Als ich zum ersten Mal keine richtige Mutterliebe mehr spüren konnte – Akute Belastung und Trauma


Als Mutter keine richtige Mutterliebe mehr spüren können, gibt’s das?  Wir haben einen Gastbeitrag bekommen und würden gern wissen, ob jemand von euch so etwas schon mal erlebt hat… Hat jemand von euch als Mutter nichts mehr fühlen können?

Eine anonyme Mutter schreibt: Akute Belastung – Trauma – die Kinder

<< Wenn ich diese Worte noch fühlen könnte, würde ich sie wohl nicht schreiben. Dann hätte ich zu viel Angst diesen Artikel öffentlich zu machen.

Aber ich fühle nichts mehr und deswegen sind diese Worte für mich nur leer, nur aneinandergereihte Buchstaben, die eine Situation beschreiben.

Warum ich sie schreibe? Das weiß ich selbst nicht genau, aber ich glaube mein Verstand möchte den Punkt festhalten, an dem ich zum ersten Mal keine richtige Mutterliebe mehr spüren konnte. Der Moment, in dem aus mir ein Roboter wurde, ein funktionstüchtiger Mutter-Zombie.

Akute Belastung nach seelischem Trauma sagt der Therapeut. Aha.

Ich höre es, aber verarbeiten kann ich es nicht. Ich bin nicht mehr richtig ich. Ich fühle nichts mehr. Da sind nur noch Taubheit und Stumpfheit und ich funktioniere. Wie ein Roboter ziehe ich durch den Tag und versorge die Kinder. Ich weiß, es sind meine Kinder und ich bin die Mutter aber zum ersten Mal im Leben überwältigt mich nicht das Gefühl der Mutterliebe.

Ich muss sie versorgen, sie gehören zu mir. Dessen bin ich mir durchaus bewusst. Mein Verstand arbeitet ja noch. Mehr ist da gerade nicht.

Der Therapeut ist überzeugt, ich kann den Alltag schaffen und wir starten in eine ambulante Traumatherapie. Wie das klingt. Den Kindern sollte ich es erklären, sie merken ja, ich bin anders geworden.

Ohne das Wort Trauma zu erwähnen, versuche ich sachlich den Zustand zu beschreiben und das ich daran arbeite. Meine Kinder sind nicht mehr klein und das macht es einfacher:

„Mama, bist du jetzt eine Soziopathin oder eine Psychopathin?“

Nun gut. Die Erklärung schien nicht ausreichend. Also von vorn.

Wir haben uns jetzt arrangiert.

Sie wissen Bescheid, auch darüber, dass mir manchmal die Geduld fehlt, weil mein Körper im Ausnahmezustand ist. Sie wissen, ich bin sehr müde. Sie wissen, ich schütte mich jetzt mit Arbeit zu, um zu fokussieren. Mir hilft das, um nicht in die Dissoziation abzurutschen oder panisch zu werden, wenn sich die Erinnerungen und der Schmerz einen Weg an die Oberfläche bahnen.

Manchmal kommt der seelische Schmerz und manchmal weine ich, manchmal ist fast nie. Aber das sind die Momente, wo die Kinder sehen: Mama existiert doch noch, irgendwo da drin.

Ich versuche viel Zeit mit ihnen zu verbringen, mit ihnen zu reden. Das kostet mich all meine Energie aber ich weiß, sie brauchen ihre Mutter. Ich kann sie jetzt nicht mit Liebe überschütten, aber da sein. Mehr geht gerade nicht. Der Theraput hat alles im Blick und hat mir erklärt, dass ich keine Gefahr für meine Kinder bin. Das war mir wichtig!

Aber: Ich bin eine Fremde für mich selbst.

Und mein Verstand sagt mir: Werde keine Fremde für deine Kinder!

Ich kann es nicht fühlen, aber ich weiß es.>>

Hat jemand von euch je so eine Situation gehabt? Gibt es Erfahrungen?

Liebe Grüße,

Béa

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Photo by Steinar Engeland on Unsplash

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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1 Kommentare

auf_leisen_sohlen
Antworten 2. Mai 2018

Ich hab ein ähnliches Gefühl im ersten Lebensjahr meines Sohnes erfahren. Bindung und Nähe hatte sich aufgrund vieler Umstände nicht so recht aufgebaut. Oft war ich sehr erschöpft und das Mutter sein erdrückte mich. Ich wollte mein altes Leben zurück.
Ich mache dazu auch eine Therapie und es wird Anpassungsstörung und Erschöpfungssyndrom genannt. Mittlerweile habe ich aber auch den Weg zu meinem Kind gefunden. Vor allem die Tatsache, dass ich ihn in die Krippe gegeben habe brachte neue Gefühle. Zum Einen kam plötzlich und endlich ein richtiger Trennungsschmerz hervor. Nicht nur bei mir, sondern auch bei meinem Kind. Bindung war wohl doch vorhanden. Zum anderen gab die Zeit morgens mir die Gelegenheit mal wieder Luft zu holen.
Es bleibt eine gewissen Angst, dass dieser schwere Start auch beim zweiten Kind so erfolgt, aber das wird wohl sowieso ganz anders werden.

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