Nach Mobbing Schulwechsel: „Mami… ich habe endlich Freunde!“ – Gastbeitrag


Wir haben neulich gefragt, wie ihr Mobbing-Situationen überwinden konntet. Eine Leserin hat uns ihre Erfahrung mit ihrem Kind geschickt. Sie schreibt  hier:

Zum Thema Mobbing möchte ich euch die Geschichte meines heute 9jährigen Sohnes erzählen.

Jeremy ist schon seit dem Kindergartenalter immer anders als andere Kinder gewesen, seine Art zu denken und zu handeln entsprach schon immer einem älteren Kindes. Im Kindergarten war das nicht ganz so ein Problem.

Die wahren Probleme fingen drei Monate nach der Einschulung an.

Er kam täglich nach Hause, weinend oder total schmutzig (er wurde geschubst u.ä.). Anfangs dachte ich noch so:  „Ach komm, das sind Jungs… die raufen auch mal.“

Bei den ersten „Tests“, die in der Schule geschrieben wurden, hatte mein Sohn hatte nie Fehler oder höchsten 1-2 kleine. Damit fiel er auf…

Es kann schon damit zusammenhängen, dass ich dann täglich merkwürdige „Beschwerdeanrufe“ über meinen Sohn bekam. Beispiel: Da rief eine Mutter an und sagte, Jeremy hätte ihrem Sohn den Kakao über den Kopf gegossen… Aber mein Sohn war an diesen Tag krank zuhause! Das sagte ich ihr. Ihr Antwort war: „Ja, wenn mein Sohn sagt, der Jeremy war das, dann ist das auch so!“

Ich habe mich dann einen Termin in der Schule gemacht. Von der Lehrerin durfte ich mir dann anhören, dass mein Sohn „ein Schläger“ sei. Nun gut: Er übte zu der Zeit schon Taekwondo – aber gerade bei dieser Sportart lernt er, das er sein Gelerntes nicht einfach einsetzen darf. Da war ich noch sicher: Ich möchte nicht sagen, dass mein Bub ein Engel wäre. ABER ein Schläger ist er ganz bestimmt nicht!

Dann sagte sie, mein Sohn habe doch bestimmt ADHS und müsse ruhig gestellt werden, denn er könne sich im Unterricht nicht unterordnen und würde immer stören. Damit fing ich an schon an zu zweifeln… an mir und an ihm. Das Kind, von dem mir in der Schule erzählt wurde, kannte ich bis dato nicht.

Also machte ich einen Termin bei einer Kinderpsychologin aus.

Beim ersten Termin hat sie sich mit meinem Sohn unterhalten und meinte dann, er habe definitiv kein ADHS. Aber wir sollten dringend IQ Tests mit ihm machen. Nach mehreren Wochen verschiedener Tests kam heraus, dass mein Sohn einen altersuntypisch hohen IQ hat und seine Unruhe im Unterricht wohl von der Unterforderung her rührte.

Mit diesen den Ergebnissen ging ich zurück zu seiner Schule. Die Lehrerin wollte das nicht glauben. Mir wurde klar: Ihr war das Kind einfach unbequem. Aber ich dachte, das würde sich noch regeln.

Dann verstrich einige Zeit: Seit dem Ergebnis machten nicht nur die Klassenkameraden mein Kind fertig, weil es halt anders war, sondern auch die Lehrerin. Das belastete mein Kind sehr. Es kam immer schlimmer. Meinem Sohn ging es immer schlechter, er schwänzte die Schule, er kam nach der Schule VIER Stunden später nach Hause.

Anfang 2017 fing er an das Essen einzustellen. Meinem Kind ging es sichtlich schlecht.


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Ich bin wieder zur Schule. Lehrerin meinte zu mir: „Also Frau E., das haben sie sich alles selber eingebrockt. Hätten sie ihm mal Medikamente geben lassen, dass er ruhig wird, würde er mit seiner anstrengenden Art nicht anecken!“ Er konnte z.b. Ungerechtigkeit, Lügen und unfaires Verhalten nicht ertragen und mischte sich dann ein. Ausserdem stellte er viele Wissensfragen im Unterricht und auch die eine oder andere Logik der Lehrerin in Frage.

