„Zeigt doch bitte ein wenig mehr Freude!“ – Müssen Kinder sich über Geschenke freuen?


Habt ihr schon mal den Fall gehabt, dass Familienmitglieder schenken und dann erwarten, dass sich die Kinder sich über Geschenke freuen? Und wenn das dann nicht funktioniert, dass dann der Vorwurf von Undankbarkeit im Raume ist? Unsere Kolumnistin mindfulsun hat sich Gedanken gemacht:

„Die Kinder sahen aber nicht so aus, als ob sie sich richtig gefreut hätten!“

Sagte mal meine Mutter zu mir, nachdem die Jungs die Geschenke ausgepackt hatten. Gerade jetzt vor Weihnachten erinnere ich mich wieder daran.

„Von Herzen schenken“

Es gibt ja unterschiedliche Arten von „Schenken“. Die einen investieren viel Zeit und Gedanken in das Geschenk. Es soll Wertschätzung ausdrücken und man investiert Herzblut, damit man dem anderen Menschen eine Freude machen kann. Geschenke werden ausgesucht, die genau auf den Beschenkten zugeschnitten sind. Mit Empathie schenken!

Andere wiederum machen sich nicht so viele Gedanken und schenken einfach, was ihnen vor die Nase kommt.

Und dann gibt es auch noch Menschen, die immer fragen, was gewünscht wird.

Für alle gilt aber wohl: Sie möchten, dass man sich freut und die Geschenke auch mag.

Nicht jeder aber drückt Freude auch so aus, dass man sie tatsächlich auch sehen kann. Nicht immer freut man sich auch von  ganzem Herzen über das Geschenk, manchmal möchte man es sofort umtauschen. Eigentlich ist das jedem auch klar.

Wie ist das mit den Erwartungen? Erwarte ich eine bestimmte Reaktion auf das Geschenk?

Ich war oft  ein wenig enttäuscht, wenn ich es nicht gesehen habe: das Leuchten in den Augen und ein Lächeln vielleicht. Auf ausgesprochenen Dank habe ich noch nie sehr viel Wert gelegt.


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Meine Mutter reagierte aber damals verärgert, weil ihre Erwartung nicht erfüllt wurde, sie hat regelrecht eine bestimmte Reaktion der Freude gefordert. Meine Kinder haben sich nicht so gefreut, wie sie es eben wollte. Damit hat sie aber am Ende nur sich selbst enttäuscht. Den Kindern haben die Geschenke nämlich gefallen, auch wenn sie keinen johlenden Freudentanz aufgeführt haben oder ihr laut jubelnd um den Hals gefallen sind.

Wer also eine bestimmte Erwartung hat, wenn er Geschenke macht und diese nicht erfüllt wird, sollte sich fragen:

„Woher kommt meine Erwartung? Wollte ich mich vielleicht mit der Reaktion des Beschenkten  selbst glücklich machen? Habe ich deswegen erwartet, dass auf eine bestimmte Art und Weise reagiert wird? Wie reagiere eigentlich ich, wenn ich ein Geschenk erhalte? Hat jemand vielleicht ein Problem damit, das Geschenk wirklich anzunehmen?!“

Vielleicht hilft das schon, die Erwartung in einen Wunsch, eine Hoffnung zu verwandeln:

„Ich wünsche und hoffe, das Geschenk gefällt der Person.“

Nicht alle Erwartungen kann man von heute auf morgen loslassen und auch Enttäuschungen sind menschlich. Sich vorzubereiten, kann auch sehr hilfreich sein:

„Wie werde ich reagieren, wenn das Geschenk überhaupt nicht gefällt?“

Dann fällt auch die eigene Enttäuschung nicht so groß aus.

Ich bin damals den falschen Weg gegangen. Ich habe meinen Kindern gesagt: „Zeigt doch bitte ein wenig mehr Freude!“

Das war nicht richtig und wir haben seitdem noch einige Male darüber gesprochen. Ich kann doch meinen Kindern nicht vorschreiben, wie sie sich zu freuen haben!
Meine Mutter hat im Laufe der Zeit nicht wirklich gelernt, ihre Erwartung zu reduzieren. Aber das liegt bei ihr.

In diesem Sinne: Die Geschenke rufen und wollen verpackt werden! Frohes Fest!

Eure mindfulsun

P.S. Und ihr? Habt ihr in der Familie schon mal das Thema gehabt?


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Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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