Über das Ende vom Po-Abwischen


Ich zucke zusammen. Mini ist zur Toilette gestampft, ich kenne nur zu gut das Klacken des geöffneten Klodeckels an den Fliesen. Ich erstarre förmlich. Ich hoffe auf ein baldiges freudig-listiges „Maaamiii“.

Aber: … Ruhe.

Dann nach einer ganzen Weile: die Wasserspülung.

Ja! Ich bin traurig! Etwas.

Oft lesen wir, dass die kindlichen Entwicklungsschübe im ersten Lebensjahr die größten und emotionalsten sind.

Da schlüpft so ein kleiner halber Meter. Der nichts kann. Der nur irgendwie weiß, dass er manchmal Hunger hat oder ein paar Winde im Bauch irgendwie unangenehm sind. Und plötzlich kann er zielgerichtet lachen, greifen, sitzen – vielleicht sogar schon laufen. Das alles innerhalb eines Jahres mitzuerleben ist eine große Faszination am Elternsein.

Dann plätschert die Entwicklung so in den folgenden Jahren vor sich hin.

Das Kind nabelt sich mehr und mehr von den Eltern ab, mag selbst die Welt erkunden, Freundschaften schließen. Erkennt den Unterschied von Gut und Böse.

Die Windel kommt irgendwann weg.

Beim Tisch decken hilft das Kind.

Kleidung such sich Mini selbst aus und er zieht sich selbst an.

Und wir Erwachsenen stehen da und staunen.

Mit Wehmut betrachten wir den kleinen Tropf, was er alles selbst machen will.

Wir helfen, wenn wir dürfen. Bei allem. Immer. Gern. Ok, nachts oder nach mehreren Tagen zuhause mit krankem Kind ist das leichter gesagt, als getan. Aber wir vergessen schnell unsere Kraftlosigkeit, unsere Müdigkeit, wir sind einfach da, wenn wir gerufen werden.

Kein freudig rufendes Maaamiii mehr?

Und dann – irgendwann wird einem bewusst, dass das oft auch mehrmals erklungene freudig rufende „Maaamiiii?“ wohl nie wieder von der Toilette durch die Wohnung schallen wird.

Dieses listig-lustige Rufen, welches mehrmals am Tag erklang. Bei dem die ganze Familie sich immer über soviel Freude in diesen zwei Silben gefreut hat.

Denn: Ja! Unser Mini putzt sich jetzt allein und ohne große Überredung und Übung den Po nach dem großen Geschäft selbst ab.

Das Alter spielt hier gar keine Rolle.

Das Wichtige ist, dass er es ohne Stress unsererseits einfach gemacht hat. Ganz still und heimlich, nur er und das Badezimmer. Und danach hat er sich sogar noch die Hände gewaschen!

Ich beobachtete nur, verlor kein Wort darüber.

Ich schaute auch nicht nach, ob alles picobello sauber ist. Diesen kleinen Wahnsinns-Erfolg wollte ich nicht zunichte machen.

Denn am Abend wurde gründlich geduscht – das musste reichen.

Wir haben es nie nicht gemocht. Ich habe das gern gemacht. Die letzten 12 Jahre eigentlich durchgehend. Und nun?

Fehlt mir/ uns etwas?

Ja! Dieses „Maaamiii?“ oder ausnahmsweise bei spezieller Laune auch mal „Paaapiii?“ wird uns fehlen.

Wir werden es vermissen.

Alle.

Warum?

Weil damit wieder ein kleiner Teil Mini-heit abgeschlossen ist. Neben all den vielen anderen Dingen, die bereits abgeschlossen wurden, ist das ein kleines Puzzlestück zur Selbstständigkeit des Kindes. Ein kleiner Erfolg, der ihn wachsen lässt.

Vertraut in das Können eurer Kinder, in den Wunsch nach Selbstständigkeit. Unterstützt sie und begleitet sie.

Alles Liebe,

Eure Yvonne

 

Kurze Anmerkung:

Alle meine Kinder waren ganz unterschiedlich alt, als sie trocken wurden, auch nachts trocken wurden. Alle putzten sich zu unterschiedlichen Zeiten den Popes ab.

Alle waren einfach bereit für diesen Schritt. Und das ist gut so!

Yvonne Petzke
About me

Berliner Mom of 3 * Sport (Marathon) * Reisen * Natur * Mode * Beauty * * Aktuelles und Persönliches über mich und mein Leben findet ihr auf Instagram unter @yvonne_tollabea

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