Unruhige Kinder am Esstisch – was können Eltern tun?


Wir lieben sie heiß und innig, doch manchmal rauben sie uns den letzten Nerv: Unsere Kinder! Und gerade beim gemeinsamen Abendessen, das auch für uns einen schönen Tagesausklang darstellen soll, ist es nervenaufreibend, wenn es Ramba-Zamba gibt. Eine Mutter hat sich an die Tollabea Community gewendet mit dieser Frage… 

Sie schrieb:

„Es geht um das gemeinschaftliche (Abend-)essen. Normalerweise sollte es ja eine der schönsten Zeiten zusammen als Familie sein, aber bei uns ist es seit einiger Zeit einfach nur noch der blanke Horror. Unsere Tochter (fast 4) macht nur noch Quatsch beim Essen – dass mal was runterfällt beim Essen, ist wirklich kein Problem für uns, aber sie macht es absichtlich. Dann steht sie während des Essens einfach auf, obwohl sie noch nicht fertig ist… Sie stellt sich auf den Stuhl, turnt rum etc. Bei uns darf selbstverständlich auch geredet werden. Wenn aber mein Mann und ich mal im Gespräch sind, fängt sie an, Lieder zu „brüllen“. Dann stopft sie sich den Mund mit Essen voll… Hämmert mit dem Besteck auf den Tisch…

Ich weiß nicht, was noch alles. Natürlich unterbinden wir das alles immer sofort, aber es hat schon lange kein entspanntes Essen mehr stattgefunden, weil wir dann wirklich pausenlos mit Ermahnen beschäftigt sind. Wenn sie mit dem Essen fertig ist, darf sie aufstehen, sie muss nicht warten, bis wir alle fertig sind und sie muss auch nicht aufessen, wenn sie keinen Hunger mehr hat. Wenn sie aufsteht, sagen wir ihr auch, ok, dann kommt dein Teller jetzt weg, dann scheinst du ja satt zu sein. Da protestiert sie dann immer und sagt, sie will noch essen… Das klappt dann genau 1 Min und dann macht sie den nächsten Blödsinn. Was können wir tun?“

In der Tollabea Community wurden viele Meinungen zu diesem Thema geäußert, die unterschiedlichen Erziehungsrichtungen entsprechen. Doch vorneweg haben viele Eltern empfohlen, einer Frage nachzugehen:

WARUM? Welchen Grund hat es auf sich, dass Kinder so unruhig sind?

Diesem Ansatz geht auch Eva Starck-Ottkowitz nach: „Erstmal nach dem ‚Warum‘ suchen. Fühlt sie sich zu wenig beachtet? Denkt sie, dass sie so die Aufmerksamkeit auf sich ziehen muss?“ Dazu gibt es eine Spannbreite an Antworten. „Schon zu müde und deshalb überdreht? Uhrzeit ändern?“, kommt es von Lynn Alaui-Beckers.

Oder langweilt sich das Kind, weil es Nichts versteht und sich anderweitig beschäftigen will? „Ich würde die ‚Erwachsenengespräche‘ auf nach dem Essen vertagen und versuchen dieses neue Ritual, das sich nun eingespielt hat (stören), zu unterbrechen. Ich kenne das – Es ging aber wieder vorbei. Es war für uns ein Signal, dass das Essen zu spät und zu lange war. Heute machen wir es anders und nun ist es stressfrei“, so Silke Salkic.

Es gibt aber auch andere Lösungsansätze:

1. Strenger vorgehen: Konsequenzen aufzeigen und durchziehen

Es gibt viele Eltern, die sich ein solches Verhalten nicht gefallen lassen wollen. Um das gleich vorweg zu nehmen: Den strengen Eltern ging es nicht um Bestrafung, sondern um Konsequenzen. Sie schlagen vor: Ankündigen, dass ein Verhalten, das andere stört, Konsequenzen hat und dass die Erwachsenen nicht bereit sind, dies zu tolerieren. Allerdings ist es so, dass angekündigte Konsequenzen auch durchgesetzt werden müssen: „Ganz wichtig: Bei jeder ‚Drohung‘ die du machst, musst du bereit sein, auch tatsächlich durchzugreifen, sonst nimmt dein Kind die doch nicht für voll.“, schlägt Claudia Flader vor. Und wie Kim Knut noch ergänzt: „Am besten vor dem Essen klar machen, dass der Teller weggeräumt wird und die Regeln damit festgesetzt sind.“

