Anmeldung zur weiterführenden Schule – Glücksspiel mit ungewissem Ausgang


Dieses Jahr hatte ich das zweite Mal das „Vergnügen“, ein Kind an der weiterführenden Schule anzumelden. In Berlin geht es (mit Ausnahme, einige Kinder gehen zur 5. Klasse auf das Gymnasium) zur 7. Klasse auf die weiterführende Schule.

Eine Mutter teilt hier mit ihre Erfahrungen zum Thema Anmeldung zur weiterführenden Schule:

Mein Gastbeitrag für euch beschäftigt sich nicht mit den unterschiedlichen Schularten, das könnt ihr alles im Internet googlen und nachlesen. Bereits Anfang der 6. Klasse bekommen die Eltern auch einen Schulwegweiser in die Hand gedrückt. Da sind die Schulformen erklärt und auch das Anmeldeverfahren wird beleuchtet.

Was will mein Kind? Was möchte ich für mein Kind? Was ist das Beste? Wie entscheiden WIR uns?

Die Schule hat natürlich auch ein Wort mitzureden und das schlägt sich in der Förderprognose nieder. Im Gespräch zwischen KlassenlehrerIn und Eltern wird detailliert erläutert, welche Schulform aus Sicht der Schule das Beste ist.

Dieser Gastbeitrag beschäftigt sich auch nicht damit, wie Eltern und Kinder diese wichtige Entscheidung gemeinsam treffen können.

Ja, worum geht es denn dann? Was schreibt sie denn nun hier?

Mir geht es um das Pokerspiel der Schulwahl, um Strategie und Taktik.

Das wird spätestens hinterher klar, wenn der Traum von der Wunschschule platzt: Erstwunsch, Zweitwunsch, Drittwunsch alles das kann man auf dem Anmeldeformular angeben. Klingt schön! Nur sind es Wünsche und Wünsche werden nicht immer erfüllt. So viel ist auch vorher klar.

Erstwunsch: Meistens ist dieser doch utopisch.

Der Erstwunsch ist eine Schule, wo lediglich eine geringe Chance besteht, aufgenommen zu werden. Durch Empfehlungen und den guten Ruf landen eben bestimmte Schulen bei vielen Familien als Erstwunsch auf der Liste. Jeder versucht es trotzdem, es geht schließlich um die Zukunft des Kindes.

Zweitwunsch: Ist eigentlich der realistische Wunsch.

Meistens keine überlaufene Schule, die sich die Rosinen aus den Anmeldungen pickt.

Drittwunsch: Etwas womit man einverstanden wäre.

Alle diese Schulen schaut man sich beim Tag der offenen Tür an und führt Gespräche. Nach Abgabe der Anmeldung dauert es Monate (Hier in Berlin gerade von Februar bis Ende Mai) bis der ersehnte Brief endlich ins Haus flattert.

Bei uns hat es mit der Erstwunsch Schule nicht geklappt, damit haben wir gerechnet und das besprochen. Der Zweitwunsch (in unseren Augen ein sicherer Kandidat) war auch überlaufen. Der Drittwunsch überfüllt. Meinem Sohn wurde ein Platz an einer Schule zugewiesen, mit dem ich nicht einverstanden bin. Das bedeutet nun, wir gehen in das Widerspruchsverfahren. Wie sicherlich viele andere Eltern in Berlin auch.

Nur muss die Anmeldung zur weiterführenden Schule unbedingt ein Glücksspiel um den Schulplatz sein?

Eltern haben doch keine Glaskugel, niemand weiß vorher, wie viele Kinder wo nun angemeldet werden. Wenn man den Erstwunsch nicht richtig setzt, dann nutzen Zweit- und Drittwunsch überhaupt nichts mehr. Denn an diesen Schulen werden ja auch nur die Erstwünsche berücksichtigt. Es sei denn man hat Glück, es gibt wenig Kinder in dem Jahrgang und nicht zu viele Erstwünsche für diese Schule.

Strategisch klug wäre es wohl, den Utopie-Wunsch wirklich abzuwägen und den realistischen Zweitwunsch auf den ersten Platz zu setzen. Das Risiko ist eben sehr hoch, dass sonst alle Wünsche platzen und das Kind auf irgendeine Schule gehen wird. Wer möchte das schon?

Anmeldung zur weiterführenden Schule als Russisch Roulette. Geht das nicht anders?

