Fliegenklatschen-Memory in Latein und die türkische Brückenbauerin – 2 Geschichten des Gelingens in der Bildung


Vielleicht habt ihr es schon mitbekommen, es gibt diese Woche ein wunderbares Online-Kongress, bei dem ich auch Speakerin bin: Die Pioneers of Education. Ihr könnt ganz kostenlos dabei sein!

Dabei habe ich besondere Menschen kennengelernt, die jeden Tag die Bildung unserer Kinder besser machen. Ich habe sie gebeten, ihre Geschichten zu erzählen. Hier sind zwei davon:

Fliegenklatschen-Memory!

Ich arbeite als Lateinlehrerin an einer Gesamtschule in NRW. Vor ein paar Jahren war ich echt frustriert: Mein Lateinkurs konnte keine Vokabeln, wusste nichts von Grammatikregeln und das Übersetzen war ein Drama. Ich hätte viel Zustimmung dafür bei KollegInnen gefunden, wie faul doch die Jugendlichen sind, dass sie effektiver lernen müssen … aber ich wollte nicht das Opfer sein, indem ich die SchülerInnen zu Tätern machte und sah mich als LehrerIn in der Verantwortung, einen Weg für uns zu finden.

So fand ich die Birkenbihl-Methode und unterrichte heute danach Latein. Mit Spaß und Erfolg seit einem halben Jahr! Endlich weg vom verstaubten Pauken und hin zum Entdecken der Sprache. Wir lernen nichts auswendig und die Jugendlichen verstehen mehr als jeder Kurs vor ihnen 😉

Der Kern: Wir arbeiten gehirn-gerecht.
Wir hören die lateinischen Texte immer wieder.

Dabei lesen wir anfangs die wörtliche deutsche Übersetzung mit, bis wir sie nicht mehr brauchen. Anschließend lassen wir den aktuellen Text im Hintergrund laufen. Erst dann beschäftigen wir uns mit Wörtern, Formen, Phänomenen…mit Leichtigkeit statt Drama! Jubel!

Am meisten Spaß macht uns Fliegenklatschen-Memory!

Alle versuchen mit ihrer Fliegenklatsche als erste die passende Bedeutung einer Vokabel zu erwischen: Karten mit der lateinischen und solche mit der passenden deutschen Bedeutung sind auf dem Tisch. Die deutschen sind alle aufgedeckt. Wird ein lateinisches Wort aufgedeckt und findet jemand die Übersetzung, klatscht er mit der Fliegenklatsche drauf. Wissen es mehrere, sieht man ja, welche Klatsche als erste drauf liegt und wer die Karte als Punkt bekommt ;). 
Diese Variante spielen wir häufig.


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Oder wir spielen die Texte in Rollenspielen nach. Mittlerweile haben wir Hospitationsanfragen von Kollegen aus unserem Haus oder anderen Schulen.

Und ich möchte das Wissen über gehirn-gerechtes (Sprachen-) Lernen nach Birkenbihl verbreiten! Das tue ich auf meinem Blog beziehungsweise-schule.de und bin froh über jede Vernetzung!

AnnMarie Backmann von www.beziehungsweise-schule.de

und noch eine:

Geschichte einer türkischen Brückenbauerin in Kitas

Ich bin vor 18 Jahren wegen der Eheschließung aus Istanbul nach Deutschland eingewandert. Ich konnte nur paar Artikeln, Wörter und den Satz „Ich liebe dich“ sagen. Heute bin ich zweifache Mutter, Erzieherin und Fachkraft für inklusive Pädagogik und Praxis. Führerschein habe ich hier gemacht. Mein Weg bis dahin war für mich nicht so einfach. Ich habe Menschen kennengelernt, die mich runtergezogen haben. Aber auch Menschen, die mich aufgebaut haben, wenn ich Sprachbarrieren hatte. Nach meiner Ausbildung habe ich in überwiegend in städtischen Kitas in Saarland gearbeitet. Ich konnte immer wieder feststellen, dass viele Migrantenkinder und deren Eltern große Sprachbarrieren im Bildungssystem hatten. Viele haben sehr wenig Selbstvertrauen.

Meine Frage war immer: Wie kann ich türkischen Eltern und Kinder bei Sprachbarrieren und in ihren Bildungswegen mit meiner Muttersprache helfen?

Wie kann ich die Arbeit der Fachkräfte in diesem Sinne erleichtern? Eine Brückenbauer wollte ich werden. Meine Ausarbeitung habe ich auch über dieses Thema geschrieben. Mein nächster Schritt ist ein Konzept über dieses Thema zu entwickeln und es verwirklichen.

Ich habe mich entschieden, nicht mehr als Erzieherin in einer Kita mit Kinder von 3 bis 6 Jahren zu arbeiten. Ich stoße immer wieder meine Grenzen und denke wenn es so weitergeht, wird dieser Job mein Nervensystem zerstören. Die meisten Kollegen in schwierigen Situationen fühlen sich allein gelassen . Solange die Arbeitsbedingungen so bleiben, gehe ich diesen Weg. Wie kann eine Kita Gruppe funktionieren, wenn Erzieher ihre emotionale Grenzen erreichen? Wenn wir irgendwann in Kitas Kinder haben, die sich optimal entfalten können, werden wir auch erfolgreiche und glückliche Kinder in den Schulen haben.

Ich habe eine Facebook Gruppe namens „Bildung in Kitas und Schulen gegründet und habe als Mitglieder sowohl unser Regionalverbandsdirektor des Saarlandes als auch Lehrer und Erzieher eingeladen. Wir haben sehr wertvolle Beiträge. Ich möchte mit meiner Fähigkeiten und meiner Muttersprache in meinem Berufsfeld weiterkommen und dabei Menschen helfen.

Esra Taskiran

Wenn ihr auch schöne Geschichten habt, könnt ihr eure auch hier erzählen… nehmt mit mir den Kontakt auf, wir bringen sie nach und nach.

Fragen? Ideen? Anregungen? Nur zu, wir freuen uns über eure Kommentare!

Liebe Grüße,

Béa


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Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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