Das Teenagerzimmer – unendliche Unordnung? Unsere Erfahrungen zum Thema „Aufräumen“


Wer denkt, dass die Sache mit dem Kinderzimmer und der Ordnung später besser wird… naja. Viel Spaß. Das Teenagerzimmer kann eine Ärgernisquelle für viele Eltern sein. Oder auch nicht.
Unsere Kolumnistin mindfulsun hat wertvolle Ansichten dazu, finde ich:

„Solange du die Füße unter meinen Tisch steckst….“

Kennt ihr das noch aus eurer Teenagerzeit? Ich schon! Und was soll ich sagen, bei mir hat das nur eins bewirkt: Abschalten und Rebellion.

Wenn ich mir diese Aussage genau durch den Kopf gehen lasse, bedeutet sie heute für mich:
Ich als Mutter möchte, dass mein Kind das Zimmer aufräumt und nicht das Kind selbst.
Nicht meine Jungs haben ein Problem mit dem Zustand ihres Zimmers, sondern ich.

Früher sind mir auch manchmal Sätze rausgerutscht wie:
„Schau dir mal diesen Saustall an“!

Mit der Achtsamkeit und bewusst darauf achten, wie und was ich sage, gehört auch das der Vergangenheit an. Gerade für Teenager ist ihr Zimmer, ihr Reich. Ihr Rückzugsort, der Ort, an dem sie sich individuell entfalten. Das abwertend als Saustall zu bezeichnen, geht für mich nicht mehr.

Ja, ich würde in diesem Zimmer nichts finden. Meine Söhne schon, sie wissen, in welchem Haufen sie nach etwas suchen müssen.

Und warum habe ich es als Saustall bezeichnet? Weil es mich gestört und genervt hat!

Was ich daraus mitgenommen habe, habe ich für den Alltag übernommen. Für jegliche Tätigkeit, die nur mir wichtig ist, formuliere ich bewusst ein: „Für mich sieht das sehr unordentlich / schmutzig aus. Ich fühle mich damit nicht wohl und möchte dich bitten xy zu säubern oder aufzuräumen.“ Das ist für mich viel ehrlicher und ich wende das auch für Tätigkeiten an, die meine Jungs im Haushalt übernehmen sollen.

Hier habe ich für mich auch gemerkt und vielleicht kennt ihr das: Manchmal gehe ich in das Zimmer und in dem Moment nervt es mich so richtig. Oft genug, weil meine Nerven sowieso gerade blank liegen. Mein Sohn sitzt vielleicht am Rechner und spielt gerade und dann platzt die Mutter rein: „Mach das bitte, jetzt“!

Das gehört bei uns in die Vergangenheit. Es lag an mir, so genervt zu sein und es hat ja schließlich nicht gebrannt. Warum also soll mein Kind sofort aufspringen und meine Anweisungen befolgen? Weil ich das möchte? Hier habe ich gelernt zu reflektieren.

Ich habe mich also mit meinem Teenager hingesetzt und wir haben Regeln aufgestellt, gemeinsam! Dazu hatte ich ja schon geschrieben. Teil dieser Regeln ist das Zimmer. Und ich habe ihn gefragt, wie er sein Zimmer empfindet.
Hier wird bei uns nun unterschieden.

1. Hygiene ist nicht verhandelbar!

Essenreste, Geschirr etc. haben nichts auf dem Fußboden zu suchen und werden auch sofort aus dem Zimmer entfernt. Nasse Handtücher bleiben da nicht liegen, bis sich Biotope entwickeln und die Anzahl der Mitbewohner ins Unermessliche steigt.

2. Sauberkeit ist notwendig!

Hier haben wir gemeinsam einen Zeitplan entwickelt und aufgeschrieben, welche Dinge dazu gehören.
(Oberflächen abwischen, staubsaugen etc.)

3. Unordnung liegt im Auge des Betrachters!

Es gibt Dinge, die mir zwar nicht gefallen, die er gerne so hätte. Was für mich unordentlich ist, ist es für ihn nicht. Und das respektiere ich. Ob mir das nun gefällt oder nicht, spielt doch dabei keine Rolle. Meinen Bereich der Wohnung kann ich so gestalten, wie ich das gern möchte.

Wichtig war also bei uns: Wir haben darüber gesprochen und nicht ich habe alleine bestimmt.

Was mir noch wichtig ist, ich biete meinem Sohn auch Hilfe an. Ich kenne ihn doch auch, den kleinen Teufel Prokrastination. Also machen wir oft den Anfang gemeinsam, wenn das Chaos doch mal wieder die Oberhand gewinnt.

Ich sage ihm auch, wenn es mir auffällt, dass er Ordnung gemacht hat.
Für jede Tätigkeit im Haushalt bedanke ich mich.

Warum? Weil es leichter fällt und sicher jeder doch gerne Anerkennung hätte, statt Kritik. Und ich möchte, dass meine Söhne wissen: Ich sehe, was ihr tut.

Das Thema Wäschekorb: „Habt ihr Wäsche?“ „Nein!“

Und wenn dann die Waschmaschine läuft, füllt sich der Korb wie durch Zauberhand.
Warum mich darüber aufregen? Hier habe ich verschiedene Ansätze versucht und tue das bis heute.
Ich stelle den Wäschekorb in ihre Zimmer, wenn ich waschen möchte. Ich habe ihnen gezeigt, wie die Waschmaschine funktioniert und wenn sie dann unbedingt etwas bestimmtes anziehen, wissen sie, was sie tun können. Es gibt Tage und Wochen, da funktioniert es reibungslos und ihre Wäsche landet ohne Bitten im Korb.

Ich weiß, meine Jungs fühlen sich ab einem gewissen Zeitpunkt in ihren Zimmern selbst unwohl. Das war für mich ein guter Ausgangspunkt. Und ich habe gelernt zu reflektieren: Was liegt bei mir, was ist nur mir wichtig? Ich weiß auch, Veränderungen brauchen Zeit und auch Gewohnheiten etablieren, passiert nicht über Nacht. Ich weiß, es wird Tage geben, da läuft es nicht so gut.

All das hat es für uns einfacher gemacht in unserem: gemeinsam!

Wie ist das bei euch? Wie haltet ihr das mit den Teenager Zimmern und dem Aufräumen? Habt ihr schon mal reflektiert, was wirklich notwendig ist oder was vielleicht nur ihr gerne so hättet?

Eure
mindfulsun

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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