Achtung allerdings bei kreativeren Konsequenzen: Nicole Krauthäuser hat sich die lustige Idee einfallen lassen, ihrer Tochter den Stuhl wegzunehmen, wenn diese beim Essen aufsteht: „Mittlerweile ist sie 7 und läuft nicht mehr rum, aber sie isst im Stehen. Das klappt ganz gut.“  Für die Familie passt es, anderen könnte das weniger gut gefallen. Außerdem: Methoden wie „Besteck wegnehmen“ könnte eher in die andere Richtung gehend damit enden, sich am nächsten Tag neue Wandfarbe und einen Teppichreiniger zu besorgen…

2. Ignorieren statt kommentieren

Nach dem Prinzip „Beachtung bringt Verstärkung“ rät uns Laura Lach: „Vielleicht könnt ihr das Verhalten wirklich mal ganz ignorieren, bzw. ihr ggf. einfach die gefährlichen Dinge kommentarlos abnehmen und sonst so tun, als störe es gar nicht. Ich meine nicht sie zu ignorieren, aber das Verhalten, was euch so piekst!?“

3. Das Abendessen gemeinschaftlich gestalten

Der Einfall von Nicole Schütz, das Essen gemeinsam vorzubereiten, könnte einerseits eine gemeinsame Zeit beim Kochen einbringen, andererseits helfen, dem Kind Anweisungen zu geben, die es befolgt. So lernt es wie beim Zubereiten der Produkte, was zu viel ist und was nicht. Außerdem könnte es eine bessere Verbindung zum Elternteil bezwecken, dass dazu führt, gehört und geachtet zu werden.

4. Vorher Quatsch machen, danach ruhig essen!

So rät Melanie Frankenstein: „Ich würde mir vor dem Essen Zeit nur für sie nehmen, mit ihr Quatsch machen und sie vom Tag erzählen lassen, dadurch ist erstmal die überschüssige Energie etwas abgebaut und sie hatte deine volle Aufmerksamkeit. Vor dem Essen würde ich sie einmal daran erinnern, dass es jetzt essen gibt und sie bitte sitzen bleiben soll bis sie fertig ist.“

5. Einfach abwarten: Kommt Zeit, kommt Rat

So sagt Jenny Wegner: „Das Kind versucht Aufmerksamkeit zu bekommen und wird dafür bestraft, indem es nicht mehr bei ihren Bezugspersonen sein darf. Sowas nennt man Liebesentzug. Wenn ein Erwachsener das Gefühl hat, dass mein Kind mich stört, ist das ein Problem des Erwachsenen, nicht des Kindes. Warum also das Kind bestrafen? Kinder haben, genauso wie wir, das Recht auf eine freie Entfaltung!“

Jessica Van de Sand hat ebenfalls eine lockere Einstellung dazu. „Hier wird auch gekaspert beim Abendessen und zwar alle zusammen! Die Große (3 J.) rennt zwischendurch auch mal raus und macht was anderes, na und, soll sie doch.“

6. Verspielt rangehen – Der tolla Ansatz

Und hier hätten wir auch ein paar tolla Ideen, die wir in der Redaktion gesammelt haben: „Was ist so schlimm daran, Spaß beim Essen zu haben? Was ist so furchtbar daran, dass sie aufsteht?“, fragte Falla Laa und da waren wir schon voll dabei, als ewige Kinder. Also: Wie wäre es mit einem unkonventionellen Abendessen? Was spricht dagegen, mal einen Abend gemeinsam in der Küche zu stehen, am Herd zu essen und eine kleine Küchenparty zu veranstalten? Oder mit einer Picknickdecke auf dem Wohnzimmerboden eine ausgelassene Stimmung zu verbreiten? Oder wir lassen das Besteck ganz sein und es gibt einen Tag lang Finger Food. Auch mal Pizza vor dem Fernseher wäre aus unserer Sicht völlig OK. Es könnte den Druck aus der aufgestauten Situation nehmen und Eltern und Kinder auf eine gemeinsame Ebene stellen… weniger schimpfen, mehr spielen!