Wirklich den Kopf geschüttelt habe ich, als der Brief vom Schulamt kam und bei der Begründung zur Ablehnung vom Drittwunsch stand: An der Schule gibt es nur 75 Plätze. 76 Kinder hatten sie als Erstwunsch angegeben. 1 Kind wurde abgelehnt.
Da die betreffenden Eltern ein ebensolches Schreiben erhalten haben: Sie haben mein großes Mitgefühl.  Ich stelle es mir nicht so kompliziert vor, einen zusätzlichen Platz zu schaffen. Oder?

Mein Kind habe ich nun, trotz Widerspruchsverfahren, in der zugewiesenen Schule anmelden wollen. So ist wohl das Prozedere.

Der Anruf bei dieser Schule ergab: „Es tut uns leid, wir können nicht alle Kinder aufnehmen, die uns zugewiesen worden sind. Wir wissen auch nicht, wie sich das Schulamt das vorstellt. Wir werden Sie kontaktieren.“

Bis jetzt habe ich keine Ahnung, wo mein Kind nach den Sommerferien zur Schule gehen wird.

Vielleicht wäre das was: Strategische Berater für die Auswahl zur weiterführenden Schule. Gibt es das schon? Für alle Eltern, die für den Poker um die Schulplätze kein Händchen haben.

Dieser Beitrag ist nicht geschrieben, um zu jammern. Vielleicht kann ich dem einen oder anderen das Widerspruchsverfahren ersparen. Und vielleicht habe ich die Hoffnung, dass sich irgendwann dieses Anmeldeverfahren so gestaltet, dass Eltern nicht das Gefühl behalten, irgendwas aufs Spiel gesetzt zu haben.

Grüße an alle,

von einer Mutter aus Berlin, die gern auch eure Erfahrungen wüßte

P.S.

von Béa

Ich empfehle, auch als Schulgründerin, in diesem Fall das gleich Verfahren wie beim Blogbeitrag „Wie finde ich die richtige Schule für mein Kind?“Punkt 6: Der Auswahl auf die Sprünge verhelfen. Schreibt einen Brief, in diesem Fall zusammen mit eurem Kind. Es ist zwar eine egoistische Lösung des Problems, aber was helfen Reformen und Veränderungen, wenn sie zu spät für mein Kind sind? Danach kann ich mich immer noch engagieren, um Zustände zu ändern. Sorry für so viel Pragmatismus. 

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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1 Kommentare

Saskia
Antworten 10. Juni 2018

Auch wir haben die Anmeldung uur weiterführenden Schule - in NRW schon zur 5. Klasse und damit wie wir finden ohnehin viel uu früh - als sehr anstrengend und unbefriedigend erlebt.

Unser Sohn wollte und sollte auf die Gesamtschule. Das fand er selbst, das fanden wir und das fanden sämtliche Lehrerinnen, die ihn je unterrichtet haben. Er ist schlau, aber eher gemächlich in der Entwicklung und man kann Mitte der 4. Klasse noch nicht so ganz sagen, wohin er sich in den nächsten Jahren entwickeln wird.

Nun gibt es in unserer Stadt leider viel zu wenig Gesamtschulplätze. Das ist ebenso seit vielen Jahren bekannt wie der Umstand, dass der Geburtenjahrgang meines Sohnes ein starker Jahrgang ist. Doch die Politik steuert nicht ausreichend nach.

Ich könnte mich an dieser Stelle noch lange in Rage schreiben, lasse ich aber an dieser Stelle. Das End vom Lied: unser Sohn ist eunes von etwa 1000 (!) Kindern, die dieses Jahr in unsere Stadt nicht nur keinen Platz in ihrer Wunschschule, sondern überhaupt keinen Platz in der gewünschten Schulform erhalten haben! Etwa ein Drittel aller Kinder, die sich bei uns dieses Jahr um einen Gesamtschulplatz beworben haben, haben keinen Platz in einer Gesamtschule erhalten, weil es Stadtweit viel zu wenig Gesamtschulplätze gibt!

In jeder anderen Schulform bekommen alle Kinder einen Platz - vielleicht nicht in der pröferierten Schule, was auch schlimm sein kann, aber immerhin in der gewünschten Schulform.

Und dann geht‘s erst richtig los. Welche Schulform wäre das geringere Übel? Lieber das Gymnasium, wo ihm alle Möglichkeiten offenstehen, er aber evtl. derzeit überfordert ist und dann die Lust am Lernen verliert? Oder doch die Realschule, wo es ihm leicht fallen wird, aber ohne weiteren Schulwechsel kein Abitur möglich ist, sollte er später einmal studieren wollen?

VG Saskia

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