Was hätte ich in der Erziehung mit meinem Kind besser machen können?


Was hätte ich in der Erziehung mit meinem Kind besser machen können? Das tolle an großen Kindern ist, dass man mit ihnen reflektieren kann. Heute haben meine erwachsene Tochter und ich einen Rückblick auf die Zeit, als sie klein war, gewagt: Jeder von uns hat allein drei Dinge aufgeschrieben, die richtig gut gelaufen sind. Und drei Dinge, die… naja… besser anders gelaufen wären. Und dann haben wir verglichen!

Hier sind unsere Ergebnisse – die ich euch etwas näher beschreibe:

Carina TOP 3 – GUT GELAUFEN:

1. „Du hast mich überall hin mitgenommen – ich bin unkompliziert geworden“
Abendessen bei Freunden oder auch mal eine Univorlesung am Nachmittag? Kein Problem. Ich habe mir oft keinen großen Kopf gemacht, das Kind unterm Arm geklemmt und gut war’s. Sie ist auf diversen Sofas eingeschlafen und ich habe sie eben später nach Hause getragen, umgezogen und in ihr Bett gelegt. Wir beherrschten sogar Zähneputzen im Schlaf, kein Scherz. Carina hat bis heute keine Schwierigkeiten zu schlafen – sei es mitten an einem Flughafen, in vollen Zügen oder wenn es nebenan eine Party gibt. Sie meint aber auch, dass auch der Wachzustand ihr viel gebracht hat: Sie ist hat ein sehr soziales Wesen und keine Probleme, sich schnell zu integrieren und zu verständigen und schlichtweg von vielen Menschen gemocht zu werden.

2. „Du hast mir viel Selbstverantwortung gegeben“
Ich bin tatsächlich sehr locker gewesen mit Hausaufgaben und Schulanwesenheit, habe ihr öfters angeboten, ihr einfach mal eine Entschuldigung zu schreiben. Carina hat volle Verantwortung übernommen und immer höflich abgelehnt, wenn ihre Mama solche „Hippie-Anwandlungen“ hatte. Jetzt sagt sie, dass es gut war, weil sie immer den Eindruck hatte, sie erledigt ihre Pflichten aus freien Stücken. Ganz im Vertrauen: Ich kannte ihr Wesen und wusste, dass ich das tun konnte! Das geht nicht mit jedem Kind… ganz sicher nicht!

3. „Du hast meine Probleme ernst genommen
Carina erinnert sich, als sie mal ein „hässliches Entlein“-Phase mit viel Pickeln und unreiner Haut in der Pubertät hatte, dass ihre Mama das nicht runtergespielt hat. Tatsache: Ich wäre nicht ehrlich gewesen, wen ich ihr nur erzählt hätte, wie hübsch sie ist. Ich sah zwar noch ihre Schönheit – aber auch die Pickel, und fühlte mit. Armer Schnuppi! Wir waren zusammen beim Hautarzt und haben im KaDeWe Schminksachen geshoppt. Das hat ihr gut getan.

Béa TOP 3 – GUT GELAUFEN:

1. Ich habe ein Dorf eingespannt – ich war nie allein erziehend
Als Carina ganz klein war, waren Tagesmütter extrem knapp in Berlin. Um studieren zu können habe ich mich mit zwei anderen Frauen mit Babys organisiert: Ich hatte an zwei Tagen pro Woche ca. 7 Stunden lang 3 Kinder bei mir, an drei Tagen konnte ich unbegrenzt zur Uni gehen, bis abends. Das Modell hat sich mit einer ganzen Nachbarschaft über die Kindergarten- und Schulzeit fortgesetzt: Ich spannte alle Menschen ein, die sich einspannen ließen – und arbeitete vollzeit. Und passte dann am Wochenende mit gutem Gewissen selbst auf eine Meute von Kindern auf – so kann man auch das Einzelkind-Thema lösen, habe ich mir gedacht! Das würde ich jederzeit wieder so machen, wir alle haben davon profitiert.

2. Ich habe ganz viel Kreativkram mit meinem Kind gemacht
Tja, dieser Blog kommt nicht von ungefähr. Wir haben gebastelt und vor allem auch gekocht, was das Zeug hielt! Meine Tochter konnte mit 12 ein 5-Gänge-Menü eigenständig schmeissen und ist jetzt eine exzellente Köchin. ich glaube, das hat insgesamt ihre Kreativität entfaltet… und deswegen mache ich auch diesen Blog, um euch Anregungen für eure Kinder zu geben.

