Wenn sie lieb, aber rücksichtslos sind: Wie viel kann man Kindern vorwerfen?


Als Kinderlose sehe ich oft ein komplett aufgedrehtes Kind, höre, wie es laut herumschreit, eine öffentliche Szene macht, und frage mich: „Muss das sein? Geht das auch anders? Kann das Kind was dafür?“

Ich stelle mir daher die Frage, wie viel man Kindern überhaupt vorwerfen und was man von ihnen erwarten kann. Hierbei sind auch ein paar Anekdoten aus meiner Kindheit eingewebt!

Egal, wie süß und putzig der kleine Nachwuchs sein kann, er ist manchmal auch ziemlich nervig. Ob er nun (für uns) grundlos weint, oder sturer als ein Bock ist – manchmal ist man als Erwachsener ihnen gegenüber einfach nur am Ende mit dem Latein. Als erwachsener Mensch vergisst man schnell, wie es war, ein Kind zu sein. Und warum man geweint und gebockt hat! Auch wenn man selbst Kinder hat, so wird man sich vermutlich nie in sie hineinversetzen können.

Warum sind Kinder „so“?

Ob 20, 30, 40, 50,… wir Erwachsene hatten im Vergleich zu Kindern schon eine Menge Zeit, viel über das Leben zu lernen. Kinder haben ja gerade bei 0 anfangen. Sie werden geboren und wissen… nichts. Für sie beginnt erst der Prozess der sozialen Entwicklung. Ehrlichkeit: Voller Ausschlag! Taktgefühl? Erst mal aneignen.

Was tun, wenn Kinder rücksichtslos sind?

Wenn ich Geschichten aus meiner Kindheit höre, dann kann ich mich überhaupt nicht mehr mit dem kleinen Mädchen von damals identifizieren. Es gab einen Vorfall, in dem ich meine Kinderzimmerwand anmalte, statt das Papier zu verwenden. Damit ruinierte ich nicht nur den hellen Anstrich, sondern auch den Teppichboden. Meine Schwester, die mir in jener Zeit alles nachmachte, schloss sich natürlich an und so malten wir wie zwei Profis die ganze Wand an.

Wie ihr euch vielleicht denken könnt, haben wir großen Ärger bekommen. Ich verstehe, dass meine Eltern sauer waren. Aber kann man das Kindern vorwerfen? Schließlich müssen sie erst lernen, Rücksicht auf andere zu nehmen. Und auf weiße Wände.

Kinder sind eben manchmal rücksichtslos. Und kreativ. 

Was tun, wenn Kinder ihre Eltern blamieren?

Ich würde wetten, dass fast jedes Elternteil von seinem Kind mal in eine unpässliche Lage gebracht wurde. Meine Mutter erzählte mir von meiner ersten „Gangster-Erfahrung“, als ich mit 3 Jahren in einer Apotheke Gummibärchen klaute und sie diese später peinlich berührt zurück brachte. Ich heulte wie verrückt und das machte das ganze noch unangenehmer. Ich habe seitdem nie wieder geklaut, daher ist es sehr wahrscheinlich, dass ich mir in diesem Moment nicht über die Konsequenzen bewusst war.

Kinder handeln eben, ohne nachzudenken.

Was tun, wenn Kinder ihre Eltern verbal verletzen?

Tatsache ist, dass Eltern nicht selten durch bestimmte Situationen oder harte Worte verletzt werden. Ich sehe es deutlich am Beispiel meines Babysitterkindes, das manchmal ganz schön gemein zu seiner Mama ist. Da sie immer souverän bleibt, weiß ich nicht, ob diese Worte sie wirklich treffen, aber selbst ich empfinde sie als verletzend.

Auch kann ich ein Lied davon singen, wie oft ich in meinem Leben schon gehört habe, dass pubertäre Kinder die Gefühle ihrer Eltern durch Handlungen oder Worte verletzen. Jene Teenager sind zwar keine Kleinkinder mehr, befinden sich jedoch ebenfalls in einem gigantischen Prozess der Veränderung und Entwicklung. Jungen Erwachsenen ist es schwer, zu sagen, dass sie bloß „jung und dumm“ sind, und dennoch würde ich diesen Phrasen zustimmen. Teenager sind auch Kinder – irgendwie jedenfalls.

