem anderen Artikel.

Wie ist das eigentlich? Wie viele Lehrer sprechen mit ihren Schülern? Ist dafür genügend Zeit?

„Ich habe bemerkt, du machst keine Hausaufgaben. Was ist der Grund dafür?“ Hier kann es doch unzählige Gründe geben, die nichts mit Faulheit zu tun haben: Stress zu Hause, das Thema nicht begriffen, Scham etc. Der Möglichkeiten gibt es viele. Würden hier nicht ein offenes Gespräch und ein Hilfsangebot mehr bringen, als einfach Strafen zu verhängen ohne nachzufragen?

Beim Thema Belohnungen für Hausaufgaben bin ich im Zwiespalt. Einen positiven Ausgleich fände ich schön und eben Anreize. Was mir Eltern, Schüler und Lehrer zu diesem Thema auf Twitter geschrieben haben:

Natürlich gab es auch Beispiele, wo nur Strafen verhängt wurden. Ich möchte mit diesem Artikel den Fokus auf positive Anreize legen.

Besonders gut hat mir das Beispiel einer Lehrerin gefallen, deren Artikel ich zu diesem Thema gelesen habe.

Mein Sohn war auch hellauf begeistert von dieser Idee: Nach Kontrolle der Hausaufgaben stellt sie einen Papierkorb auf ihren Tisch. Alle Kinder dürfen die Blätter mit den Hausaufgaben dann zerknüllen und hineinwerfen. Hausaufgabenblätter landen doch sehr oft zerknüllt entweder in der Mappe oder gleich im Papierkorb. Warum nicht daraus ein Ritual machen, was der ganzen Klasse Spaß macht?

So viel zum Thema Schule und Lehrer. Natürlich bin ich hier auch als Mutter gefordert!

Ich bin in diesem Schuljahr bisher davon ausgegangen, dass mein Sohn die Hausaufgaben in der Schule erledigt. Das funktioniert scheinbar leider nicht immer. Nach einem langen Gespräch mit ihm habe ich bemerkt, vieles hängt davon ab, dass er etwas schluderig mit seinen Schulmaterialien umgeht – oft etwas verloren geht. Und ich habe ihm hier meine Unterstützung angeboten. (Hilfe bei den Hausaufgaben bekommt er von mir natürlich sowieso, wenn er dies wünscht)

Wir achten jetzt gemeinsam darauf, dass seine Mappe ordentlicher ist und heften gemeinsam alles ab. Manchmal hilft es ihm auch einfach, wenn ich nur daneben sitze. Und ich lobe ihn noch öfter, wenn er alles erledigt hat. Durch den Fokus auf die Ordnung läuft es mit den Hausaufgaben besser. Bei uns war also das Problem die Unordnung und nicht die Faulheit. Hier liegt es in meiner Verantwortung, meinem Kind eine Stütze zu sein. Und er hat sich hier meine Hilfe auch ausdrücklich gewünscht. Das spielt für mich eine große Rolle dabei.

Mein Fazit und mein Empfinden: Drakonische Strafen für vergessene Hausaufgaben lehne ich ab.

Ein Punktesystem und bedeutungsvolle Konsequenzen empfinde ich als ausreichend. Motivation vonseiten der Lehrer und Eltern empfinde ich als enorm wertvoll. Positive Anreize und Resonanz für gemachte Hausaufgaben sind wichtig. Ebenso bedeutungsvoll ist die Fähigkeit zur achtsamen Selbstmotivation seitens der Kinder, darüber ausführlicher in einem anderen Artikel. Dies meinem Kind beizubringen und vorzuleben, ist mir sehr wichtig geworden.

Und Selbstmotivation ist eben nicht: Angst vor einem Tadel zu haben!

Wie ist das bei Euch mit den Hausaufgaben? Wie motiviert Ihr Eure Kinder? Welche Konsequenzen gibt es für nicht erledigte Hausarbeiten seitens der Lehrer?

Hier bin ich sehr gespannt auf Euer Feedback. Ein Austausch darüber kann uns allen vielleicht neue Anregungen geben.

Viele Grüße
mindfulsun – die jetzt auch ihre Hausaufgaben erledigt und den Einkaufszettel für den Wochenendeinkauf schreibt.

Foto:  Aaron Burden on Unsplash

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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1 Kommentare

Rowena Fritz
Antworten 30. November 2018

Bei uns gibt es für besonders schön (bemüht) gemachte Hausaufgaben ein Pickerl, bei 10 Pickerln gibt es einen Gutschein für einmal Hausaufgabe nicht machen. Das bietet schon einen ziemlichen Anreiz.

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