5 Dinge, die ich am Schulsystem kritisiere


Vor Kurzem habe ich euch meine Sammlung, warum ich dankbar um die Schule bin, veröffentlicht. Nun lenke ich den Fokus und teile mit euch 5 Dinge, die ich am Schulsystem kritisiere.

Nein, ich möchte nicht einfach nur nörgeln und Dampf ablassen. Dieser Beitrag soll keine Hasstirade auf die Schule sein. Zwischen uns gibt es kein böses Blut. Dennoch versuche ich meinen Standpunkt, nachdem ich nun seit 6 Jahren aus der Schule raus bin, von oben herab zu betrachten. Für einiges bin ich dankbar, für anderes aber auch nicht. Hier meine Top 5.


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5 Dinge, die ich am Schulsystem kritisiere:

1. Sexualunterricht

Beginnen wir mit dem Klassiker – der gute alte Sexualunterricht. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, denn ich habe wirklich eine Menge zu kritisieren. Aber was mir schon damals aufgefallen war, war die Tatsache, dass wir nur heteronormativen Geschlechtsverkehr besprachen. Keine Risiken von sexuell übertragbaren Krankheiten bei homosexuellen Männern oder Frauen. Keine Aufklärung über Asexualität. Und eine noch sehr veraltete Erklärung über das berühmte Jungfernhäutchen…Ich merke, dass ich abschweife, deshalb schreibe ich demnächst mal einen eigenen Beitrag darüber. Aber was ich abschließend über den Sexualunterricht in der Schule sagen kann, ist, dass er eindimensional und viel zu schematisch ist.

2. Feminismus wer?

Ja, auch über den Feminismus wird in den Schulen viel zu wenig diskutiert. Als Jugendliche hatte ich ein sehr stigmatisiertes Bild über Feminist*innen – Achselhaare bis zum Boden und einen chronischen Hass auf Männer. Natürlich stimmt das nicht. Intersektionale Feminist*innen können Plüsch und Rosa tragen, und setzen sich für die Gleichberechtigung aller Menschen ein. Im Unterricht hatten wir zwar Nelson Mandela und Gandhi, aber keine aktuellen (und vor allem weiblichen) Feminist*innen. Ich finde die Bedeutung von Feminismus so wichtig, dass er unbedingt in der Schule behandelt werden sollte.

3. Fehlende Förderungen für Menschen mit Migrationshintergrund

Nein, wir sind nicht alle gleich. Und doch werden wir gleich behandelt – als ob es keine Unterschiede zwischen uns gäbe. Doch als ich aufs Gymnasium kam und feststellte, dass ich die einzige schwarze Person mit Migrationshintergrund aus meiner Klasse war, wurde mir auch klar, dass es scheinbar niemanden interessierte. In der Schule wurde ich nie sprachlich gefördert, genauso wenig wie viele andere, die Eltern hatten, die keine Muttersprachler*innen waren. Die meisten kamen auf Real oder Hauptschulen. Auch ich musste nach der achten Klasse Gesamtschule wechseln, weil mir der Stoff zu viel wurde. War es, weil ich dümmer war, als die anderen? Das dachte ich lange. Heute weiß ich, dass für mich und meine deutschen Mitschüler*innen nicht dieselben Regeln galten. Ein riesiger Fehler im Schulsystem.


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4. Psychische Krankheiten – Was ist das?

Natürlich kann mein Lieblingsthema auch nicht fehlen: psychische Krankheiten. Ja, es gibt sie, aber viele wissen nichts davon. Warum? Weil nicht darüber geredet wird. Bis heute fällt mir auf, dass viele (junge) Menschen, mit denen ich rede, ein sehr stigmatisiertes Bild von psychischen Krankheiten haben. Essstörungen werden als „Phase“ oder „Trend“ gesehen, Depressionen haben die „Emos“, die zu viel Deprimucke hören, und selbstverletzendes Verhalten ist einfach nur „eklig“. Kein Scherz, das sind manchmal die Antworten. Jedoch sind auch Jugendliche nicht vor psychischen Krankheiten gefeit. Manchmal haben sie sie – und dann öffnen sie sich nicht. Weil sie wissen, dass sie entweder missverstanden oder überhaupt nicht verstanden werden.

Mein Vorschlag wäre deshalb, in der Schule darüber aufzuklären. Allerdings nicht nur schematisch („so funktionieren die Neurotransmitter“), sondern auch sozial. Wie geht es einem solchen Menschen? Wie fühlt er sich? Was sind die Symptome? Und dann ganz wichtig: Was kann ich als Freund*in tun? Wie verhalte ich mich? Was gibt es für Lehrer*innen und Schüler*innen zu beachten? Das wäre mir wirklich sehr wichtig. Empathie lernen – so wie es in Skandinavien gehandhabt wird. Dort gibt es nämlich Empathie als Unterrichtsfach!

5. Keine Vorbereitung auf den Ernst des Lebens

Ich weiß, dass sich schon viele darüber beschwert haben, aber ich finde es etwas absurd, dass ich weiß, wie eine Zelle aufgebaut ist, aber nicht, wie ich eine Steuererklärung bearbeite. Oder was bei einem Mietvertrag zu beachten ist. All diese bürokratischen Papierberge, die ich schon immer mit viel Hilfe abarbeiten musste. Der Ernst des Lebens hat mich unvorbereitet getroffen und ich war auf mich allein gestellt. Deshalb wünsche ich mir, dass auch praktische Dinge, die das allgemeine Leben betreffen, erwähnt werden.

Das waren meine 5 Dinge, die ich am Schulsystem kritisiere!

Natürlich gibt es noch mehr, das ich kritisiere, aber das würde den Rahmen sprengen. Das Wichtigste ist denke ich zusammengefasst. Was ich aber zum Ende hin noch sagen möchte, ist, dass ich nicht für die Allgemeinheit sprechen kann. Ich spreche aus meiner persönlichen Erfahrung und weiß sehr wohl, dass es durchaus Schulen/Lehrkräfte gibt, die sich bemühen, die soziale Komponente oder Ähnliches den Kids nahezubringen.

Abschließend noch einen letzten Punkt von Claudia Kirmes, die auch eine sehr wichtige Kritik geäußert hat:

Lernen Lernen

Alles gute Punkte – keine Frage. Alles Punkte, für die wir dankbar sind, dass unsere Tochter diese 5 mitbekommt/miterleben darf. Für mich fehlt aber noch das „Lernen lernen“ sowie das Thema „wie gehen wir miteinander respektvoll, achtsam und tolerant um“. Mich stört das Leistungsdenken – also immer noch diese Frage, wie bekommt man möglichst viel „Wissen“ in die Kinder hineingestopft. Im Leben geht es aber um so viel mehr. Das hat mir damals in meiner Schulzeit schon gefehlt und fehlt mir auch jetzt noch hier und da.

Was kritisiert ihr am Schulsystem? Gibt es etwas, das ihr ändern oder ergänzen würdet, wenn ihr könntet?

Liebe Grüße

Mounia

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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