Am Anfang kann sich Meditation sehr merkwürdig anfühlen. Jetzt muss ich nicht meditieren – ich möchte.


Heute von mir nur eine sehr kurze Anleitung: Ich, Béa, die Königin der Ungeduld oder des spontanen Einschlafens egal wo, habe es nach diesem Text unserer Kolumnistin mindfulsun es tatsächlich geschafft, einige Male zu meditieren. Sie hat ihn mir letzte Woche geschickt, heute gebe ich diese Gedanken sozusagen „erprobt“ an euch:

Zu meinem letzten Artikel – Emotionen regulieren – kamen Fragen zur Meditation auf.

Ich habe vor fast 2 Jahren zur Meditation gefunden und war am Anfang sehr skeptisch. Mein Bild von Meditation war: Im Lotussitz stundenlang, in absoluter Ruhe den Kopf leer bekommen. Das konnte ich mir nicht vorstellen. Ich war eher unruhig, konnte nicht lange still sitzen.

Den Kopf leer bekommen? Die Idee fand ich absurd. Also habe ich es überhaupt nicht versucht, zu esoterisch!

Was ich heute weiß: Meine Idee, meine Vorstellung von Meditation war absurd und ich bin dankbar dafür, dass mein damaliger Therapeut mir eine andere Sichtweise vermittelt hat. Mir hat die Meditation viel Gutes getan und allem voran: Ich reagiere nicht jedes Mal mehr impulsiv, ich kann besser fokussieren, ich werte und urteile nicht mehr so stark. Auch meine zwischenmenschlichen Beziehungen haben sich dadurch verändert. Vor allem meine Kinder spüren das sehr genau.

Denn es geht überhaupt nicht darum, Gedanken und Gefühle komplett auszuschalten.

Das funktioniert überhaupt nicht. Wenn ich meditiere, kommen Gedanken und Gefühle trotzdem auf. Ich habe gelernt, ihnen Raum zu verschaffen, sie zu sehen und dann wieder zurück zu meinem Atem zu kommen – eine Art von loslassen. Und Meditation bringt dieses Gefühl der Achtsamkeit in den Alltag. Mit der Zeit habe ich gelernt, mich in allen möglichen Situationen auf meinen Atem zu konzentrieren und damit Raum zu schaffen, zur Ruhe zu kommen, die Perspektive zu wechseln.

Meditation ist Training und für mich ebenso wichtig wie gesunde Ernährung und körperliches Training.
(Das vernachlässige ich derzeit massiv, leider)

Lediglich in stressigen Momenten zu meditieren, hilft mir nicht – auf diese Momente vorbereitet sein, mit täglichem Training – das hilft mir.

Es gibt unterschiedliche Arten der Meditation: Mein Therapeut hat mir die Headspace App zum Meditieren empfohlen, geführte Meditation.

(Anmerkung Béa / Redaktion: Wir würde gern für Headspace Werbung machen, sind mit ihnen in Kontakt, das hier ist aber völlig unbezahlt, weil aus Überzeugung. )

Ich finde es einfacher, wenn mich jemand durch die Meditation leitet. Jetzt nach fast 2 Jahren kann ich es auch ohne Anleitung und ganz für mich alleine.

Zurück zu den Anfängen: Ich habe hyperventiliert, weil ich dachte, ich muss besonders tief atmen.

Ich saß auch oft da und dachte: Ist es endlich vorbei? Nicht jeder Tag ist gleich und oft genug wollte ich zwischendurch abbrechen. Ich bin dabei geblieben. Es gehört dazu, dass es an manchen Tagen nicht so einfach ist:

Meditation – Getting Started

1. Ich meditiere entweder sitzend auf einem Stuhl oder liegend auf der Yoga-Matte.
2. Ich brauche nur 10 bis 15 Minuten pro Meditation.
3. Mittlerweile mache ich auch meditative Spaziergänge oder meditiere beim Lauftraining.
4. Meine Lieblingstechnik ist: Mich auf den Atem fokussieren, ihm folgen.
Es gibt noch andere Techniken – wie zum Beispiel Visualisieren – darin bin ich nicht besonders gut. Mir vorstellen, wie mein Körper in warmes helles Sonnenlicht eingehüllt ist, habe ich noch nicht einmal geschafft.
4. Geräusche muss ich nicht mit Macht komplett ausblenden, das passiert automatisch.
6. Keine Meditation gleicht der anderen. Ich gehe jeden Tag mit Neugier an die Meditation, als ob ich sie zum ersten Mal mache.