3. Ich habe alles gemacht, was ich machen wollte – auch mit Kind
Meine Tochter kam ungeplant aber gewünscht, als ich noch sehr jung war: 21. Ich habe mir geschworen, dass ich nicht so eine Mutter sein würde, die später ihrem Kind vorhält, was sie alles im Leben nicht gebacken bekommen hat. Ich habe (siehe Punkt 2) vom Job über Reisen alle meine Wünsche realisiert. Und darauf bin ich stolz. Auch wenn das andere Nachteile mit sich brachte, wie ihr gleich bei den anderen Punkten lest…

BeaBesteCarinaBunt

Carina Flop 3 – Was hätte Mama mit mir besser machen sollen?

1. „Du warst zu verständnisvoll – ich habe zu wenig Streitkultur gehabt“
Carina meint, sie hätte von mir nie ein unfaires Donnerwetter abbekommen und würde heute immer noch total bestürzt neben sich stehen, wenn ihr andere Menschen eine Szene abziehen. Sie hätte sich gewünscht, mit mir mehr Konfkliktfähigkeit trainieren zu können und dabei zu lernen, mit Stimmungen von Menschen umzugehen. ich war schon immer zu gut drauf, habe sie daher zu sehr in Sicherheit gewogen …

2. „Du warst zu „studentisch“ – ich hätte mehr Wissen gebraucht“
Meine Tochter hätte wohl gern ein Elternteil gehabt, die ihr auch mal (wie mein Vater mir) stets einen Lexikon in die Hände gedrückt hätte. Sie bemängelt, dass ich zu oft die Meinung vertreten habe: „Man muss nicht alles wissen, man muss nur wissen, wo es steht.“ Sie wünscht, sie hätte mehr Allgemeinbildung, besonders in Politik und Musik mitbekommen.

3. „Du warst zu beschäftigt – ich hätte gern mehr Zeit mit dir gehabt“
Tja, jetzt kommt’s: Sie hätte schon gern mehr Zeit mit ihrer Mama gehabt. Sie meint, dass sie schon oft auf andere Kinder neidisch gewesen ist, wenn die öfters ihre Eltern einfach zu Hause hatte. Was soll ich sagen …? Sie hat einfach Recht.

Béa Flop 3 – Was hätte ich mit meinem Kind besser machen können?

1. Ich hätte mein Kind bilingual erziehen sollen
Interessant, dass dies bei ihr jetzt nicht mehr gekommen ist, am Ende der Schulzeit war es ein Riesenthema. Ich bin selbst mit Rumänisch und Französisch aufgewachsen, und was habe ich mit ihr gesprochen? Deutsch! Es war so, dass sie auf die Welt kam, als ich endlich den Eindruck hatte, dass ich die Sprache beherrsche – so 6 Jahre nach meiner Ankunft in Deutschland. Und da wollte ich nicht aus dem Sprachfluss rauskommen. Es wäre besser für sie gewesen, zweisprachig aufzuwachsen …

2. Ich hätte mehr Wert auf eine Musik legen sollen
ich bin selbst verdammt unmusikalisch und habe Musik zu wenig auf dem Schirm gehabt. Ich glaube, ich hätte wenigstens für sie mehr heraussuchen und fördern sollen … Geht unter Allgemeinbildung, was sie selbst bemängelt.

3. Ich hätte mehr Zeit mit meinem Kind verbringen sollen – vor allem längere Ferien
Was sie vermisst hat, vermisse ich auch, in der Retrospektive. Vor allem Ferien hätte ich mir mehr und länger nehmen sollen, um Muße zu haben und nicht immer durch zu hetzen… Aber auch generell merke ich jetzt, wie schnell die Zeit verflogen ist – und ganz ehrlich, etwas mehr Quality Time hätte uns beiden gut getan!

Dass wir so offen und direkt über so etwas und noch viel mehr anderen Themen reden können, zeigt, dass wir ein sehr inniges Verhältnis haben, und darauf bin ich stolz! Ihr seht, etwas kann man später immer besser machen und das Ergebnis kann trotzdem klasse sein.

Vielleicht gibt euch dieser Beitrag  einen Anstoß, euch gemeinsam mit eueren Kindern zu überlegen, was euch jetzt gut tut. Und wenn sie ganz klein sind, vielleicht den Blick in die Zukunft zu wagen und euch zu überlegen: Wenn ich mal in zehn oder 20 Jahren drüber nachdenke, was würde ich dann denken, dass ich jetzt mit meinem Kind besser hätte machen können? Erzählt mal, wie ist das bei euch?

beabeste
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13 Kommentare

Mami anders
Antworten 15. Januar 2016

Hallo liebe Béa,

ich finde eure Idee des gemeinsamen Rückblicks toll. Es ist interessant wie unterschiedlich bzw. gleich eure Wahrnehmungen teilweise sind bzw. waren.
Du hast das sehr sympatisch geschrieben!