Und dann kam noch eine Keule: „Jeremy fehlt einfach mal eine strenge Hand zuhause!“ (Ich bin alleinerziehend…)

Nach diesem Gespräch bin ich zur Psychologin hin und habe sie um Hilfe gebeten.
Sie meinte, dass das einzige, das ihm jetzt noch hilft, ist eine neue Schule.

Ich habe dann innerhalb von 2 Wochen ohne das Schulamt zu involvieren eine neue Schule gesucht, gefunden und kontaktiert.

Sie waren bereit meinen Sohn aufzunehmen, vorausgesetzt die alte Schule stimmt dem Wechsel zu. Also mit der alten Schule hin und her diskutiert. Sie konnten den Wechselwunsch ja nicht verstehen, denn an ihrer Schule  „GIBT ES MOBBING NICHT“. Nachdem ich mit der Presse und der Polizei gedroht habe, haben sie einem Schulwechsel zugestimmt.

Nun ist Jeremy seit 2017 auf einer neuen Schule, die von Anfang an von seinem IQ wussten und ihn so angenommen haben.

Er kam schon nach dem ersten Schultag nach Hause und strahlte wie lange nicht mehr und sagte:
„Mami… ich habe endlich Freunde!“

Er hat einen ganz ganz tollen Lehrer, der ihn individuell fördert und eine ganz tolle kleine Klasse. Es sind 23 Schüler und sogar ein Schulhund. Er bringt nur 1er und 2 er mit nach Hause und ist endlich wieder mein glücklicher Schatz. Nächste Woche fährt er das 1 mal mit auf eine Klassenfahrt und ich kann ihn mit einem guten Gefühl fahren lassen!

Ich bin der neuen Schule zutiefst dankbar.

Man darf nie aufgeben und: Immer kämpfen für das eigene Kind… es lohnt sich!

Liebe Grüße,

eine Mutter, die ihr Kind liebt!

P.S. von Béa: Vielen lieben Dank für diese Erfahrungen!

Habt ihr auch einen Schulwechsel aus solchen Gründen gewagt? Wie war das für euch?

Was wir auch suchen sind Erfahrungen von Lehrkräften, die das Thema Mobbing gut in den Griff bekommen haben. Wer kann auch hier was sagen?

Auch andere Themen und Erlebnisse von euch sind uns willkommen! Schickt uns am besten eine PN über den Messenger: https://m.me/tollabea (übrigens, dann fragt euch das Ding, ob ihr News von uns erhalten wollt… Ein „Ja, geht klar, würde uns freuen!)


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Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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5 Kommentare

Mama mia
Antworten 10. Januar 2020

Ich kann Ihnen sehr gut nachfühlen! Mein Sohn hat dieses Jahr Schule gewechselt, weil wir umgezogen sind und er wurde vom 1. Tag an gemobbt. Die Lehrkräfte und der Direktor wollten sich mit der Mutter des Täters nicht konfrontieren, weil diese im Elternbeirat sitzt. Mein Sohn wurde 2 Monate lang, jeden Tag geschlagen, ausgelacht und in den Pausen allein gelassen. Der einzige Ausweg war die Schule zu wechseln. Am liebsten würde ich Anzeige erstatten für das was wir als Familie durchgemacht haben.

Nina
Antworten 3. März 2020

Der arme Kerl!

Wir haben keinen Schulwechsel hinter uns, allerdings mussten wir aufgrund Mobbings den Kindergarten wechseln.

Beate
Antworten 4. März 2020

Wir hatten das gleiche Problem in der weiterführenden Schule. Mein Sohn konnte nie etwas mit Gleichaltrigen Jungen etwas anfangen, hielt sich eher an Mädchen oder ältere Jungen. In der Klasse würde er gemobbt ohne Ende. Bei uns war das Maß voll, als uns am Elternsprechtag die Klassenlehrer ins Gesicht sagten "wir wissen das du gemobbt wirst aber wir können es nicht ändern". Ich habe ihn dann auch umschulen lassen und in der neuen Klasse würde er von Anfang an aufgenommen und akzeptiert.
Ich kann nur allen betroffenen Eltern raten, schaut hin, hört auf euer Bauchgefühl und handelt schnell. Leider hat nein Sohn durch diese ganze Problematik eine Eßstörung entwickelt, obwohl das mittlerweile 5 Jahre zurückliegt.

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