Teenie-Rebellion? – Ich hatte meine Pubertät erst mit Anfang 20


Über Teenager sagt man oft das Gleiche: Hungrig, launisch, zickig, rebellisch. Diese Erfahrung hatte ich allerdings, nicht, denn bei mir blieb die Pubertät die ganze Teeniezeit über aus und holte mich erst Jahre später ein.

Jeder Mensch ist individuell, und doch gibt es während der Entwicklung des Menschen etliche Parallelen. Ab einem bestimmten Alter beginnen die meisten zu laufen und zu sprechen. Irgendwann bekommen sie eine Trotzphase (Béa findet das Wort „Trotzphase“ besser als „Autonomiephase“, weil Autonomie ist das Ziel des Erwachsenwerdens, nicht irgendwas zwischendrin), weil  und ein paar Jahre später wieder eine, die sich Pubertät nennt. Bei mir war die Reihenfolge allerdings etwas anders.

Ich hatte keine Pubertät.

Natürlich veränderte sich mit der Zeit mein Körper. Aus biologischer Sicht befand ich mich ab den Alter 12, 13 in einem kontinuierlichen Wandel. Meine Statur änderte sich – ich wurde größer und „geformter“. Mein Tagesbedarf stieg um das Doppelte an und warum eine Party gefeiert wurde, weil ich meine Periode bekam, wisst ihr ja schon. Auch ähnelte mein Schlafrhythmus eher einer Eule als einem Menschen. Meine Augenringe, nebenbei bemerkt, auch…

Doch aus emotionaler Sicht, aus rebellischer Sicht, blieb die Pubertät aus.

Denn wofür die Pubertät noch berühmt ist, ist die Rebellion des Kindes. Eine äußerst wichtige Entwicklung, in der das Kind eine Art Selbstentwicklung macht. Das Kind tritt in die zweite Autonomiephase, testet seine Grenzen und provoziert ganz schön. Zudem entdeckt es einen neuen Style, vielleicht sogar neue Freunde und einen neuen Sprachjargon.

In meinem Fall blieb diese Phase wie gesagt aus. Ich war weiterhin die Brave, die keinen Unsinn trieb. Ich testete keine extravagante Kleidung aus, ich erhob meine Stimme nicht gegen meine Eltern und tat weiterhin, was sie mir sagten. Ich wollte sie nicht enttäuschen und ihnen auch keinen Grund dafür liefern. Ich wollte schlicht und einfach die perfekte Tochter sein. Woher dieser Wunsch rührte, hat verschiedene Gründe. In jener Lebensphase war es mir besonders wichtig, für meine Eltern da zu sein und sie zu unterstützen.

Doch was im ersten Moment vielleicht als Eltern-Segen klingt, hatte seine dunklen Schattenseiten….

Ich vertraute mich nicht mehr meinen Eltern an.

Alles, was mich beschäftigte, brodelte in mir, ohne dass es ans Tageslicht kam. Hatte ich Liebeskummer, kam ich nicht zu ihnen. Hatte ich Streit, kam ich nicht zu ihnen. Oftmals log ich sogar, um die Fassade aufrechtzuerhalten. Ich wollte um jeden Preis verhindern, dass meine perfektionistische Phase zu bröckeln begann.

Ich lernte auch nicht, meinen Willen durchzusetzen.

Wenn ich meine Eltern um etwas bat und die Antwort nein lautete, widersetzte ich mich nicht. Egal, wie traurig ich darüber war, ich akzeptierte die Entscheidung. Es gab kein Geschrei, keine Rebellion, kein heimliches Herausschleichen. Aber auch keine richtige Demokratie.

Irgendwann holte mich die „Pubertät“ wieder ein.

Jahre später fiel mir die Decke auf den Kopf. Ich war es leid, immer nur das Richtige zu tun und das Richtige zu sagen. Also rebellierte ich – aber nicht Anfang 12, sondern Anfang 22! Ich war im Grunde schon längst erwachsen, doch ich brach wie ein Vulkan aus.

Ich wurde fies und beleidigend. Ich antworte grundsätzlich unhöflich, ignorierte Bitten und tat, was mir lieb war. Ein einziges Mal klaute ich sogar Pinienkerne von Penny – nicht gerade eine unverzeihliche Straftag, aber ich hatte es eben gründlich satt, perfekt zu sein und immer das Richtige zu tun.

Meinen Eltern war diesen Verhalten natürlich überhaupt nicht recht. Nicht nur, dass wir ständig im Streit hatten, für sie fühlte es sich auch so an, als hätten sie mich verloren.

Und doch brauchten wir alle diese Pubertät.

Ich, um auszubrechen und meine Eltern, um loszulassen. Ich war zwar ihr Kind, aber ich war auch erwachsen und hatte einen eigenen Kopf. Unsere Interessen stimmen nicht mehr überein, genau wie unsere Gemüter. Ich bin nicht perfekt, vielleicht war ich das auch nie. Und jetzt, da wir das alle wussten, hatten wir die Möglichkeit, einander kennenzulernen. Meine Eltern kannten mich nämlich überhaupt nicht mehr. Ich kannte mich ja selbst kaum noch.

Endlich haben wir wieder ein besseres Verhältnis.

Nachdem ich die Zeit hatte, um auszubrechen, konnte ich mich meinen Eltern wieder annähern. Sie hatten derweil genügend Zeit um sich an die neue Mounia zu gewöhnen. Im Grunde bin ich ja immer noch die selbe – nur eben erwachsen und eigenständig.

Wie habt ihr die Pubertät eurer Kinder oder eure eigene erlebt?

Liebe Grüße,

Mounia

Mounia
About me

Ich - 25 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten.

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1 Kommentare

Michaela Stephan
Antworten 10. Oktober 2019

Die Pubertät sucht sich ein Ventil... meine Tochter war extrem brav, strebsam, erwachsen, kontrolliert... und hat dann aus Kontrollsucht eine Anorexie entwickelt. Laute Musik, Partys und Türen knallen wären mir lieber gewesen....

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