Eine weitere Idee wäre, das Essen an einen anderen Ort außerhalb des vertrauten Heims zu verlegen. Restaurantbesuche könnten helfen, sich in der Öffentlichkeit etwas gesitteter am Esstisch zu verhalten… oder sich zu anderen lieben Freunden zum Abendessen zu begeben. Klar besteht dort immer das Risiko, vor anderen Menschen „blamiert“ zu werden, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Und warum nicht auch gemeinsam albern sein? „…mitmachen. Auch auf den Stuhl stellen, Lieder brüllen etc.“, rät Eva Stark Ottkowitz. Auch wir finden, dass ein bisschen Spaß und Ausgelassenheit für ein besonnenes Klima sorgen könnte.

Dennoch bitte nicht vergessen: Es sind noch Kinder!

Wir hatten 10, 15, 20, 30 Jahre lang Zeit, unser Verhalten und Wissen so anzueignen, wie es jetzt ist. Kinder fangen bei null an und müssen ziemlich viel auf ein mal lernen. Das ist oft eine sehr stressige Zeit für Eltern, die einen schon mal an den Rand der Verzweiflung bringen kann. Aber mit viel Geduld und Kraft wird auch das möglich sein.

Also: Augen schließen, tief durchatmen und dann nachdenken. Wie will ich reagieren? Wie will ich vorgehen? Und wie will überhaupt die Tischsitten gestalten? Hier hatten wir schon vor einiger Zeit sehr viele Anregungen.

Was „richtig“ oder „falsch“ ist, kann man schwer sagen, da sowohl Eltern, als auch jedes Kind in seiner Einzigartigkeit individuell ist. Wichtig ist nur, auf keinen Fall (sowohl verbal, als auch körperlich) als Erwachsener aggressiv zu werden. In der Entwicklungsphase ist das Letzte, was ein Kind braucht, ein Trauma zu erleiden, weil es beim Tisch Quatsch gemacht hat. Auch das Essen verbieten, finden wir nicht sinnvoll, obwohl es oft erwähnt wurde.

Und das Schlusswort dazu überlassen wir Melanie Schlieper, die zur eigenen Entspannung rät: „Ich finde dieses zwanghafte ‚das muss eine der schönsten Zeit zusammen mit der Familie sein‘ ganz furchtbar. Wenn man sich sowas vornimmt, wird’s meist sowieso nichts. Ich würde erst mal keinerlei Ansprüche an das Abendessen stellen und mich aufs Essen und Erziehen konzentrieren. Notfalls muss das Kind mal ne Weile allein essen…“ 

Und, wie denkt ihr darüber? Haben wir noch etwas Wichtiges vergessen?

Mounia
About me

Ich - 24 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten. Und durch ein Praktikum bin ich nun bei Tollabea gelandet und werde hoffentlich weiterhin viel lernen und den Blog damit erweitern. :)

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2 Kommentare

Andrea
Antworten 12. September 2017

Meine Meinung zu dem Thema:

http://mit-kindern-reifen.de/hilfe-mein-kind-ist-so-unruhig/

helga
Antworten 9. Januar 2019

Tolle Tipps zum Essen am Tisch! Unruhig sind die meinen nicht nur zu Hause, sondern auch in dem Kindergarten. Gegen Beulen würde ich noch die richtige Form der Tischplatte hinzufügen. Sowohl die Höhe, als auch die gerundete Form des Tisches ermöglichen das richtige Verhalten am Tisch beim Kind zu fördern. In unserem Kindergarten hat man sogar mit den Kindern dazu ein Restaurant gespielt. Das Spiel hat alle begeistert!

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