„Du machst das doch nur, weil…!“ – Unterstellungen ersetzen durch ein „Ist dir vielleicht wichtig…?“


Béa bat mich darum, zu „Das hat er / sie bestimmt gemacht, weil…“ zu schreiben. Und ich habe mir Gedanken gemacht.

Viele von uns haben das sicher schon ausgesprochen oder gehört: „Du machst das doch nur weil…“
Oder auch: „Er / sie hat das doch nur deswegen gemacht…“ – an dieser Stelle beliebige Unterstellungen und Behauptungen einfügen.

Denn es handelt sich dabei um Unterstellungen und Behauptungen, wenn ich nicht die Bedürfnisse und Gefühle dieses Menschen kenne.

Die Frage von Béa an mich war jetzt: Wäre es nicht besser dann zu fragen, warum ein Mensch das denn gemacht hat? „Hast du dies gemacht, weil…?“

Statt Interpretationen, Behauptungen und Unterstellungen – jemanden zu fragen ist wertvoll!

Ich finde es nicht hilfreich, Behauptungen zu den Gefühlen und Bedürfnissen anderer Menschen aufzustellen.

An dieser Stelle ist mir auch wichtig: Bei der Frage „Hast du dies gemacht, weil…“ spielen möglicherweise auch unsere Gedanken und die Ratio die Hauptrolle. Dabei geht es doch darum, dass wir uns in die Bedürfnisse und Gefühle des anderen Menschen einfühlen. Mir ist, seitdem ich die Gewaltfreie Kommunikation in mein Leben integriert habe ein: „Was hast du gefühlt?“.

Auch sehr viel wichtiger und bedeutsamer als ein: „Was hast du dabei gedacht?“. Also wäre hier meine Frage: „Ist dir vielleicht wichtig…?“

Nach Bedürfnissen und Gefühlen, statt nach Gedanken fragen!

Wie oft analysieren wir eigentlich Menschen? Das, was sie tun? Das, was sie sagen?

Wie oft denken wir, wir wissen es eben – ohne zu fragen oder nachzufühlen? Wie oft fällen wir Urteile? Wie oft begegnen wir dann auch Menschen anhand unserer (Vor)Urteile, ohne dass wir mit ihnen darüber gesprochen haben?
An dieser Stelle möchte ich diese kleine Geschichte aus dem Buch: „Anleitung zum Unglücklichsein“ von Paul Watzlawick teilen, die für mich passend ist:

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht es mir wirklich. – Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er »Guten Tag« sagen kann, schreit ihn unser Mann an: „Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!”

Unsere eigenen Gedanken sind dann plötzlich die ultimative Wahrheit. Es kann ja überhaupt nicht anders sein, denn ich weiß das und ich denke das!


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Und manchmal, egal was der andere Mensch dann erwidert, rutscht ein: „Das kann überhaupt nicht sein!“ raus. Denn ich habe meine feste Meinung gebildet. Ab diesem Punkt ist es oftmals auch schwer, noch eine Verbindung zueinander zu finden.

Also mache ich an dieser Stelle im Artikel einen STOP! Und rolle das ein wenig von der anderen Seite auf.

Wenn ich mir jetzt die Geschichte von Watzlawick anschaue und das Beispiel nehme:
Mein Nachbar hat flüchtig gegrüßt.
Und dann kommen die Gedanken: „Hat er was gegen mich?“
Daraus wird dann ein: Mein Nachbar hat mich nur flüchtig gegrüßt, weil er was gegen mich hat. Und zack! Kommen die Gefühle zu diesen Gedanken dazu. Vielleicht ist es Ärger oder Frust.
Dabei kann ich zuerst in mich fühlen und dann kommunizieren (mögliches Beispiel!): „Ich bin unsicher, weil Sie mich gestern nicht gegrüßt haben. Waren Sie vielleicht in Gedanken?“

Empathisch Vermuten, statt Behauptungen aufzustellen und dem anderen etwas zu unterstellen.

Es gibt so viele Möglichkeiten, warum mich jemand nicht grüßt. Ich gehe also nicht ins Gespräch mit dem Vorsatz, ich weiß es schon! Wenn ich mit einer Feststellung in eine Kommunikation gehe, führt das nicht zu Verbindung. Auch Verhöre tragen nicht zu einer Verbindung bei. So lange „bohren“, bis sich das, was ich denke, bestätigt. Das sind Gespräche, die sich für niemanden gut anfühlen.

Wir können nicht wissen, was in anderen Menschen vor sich geht. Wir können mit ihnen darüber sprechen.

Ein anderes Beispiel – eins, was Béa am Herzen liegt und sie kommt hier auch zu Wort:

„Ach, die Béa, die macht das alles doch hier nur für die Klicks und die Kohle.“

Ich habe sie gefragt und sie sagte mir, es ist ihr auch ein Bedürfnis, den Blog und alles, was damit zusammenhängt zu finanzieren. Welches die anderen Bedürfnisse von Béa sind und was sie sich wünscht, sagt sie euch jetzt selbst:

Also, Béa hier: Diesen Blog gibt es, weil es mir ein Bedürfnis ist, das Leben von Menschen, die Kinder großziehen und beim Lernen und Wachsen begleiten, einfacher und schöner zu machen. Mit kleinen Hacks und großen Ideen, mit einem Lächeln auf den Lippen und und einer Zauberkastanie in der Tasche. Mir ist wichtig, viele Menschen zu erreichen – deswegen sind für mich Klicks auch ein Zeichen dafür, dass ich dieses Ziel erreiche – mit hoffentlich guten und wertvollen Inhalten. Was die Kohle anbelangt: Ja, wir machen auch Werbung in diesem Blog und arbeiten auch für Kunden. Das machen wir immer transparent und klar!

Also: Mache ich das für Klicks und Kohle? Auch.
Aber „nur“? Auf keinen Fall.

Also mein Bedürfnis ist, dass LeserInnen und Kunden unsere Arbeit und unser Herzblut anerkennen. Und zwar nicht „nur“ mit Klicks und Kohle. Sondern mit Interaktion, respektvollen Kommentaren und mit eigenen Gedanken und Ideen, die sich zu unseren dazu gesellen. Und ja, auch mit Fragen.

Wie sich Béa dabei fühlt, wenn sie so was liest, wie die Unterstellung weiter oben, hat sie mir auch gesagt: Sie ist frustriert, betrübt und auch manchmal verunsichert.

Unterstellungen machen etwas mit Menschen.

Ich hoffe, wir konnten das hier verdeutlichen und euer Herz dafür öffnen, auf die Bedürfnisse und Gefühle der Menschen zu schauen und keine gedanklichen Behauptungen aufzustellen. Und mal in euch zu spüren, was hinter euren Gedanken steckt.

Eure
mindfulsun


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