Mit Teenagern und jungen Erwachsenen streiten sollte auch gelernt sein! – Gastbeitrag von mindfulsun


Mit Teenagern und jungen Erwachsenen streiten: Irgendwann komme wir alle, als Eltern, in diese Situation. Irgendwann knallt es zum ersten Mal richtig, die Fetzen fliegen und man begreift: Sie sind keine Kinder mehr!

Unsere Gastautorin mindfulsun hat sich Gedanken gemacht, wie sie im Streit mit Teenagern und jungen Erwachsenen agiert… und eigentlich agieren sollte:

Um allen Missverständnissen vorzubeugen, in diesem Artikel geht es weniger um Streits mit Kindern, ich meine bewusst die Altersgruppe ab 14/15 Jahren. Wobei ich sicher einige meiner Schlussfolgerungen zukünftig auch mit meinem zwölfjährigen Sohn umsetzen werde.

Erst am Wochenende gab es wieder einen riesigen Streit mit meinem 18 jährigen Sohn.

Und irgendwann fiel der Satz von ihm, lautstark: „Mama, du respektierst mich nicht!“
Die initiale, emotionale Reaktion war: „Natürlich tue ich das!“

Hinterher aber die Reflexion: In Auseinandersetzungen mit den Kindern / Teenagern habe ich bewusst die Mutter „raus hängen lassen“ und so etwas wie Augenhöhe gab es kaum zwischen uns. Natürlich bleibe ich auch in einem Streit die Mutter ABER: Sachliche Argumente habe ich manchmal einfach weggewischt, meine Eloquenz genutzt um meinen Standpunkt durchzusetzen.

Das war, aus heutiger Sicht, sehr falsch.

Wo sollen denn Kinder lernen sich richtig und gesund durchzusetzen, wenn nicht im Elternhaus?
Wo soll das nötige Selbstbewusstsein herkommen den eigenen Standpunkt zu vertreten?
Wo soll das Selbstvertrauen in die eigene Argumentation wachsen?

Das ist mir erst jetzt richtig bewusst geworden. Natürlich gab es auch andere Streits, Streits die nicht so emotional waren, da konnte ich eine sachliche Argumentation auch bewusst zulassen.

Oft genug aber endete so was in einem Dauermonolog von Mama: „Jetzt höre mir mal zu! PUNKT!“

Damit habe ich doch meinem Kind sehr viel genommen. Und er hat Recht, mit Respekt hatte das oftmals nichts zu tun.  Meine „Überlegenheit“ und Autorität nutzen, auf Regeln pochen, die ICH aufgestellt habe: Das hat vielleicht eher geschadet, als genützt!

Nach der Auseinandersetzung am Wochenende habe ich mich mit meinem Sohn hingesetzt und ihn gefragt, was er sich schon früher gewünscht hätte und was wir ab jetzt gemeinsam ändern können.

Streitregeln:

1. Wir hören uns beide zu und lassen uns ausreden.
2. Wenn wir zu emotional sind, verschieben wir das Gespräch.
3. Es wird von beiden Seiten darauf geachtet, keine verletzenden Worte zu verwenden.

Aber die allerwichtigste Regel haben wir sofort danach umgesetzt: Sobald wir uns beruhigt haben, nehmen wir uns in den Arm.

Ein Streit zwischen Eltern und Kind sollte niemals, aber auch niemals damit enden, dass das Kind ein ungutes Gefühl mit sich rumschleppen muss oder die Beziehung zu den Eltern als gefährdet ansieht.

Ein solches Grundvertrauen darin, dass ein Teenager als eigenständige Person in eine Auseinandersetzung mit den Eltern gehen kann und sein Standpunkt respektiert wird, hat positive Auswirkungen: Auf die Beziehung zwischen Eltern und „Kind“ und auf alle anderen Beziehungen, die das Kind haben wird. Das Selbstbewusstsein wird gestärkt.

Natürlich wird es auch zukünftig emotional werden. Aber ich werde bewusster in solche Situationen gehen.
Zusätzlich dazu habe ich auch die Bitte verstanden: „Lass uns doch einige Regeln gemeinsam aufstellen, Mama.“

Auch richtig. Auf dem Weg zum Erwachsensein ist das ein richtiger und wichtiger Schritt.

Heute bin ich mit meinem Sohn zum Abendessen verabredet, statt zu zocken, wird er mit seiner ollen Mutter kochen. Das wird uns beiden richtig gut tun!

Liebe Grüße,

mindfulsun

Ergänzung  von Béa: mindfulsun ist Jungs-Mutter. Ich bin Mädchen-Mutter. Für den Streit mit meiner Tochter in ihrer Teenie-Zeiten ist das, was mindfulsun schreibt, genauso gültig und wertvoll. Eigentlich habe ich das auch so gelebt. Da ging es um Interessen, Meinungen, Dinge durchsetzen. Da haben wir verhandelt und sind uns doch einig geworden, auf Augenhöhe. Aber ich habe auch ein anderes Phänomen in der Pubertät gemerkt  (siehe auch das EHJ, das Ekelige Halbe Jahr Teil 2 )!

Richtige Weiber-Zickereien – vor allem auf Outfit-Ebene!

Sie brachte echte Verbalattacken gegen mein Aussehen: „Boah, der Blazer, den du anhast könnte aus Omas Altkleidersammlung stammen. Achwas: Ur-Omas!“ vs. „Hey, versuchst du gerade auf Lolita zu machen? Da müsstest du noch die Falten glattbügeln… im Gesicht!“. Frechheit, oder? Ich hatte den Eindruck, dass sie bewusst versuchte, mir weh zu tun, um sich in ihrer Frau-Werdung von mir zu distanzieren.

Anstatt zurückzufauchen (was ich getan habe), war ich mit folgender Kommunikation erfolgreicher (wenn ich mich zusammenreißen konnte):

  1. Freundliche Bitte, das Gesagte zu wiederholen: „Kannst du bitte noch mal ganz langsam sagen, was du gerade gesagt hast?“. Da wird einem meistens klar, was er wirklich gesagt hat.
  2. Eigenes Gefühl dabei benennen und die Bedeutung aufzeigen: „Was du gerade gesagt hast, verletzt mich. Für mich heißt es, dass es dir peinlich ist, dass ich alt bin. Aber wenn ich nicht älter als du wäre, hättest du gar nicht auf die Welt kommen können…“
  3. Ruhig abwarten, das das durch die Teenie-Gehirnwindungen sagt. Einfach mal ein Moment Klappe halten! Das ist nicht so einfach. Denn jetzt kommt der Moment, in dem die widerspenstigen Teenies doch die Menschen sind, die uns lieben. Jetzt kommt auch die Umarmung!

Kennt ihr auch diese Situation? Wie geht das bei euch, mit Teenagern und jungen Erwachsenen streiten?

Liebe Grüße,

Béa

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Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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