Verdammt, schon wieder Zeugnisse! Die Not mit den Noten seitens einer Lehrerin


Schon am zweiten Tag des Jahren möchte mein Co-Autorin Steph Jansen (Lehrerin, Schulleiterin und dann wieder Lehrerin – nun an einer Waldorfschule s.u.) mit euch über Zeugnisse reden… und über Zensuren. Und Noten:

Dies ist ein leidvoller Aufschrei, denn ich hasse es Zensuren geben zu müssen.

Wer von euch Béas Blog regelmäßig liest, weiß vielleicht, dass ich Waldorflehrerin bin und auch Waldorfschülerin war.


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Wer jetzt aber glaubt, dass prinzipiell gegen Zensuren bin, denkt nur schwarz-weiß.

Als Schülerin habe ich nach Zensuren gelechzt. Und es hat mich verrückt gemacht.

Einmal im Jahr einen Kommentar für die ganze Arbeit fand ich unfair und dass meine Lehrer es schafften, mir mit wenigen Sätzen den Spiegel so vorzuhalten, dass ich ihnen Recht geben musste… Nun, das hat mich fast in den Wahnsinn getrieben.

Jetzt sitze ich auf der anderen Seite dieses Stück Papiers und muss für unsere Qualifikationsklasse Zensuren zum Halbjahr geben und ich könnte heulen. Versteht mich nicht falsch, ich habe keinen Schüler und keine Schülerin, die in „Gefahr“ ist, aber einfach eine 2 oder 2- oder 3+ auf ein Stück Papier zu geben reicht mir nicht.

Das hat mehrere Aspekte:

1. Egal wie objektiv ich versuche zu beurteilen, es bleibt immer eine Unschärfe. Und wer behauptet, dass Zensuren das beste Mittel für Vergleichbarkeit ist, hat noch nie eine Arbeit aus den sprachlichen oder sozialwissenschaftlichen Fächern korrigiert…


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2. Drei Schüler und Schülerinnen können eine 2 haben, aber aus sehr, sehr, sehr unterschiedlichen Gründen. Der eine hat mehr Punkte im sprachlichen Bereich, die andere mehr im Inhalt. Das sind zwei grundlegend verschiedene Qualitäten, werde aber über Zensuren einfach platt gewalzt.

3. Woche für Woche produzieren (zumindest die meisten) schriftliche Aufgaben oder bereiten sich mündlich vor und auch wenn ich versuche immer ein adäquates Feedback zu geben, alles was sie am Ende von mir bekommen ist eine Ziffer, die einer mathematischen Formel entspringt.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch Menschen, die brauchen einfach eine Zahl auf einem Zahlenstrahl.

Sie brauchen eine Zahl, die eher Richtung 1 oder Richtung 6 tendiert, um Klarheit über ihre Leistungen zu haben.

Glücklicherweise ist das nicht für alle Klassen so, sondern ich habe auch noch das klassische Schreibmodell.

Aber weder die eine noch die andere Lösung als ausschließliches Modell finde ich hilfreich. Und überhaupt ist der Gedanke, ein oder zweimal ein Zeugnis zu schreiben, altes Denken. Es gibt auch bestimmt auch andere Ansätze, aber die sind dann vermutlich nicht mit dem Schulrecht konform.

Also haben ich mich über die Weihnachtsferien hingesetzt und versuche gerade eben noch jede Leistung und jede Teilnahme am Unterricht in eine Zahl zu pressen und „objektiv“ als Zensur herauskommen zu lassen.

Ihr helft uns mit Input für das Buch wenn ihr uns in den Kommentaren erzählt:

Was für ein Zeugnistyp seid ihr? Lieber Text oder lieber Zensuren? Beides? Oder gar nicht?
Was funktioniert für eure Kinder und was würdet ihr gerne ändern?

Liebe Grüße von

Steph und Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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2 Kommentare

Daniela Gut
Antworten 2. Januar 2021

Ich vergebe auch nicht gern Noten. Deswegen habe ich letztes Jahr den Versuch gemacht, die Schüler*innen sich selbst bewerten zu lassen und habe dann jeder und jedem einen kurzen Brief geschrieben, in dem ich dann meine Note in Relation zur Selbsteinschätzung gesetzt habe. Spannenderweise war meine Note bei den meisten Kindern besser, als sie sich selbst eingeschätzt hatten.
Ich muss aber dazu sagen, dass Schule nur einen Teil meiner Arbeit ausmacht und ich nur ein Fach unterrichte.

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