Ich hoffe, ich erinnere mich in vielen Jahren an diese Idee zurück. Hoffentlich schimpft dann mein Sohn nicht zu sehr mit mir ;-)

Liebe Grüße
Anja

    beabeste
    Antworten 15. Januar 2016

    Danke dir, liebe Anja, ich freue mich sehr über so ein Feedback. Ich überlege jetzt ob ich vor 20 Jahren andere Dinge mit Verbesserungsbedarf gesehen hätte... Liebe Grüße, Béa

Mutterseele
Antworten 16. Januar 2016

Eine wunderbare Idee (und eine wunderbare Tochter!). Ich überlege gerade, ob ich das nicht jetzt mit meinen Kindern mache, damit wir zusammen noch die Chance haben, was zu verändern. Sie sind 9 und 10, also groß genug für eine spannende Reflexion, und wir haben noch einige Jahre zusammen, an denen wir andere Schwerpunkte setzen können. Vielen Dank!

    beabeste
    Antworten 16. Januar 2016

    Liebe Mutterseele, da rate ich sogar dazu! Das ist ein wunderbares Alter, um auch so etwas reflektieren zu können... Bin gespant, was sie sagen!

Hanna
Antworten 16. Januar 2016

Euere Anmerkungen sind ja irgendwie cool. Und spannend, dass ihr zum gleichen Punkt kommt, dass ihr gerne mehr Zeit zusammen gehabt hättet. Hier in der Familie ist das bei den Großeltern auch ein großes Thema und etwas, was sie ihren Kindern immer und immer wieder sagen.

Die Jess
Antworten 16. Januar 2016

Meine Tochter iSt jetzt 12, fast 13 Hagre, wir haben auch ein sehr sehr inniges Verhältnis. Sie War auch erwünscht aber nicht geplant und auch ich habe mir geschworen sie das nicht spüren zu lassen Heute kann ich mit gutem Gewissen sagen dass es für mich dass perfekte Alter war. Ich hab heute glaub ich Viel mehr Verständnis was Pubertät und Veränderungen angeht weils bei mir noch nicht so ewig her ist. Ich mach viele Dinge anders als meine Mama, auch das hab ich mir geschworen. Ich wünsch mir trotzdem mehr Zeit zu haben und n Tick konsequenter zu sein. Wobei ich sagen muss, sie nutzt nichts irgendwie schamlos aus. Ich hab ihr auch von klein an immer gesagt, dass ich sie liebe egal was auch ist. Sie ist extrem hochsensibel, setzt sich für kleinere ein und ist total empathisch, das macht mich sehr stolz. Selbstverständlich gibt's auch das ein oder andere gezicke, dann lass ich sie für einen Moment komplett in Ruhe und warte bis eine der pubertären Baustellen im Kopf, wieder gerade gerückt ist. 😉
Werd sie heut auch mal fragen was bis jetzt gut war, und was sie sich von mir wünscht.

    beabeste
    Antworten 16. Januar 2016

    "Die pubertäre Baustelle im Kopf" - herrlich. Ja, wir haben auch ein ekeliges halbes Jahr mal gehabt, Carina und ich, genau als sie 12 1/2 war. Ging vorbei! Ich glaube, am wichtigsten ist dem Kind klar zu machen, das man es liebt - egal was. Es kommt schon an.

Christiane Krämer
Antworten 16. Januar 2016

Ich liebe Dein blog ♥ Er ist mir so oft eine Inspiration. Und der Text hier macht mir auch total Lust auf die Zukunft, wenn meine Kinder groß sind, auch wenn ich die Zeit mit den beiden "Kleinen" (4 + 6) sehr genieße. Ich finde, Ihr seid ein tolles Team, Ihr zwei. Und dass Ihr so miteinander reden könnt, Euch traut, diese Dinge beim Namen zu nennen, zeigt schon, wie nah Ihr Euch seid. Das können nur wenige. Ich hoffe, Ihr könnt Euch das immer bewahren.

    beabeste
    Antworten 16. Januar 2016

    Vielen lieben Dank, das tut sooo gut! Ich wünsche euch auch, dass ihr ganz nah beieinander seid!

Andrea
Antworten 1. Februar 2016

Wunderbare Idee, tolle Umsetzung. Eigentlich wie immer hier <3

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