Zwiespalt Zoo – Ist ein Zoobesuch pädagogisch verantwortbar?


Ein Besuch im Zoo, einer der wahrscheinlich beliebtesten Ausflugsziele für Familien mit Kinder: Die Kinder können den ganzen Tag neue Tiere entdecken und beobachten, zudem bieten die meisten Zoos auch noch Eis und Spielplätze an. Doch mittlerweile gelten Zoos aus der Zeit gekommen, sie werden von der Tierschützer-Szene als Tierquälerei bezeichnet.

Wir haben uns in der kleinen feinen Tollabea Redaktion die Frage gestellt:


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Inwieweit ist also ein Zoobesuch mit Kind und Familie pädagogisch verantwortbar?

Meine Erfahrung mit Zoos

Ich habe die Zoobesuche meiner Kindheit positiv in Erinnerung. Da ich in Berlin, und damit in der Nähe des artenreichsten und ältestem Zoo Deutschland, aufwuchs, besuchten wir oft den Zoologischen Garten und das anliegende Aquarium. Für mich als Kind gab es viel zu sehen und zu entdecken, und hinzukamen die großen Spielplätze auf dem Zoo. Für mich als Kind waren die Tiere einfach in den Gehegen selbstverständlich. Es war eine simple Tatsache, die mein drei-fünf-achtjähriges Ich so hinnahm.

Zoos haben einen Bildungsauftrag

Eine oft genannte Daseinsberechtigung von Zoos ist das „Erfüllen des Bildungsauftrags“. Sie sollen wichtige pädagogische Arbeit leisten und mit vielen Angeboten, wie z.B. Zooschulen, kommentierten Fütterungen, und Exkursionen, versuchen sie dieser Aufgabe gerecht zu werden. Also hat der gemeinsame Ausflug in den Zoo durchaus die Chance pädagogisch wertvoll zu sein, und dem Kind außerschulisch Wissen zu vermitteln.

Dabei sollten sie mit ihren Kindern allerdings nicht von Gehege zu Gehege hetzen, um ja jedes Tier einmal gesehen zu haben, sondern nehmen sie sich ein wenig mehr Zeit und erzählen sie ihrem Kind mehr über diese Art. Auf diese Weise wird ihr Kind für den Artenschutz sensibilisiert und lernt auf diese Weise das Tier näher kennen.

Artenschutz in Zoos

Eine weitere oft genannte Daseinsberechtigung, ist der Artenschutz. In Zoos werden bedrohte Tierarten gezüchtet und wieder ausgewildert. Zoos haben auf diese Weise schon viele Tierarten, wie z.B. den Amur-Leoparden vor dem Aussterben bewahrt. Angesichts des Artensterbens ist dieses Unternehmen ein Tropfen auf den heißen Stein, aber ein Schritt in die richtige Richtung. Zoos schützen auch Arten, in dem sie die Besucher und Kinder für diese sensibilisieren. Ein Kind, das einen Tiger im Zoo bewundert hat, ist sicher williger, diese Tierart auch in der freien Wildbahn zu schützen. Damit leisten Zoos einen wichtigen Beitrag für den Artenschutz.


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Kritik an Zoos

Es gibt viel Kritik an Zoos, die sich auch auf die vermeintlichen Daseinsberechtigungen beziehen. Die Wirksamkeit des Auswildern von bedrohten Arten wird oftmals hinterfragt. Laut der Tierschützer-Szene verkümmern in der Gefangenschaft Instinkte und die Tiere können nicht für die Natur lebenswichtige Verhaltensweisen erlernen. Außerdem sind laut der Szene die Gehege in den Zoos viel zu klein, auf diese Weise leiden die Tiere und sind anfällig für Verhaltensstörungen. Durch die permanente Zurschaustellung der Tiere leiden diese Tiere dann dauerhaft unter Stress. Laut der Tierschütze-Szene sind Zoos also Institutionen der Tierquälerei und sollten verboten werden.

Beide Seiten glauben im Recht zu sein, welcher Argumentation sie nun Glauben schenken ist ihre Entscheidung.

Was ist das pädagogisch Richtige für mein Kind?

Es ist Ansichtssache, wer bei dieser Debatte recht hat. Es ist genauso gut eure Entscheidung, ob ihr mit euren Kindern in den Zoo geht.

Solltet ihr mit euren Kindern in den Zoo gehen, empfehle ich jedoch, dass ihr sie für sensibilisiert. Kommt mit den Kindern ins Gespräch und versucht ihnen zu vermitteln, dass die Tiere in der Natur viel mehr Platz haben und dass es ihnen vielleicht nicht gefällt hier eingesperrt zu sein.

Mit Fragen könnt ihr diese Konversation mit dem Kind einfach in die richtige Richtung lenken: „Wollen wir schauen, ob der Gorilla draußen mehr Platz zum Klettern hat?“, „Meinst du, der Tiger hat genug Platz zu spielen?“ oder „Die Robbe hat in der Natur viel mehr Platz zu spielen, findest du nicht auch?“

Es geht dabei nicht darum, dem Kind klarzumachen, dass die Zoos böse sind, sondern nicht perfekt für das Tier, wie sie erst mal aus Sicht der Kinder sind.

Was haltet ihr von Zoos? Und habt ihr schon mal einen Zoo gesehen, den ihr für wegweisend und tierfreundlich haltet?

Viele Grüße,

Bosse

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Hallo, ich bin Bosse! Schüler und Schülerpraktikant bei Tollabea, Ich freue mich die Perspektive eines Teenagers und Schülers mit euch zuteilen.

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2 Kommentare

Wiebke
Antworten 27. Juni 2022

Cooler Artikel. Seine Kids mit Fragen zum Nachdenken anregen ist immer gut. Hat schon Sokrates gemacht, wenn er über den Marktplatz ging. Ich mag auch Dein Titelbild - ganz eigener Stil.

Susanne von Watzdorf
Antworten 28. Juni 2022

Mittlerweile gibt es einige sehr gute zoologische Gärten, in denen die Tiere möglichst artgerecht gehalten werden und viel Platz haben. Da kann es dann eben auch mal sein, dass man vom Aussichtspunkt am Wolfsgehege aus gerade keinen Wolf zu sehen bekommt, weil die gerade woanders unterwegs sind. In Dänemark war es für meine Jungs immer sehr eindrucksvoll, mit dem Auto in den Löwenbereich zu fahren, wo es für die Tiere eben nicht säuberlich zubereitete Steaks gibt, sondern einmal die Woche eine tote Kuh im Gehege landet, die auch entsprechend schwieriger zu fressen ist. Ich vermute, darauf, die Kuh lebend reinzuschicken, wurde nur wegen der Besucher verzichtet... Mich hat es immer sehr berührt, Tiere live zu sehen. Und einen Tiger erlebe ich nunmal nicht in Deutschland ohne Zoo. Es gibt sehr gute Tierdokus, aber das Live-Erleben schafft schon eine ganz andere Verbindung. Insofern denke ich, dass ich auf jeden Fall auf diese Art sehr für den Artenschutz sensibilisiert worden bin, jedenfalls mehr, als nur durch Filme und Fotos. Bei all dem muss man natürlich auch kritisch bleiben; Zoos, in denen Tiere unter miesen Bedingungen gehalten werden, gibt es leider auch noch.

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