Und nun die wichtige Frage: Wie viel kann man Kindern vorwerfen? Und sie zur Verantwortung ziehen?

Ab einem bestimmten Alter sollte man sicherlich bestimmte Erwartungen haben, doch auch die Entwicklung ist immer unterschiedlich. Fest steht, dass Kinder eben Kinder sind. Sie sind noch nicht erwachsen. Schlussendlich können wir ihnen nicht vorwerfen, dass sie egoistisch handeln oder zu wenig Mitgefühl zeigen.

Mit diesem Gedanken ist es vielleicht leichter, „blöde“ Momente des Kindes zu vergessen.

Ich meine damit auch nicht, dass man jede Handlung des Kindes wegnicken soll. Konsequenzen finde ich wichtig, nicht zuletzt weil Kinder aus ihren Fehlern lernen können. Aber vielleicht hilft es euch Eltern, Verwandten, Erziehern oder Lehrern, dass Kinder eben Kinder sind, sie noch sehr, sehr viel lernen müssen. Und irgendwann, auf der Schwelle zum Erwachsensein, werden sie sich wie ich erinnern, was sie alles so verbockt haben…

Wie seht ihr das? Was waren eure Momente, an denen ihr an euren Kindern verzweifelt seid?

Liebe Grüße,

Mounia

 

Mounia
About me

Ich - 24 Jahre alt, Studentin, Kinderanimateurin, begeisterte Hobbyköchin und abenteuerlustig! Meine absolute Leidenschaft ist das Schreiben und Festhalten von Momenten. Und durch ein Praktikum bin ich nun bei Tollabea gelandet und werde hoffentlich weiterhin viel lernen und den Blog damit erweitern. :)

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2 Kommentare

Birgit
Antworten 4. Februar 2019

Hallo, ich denke ein authentischer Umgang mit den rücksichtslosen Kindern ist auf jeden Fall zu empfehlen. Also dem Kind mimisch und mit der Stimme deutlich zu machen, dass man dieses rücksichtslose Verhalten nicht toleriert. Ich habe dann oft meine Kinder aufs Zimmer geschickt für 15 Minuten damit sie darüber nachdenken. Danach war das rücksichtslose Verhalten viel weniger und das Kind war um einiges sozialer und in der Lage, sich sozial zu integrieren; in Gruppen zu agieren. Rücksicht nehmen zu können muss man tagtäglich einüben mit den Eltern als Vorbild, genau so wie die Frustrationstoleranz. Kinder sind nicht einfach von Natur aus rücksichtslos. Sie sind es, weil wir es ihnen erlauben.

Sina
Antworten 11. Februar 2019

Hallo,
Ich muss dir leider an einem Punkt widersprechen - Kinder sind nicht eben Kinder und handeln auch nicht grundsätzlich ohne Nachzudenken. Das stimmt so nicht. Es gibt die unterschiedlichsten Familienkonstellationen wo es zum Beispiel Parentifizierung gibt und ein Kind die Verantwortung für ein Elternteil übernimmt - das äußert sich zum Beispiel mit Drohungen des Elternteils (wegen dir werde ich bald wieder krank...)
gegenüber dem Kind und hat häufig die Intention dem Kind Schuldgefühle zu vermitteln. Das Schlimme daran: Kinder dürfen manchmal gar nicht Kinder sein. Sie werden in Erwachsenenrollen gedrängt und sind dadurch permanent gestresst.

Solche emotional benachteiligten Kinder sind quasi täglich darauf angewiesen nachzudenken welche Konsequenzen ihr Handeln trägt - da es ja nicht weiß wie im Fall der Parentifizierung das labile Elternteil reagieren wird...

Ich hoffe dieses Beispiel war hilfreich.

Viele Grüße

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