Meditation habe ich in meinen Tagesablauf eingeplant, manchmal auch mehrmals täglich. Mir genügen dabei 10 bis 15 Minuten vollkommen! Es geht nicht darum, mir Stunden dafür nehmen zu müssen.

Und das ist es für mich auch: Ich muss nicht meditieren, ich möchte. Ich weiß, es tut mir gut.

Ich sehe Meditation als Gewinn für mich an und keine lästige Pflicht. Meditieren raubt mir auch keine Zeit, denn durch die tägliche Meditation habe ich mir sogar mehr Zeit geschaffen. Wie? Ich bin fokussierter, konzentrierter – kann also Dinge auch schneller und überlegter schaffen. Ich lebe mit weniger inneren und äußeren Konflikten. Das schafft Zeit und Ruhe und ein gutes Gefühl.

Und ja, es gibt Tage, da lasse ich es sausen. Ich weiß allerdings: Habe ich keine Zeit zum Meditieren, brauche ich die Meditation erst recht. Habe ich keine Lust zu meditieren, ist es noch notwendiger. Und ich komme immer wieder dazu zurück.

Meditation ist eine Fähigkeit, die ich erlernt habe und es ist Training:

Es gibt viele unterschiedliche Arten der Meditation und hier finde ich ausprobieren absolut lohnenswert!

Ich bin bei der App geblieben, die mir mein Therapeut empfohlen hat. Auch, weil ich sie unterwegs nutzen kann. Es sind Mini Meditationen enthalten, die mir auch spontan in bestimmten Situationen helfen. Auch zum Einschlafen gibt es da jede Menge.
An dieser Stelle auch von mir: Das ist keine bezahlte Werbung! Es gibt viele Meditationsapps!

Noch ein wichtiger Punkt für mich: Ich habe seit vielen Jahren chronische Schmerzen.

In meiner App ist ein Lernprogramm – Meditation – zum Thema Schmerzen. Ich habe einen ganz anderen Umgang mit meinen Schmerzen gelernt, brauche weniger Schmerzmittel. Heute sehe ich chronische Schmerzen in einem anderen Licht.
Auch das ist Meditation: Dinge aus einer völlig anderen Perspektive sehen können!

Jeder entscheidet natürlich für sich, ob er das ausprobieren möchte. Für mich hat Meditation sehr viel in meinem Leben bewegt. Ich bin dankbar, diese Fähigkeit erlernt zu haben.

Ob nun geführt oder alleine, probiert es gerne aus! Und bitte erwartet keine Wunder.

Es genügt eben nicht, es einmal zu machen. Perfekt braucht es auch nicht sein, es geht nicht um Perfektion! Es wird vielleicht Rückschläge geben und das ist ok.
„Bei der Meditation ist die Reise wichtiger als das Ziel.“

Am Anfang kann sich Meditation sehr merkwürdig anfühlen. Es ist eben neu und wir suchen Vergleiche mit anderen Erfahrungen. Heute ist es Teil meines Lebens und fühlt sich ganz natürlich an. Meditation gehört zu mir.

Am Ende noch ein kleiner Hinweis. Wie ihr wisst, habe ich eine Posttraumatische Belastungsstörung. Die hatte ich noch nicht, als ich mit der Meditation begonnen habe. Meine Meditation hat sich auch seitdem verändert. Jedem mit PTBS möchte ich raten: Fragt bitte erst die TherapeutInnen, ob Meditation für euch ok ist.

Eure mindfulsun

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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