Kein Weg zu weit für die richtige Schule – zweite Tochter brauchte ganz andere Schulwahl! Teil 2 des Berichts von Muse Pampel


Den ersten Teil mit der ältesten Tochter von der Mama, die mit Pseudonym Muse Pampel geschrieben hat, habt ihr ja gelesen. Da ging es um die Hoch-Leister-Tochter und die Suche nach dem richtigen Gymnasium. Es wurde ein Traum-Internat. 

Bei der jüngeren Schwester sah alles wieder ganz anders aus.

Hier kommt der zweite Teil des Berichtes einer Familie nach der richtigen Schule – und auch einige Tipps für alle Eltern am Ende des Beitrags, von Muse Pampel:

Bei unserer Kleinen stand auch der Schulwechsel an – und diesmal hatten wir richtig Bauchweh.

Ihre Grundschulzeit war ok, sie hatte eine sehr nette Klassenlehrerin, die auch immer um sie bemüht war, dennoch kam sie nie aus sich heraus, war überangepasst und kam jeden Tag gestresst nach Hause.

Als Möglichkeiten sahen wir das örtliche Gymnasium, was für uns überhaupt nicht passt, zudem sie sehr sehr sensibel ist und mit Abstand zu den Jüngsten gezählt hätte. Oder eben das Internat der Ältesten. 

Und unsere Kleine sagte sehr deutlich, dass sie das nicht wolle. Und ehrlich gesagt gingen wir damit auch konform: Sie wäre noch 9 gewesen. Und das wäre uns speziell bei ihr auch zu jung gewesen.

Da sassen wir nun alternativlos… und dann fiel der Satz: Gab es da nicht eine Waldorfschule in xyz?

Ja, aaaaber: Die hatte den Ruf „versteinert“ und dogmatisch zu sein! Ausserdem gibt es keine Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Und überhaupt…

Andererseits wäre gerade der künstlerische Aspekt etwas, was unserer Kleinen sehr liegt. Sie ist sehr emotional und kreativ, besonders glücklich, wenn sie Papier und Farben unterschiedlicher Art hat, spielt mehrere Instrumente…

Und: Am kommenden Wochenende ist Tag der offenen Tür, fahren wir einfach mal hin!

Tja, hier hatten wir wieder das Erleben, diesmal beim anderen Kind, dass alles abfiel und sie einfach mit allen Sinnen im Geschehen war und einfach dankbar aufsaugte was angeboten wurde… und uns anschliessend bat, dass wir sie dort anmelden.

Unser Glück: Die Prozesse zum Klasse auffüllen liefen gerade.
Unser Pech: es waren schon mehr Anmeldungen als freie Plätze da.

So kam es auch, dass wir bei der Vorauswahl erstmal telefonisch eine Absage bekommen sollten, geistesgegenwärtig stellte ich aber die richtigen Fragen und im Gespräch konnte ich einige Befürchtungen (könnte sich langweilen z.B.) ausräumen und…

… unsere Kleine wurde doch zu einer Hospitation eingeladen.

Uu Hause sass in der Zeit ein glückliches Kind mit einer tiefen Zufriedenheit. Das Gespräch mit der Klassenlehrerin ergab dann auch, dass sie einen sehr positiven Eindruck von unserer Tochter hat und denkt, dass sie sehr gut in die Klasse passt, nur habe sie weiterhin Sorge, dass sie sich auf intellektueller Ebene zeitweise langweilen könnte…

Aber da sehe ich eben uns Eltern auch in der Pflicht- wir können sie auch ausserschulisch mit tollen Lernfeldern spielerisch auslasten. Uns gefiel die Reflexion der Lehrerin sehr und auch wie liebevoll und zugewandt sie über ihre Klasse sprach ohne die Sachlichkeit zu verlieren. Ausserdem ist sie eine weltoffene und moderne Frau.

Allerdings mussten wir den Platz zeitnah annehmen und nicht erst zum Ende der vierten Klasse… und die Schule war immer noch unmöglich zu erreichen!

Aus unserer Erfahrung heraus haben wir aber einfach erstmal durchgeatmet mit dem Vertrauen, dass es schon irgendeine Lösung geben wird. Letztendlich ist es die unbequemste geworden… es gibt eine Busfahrgemeinschaft, aber bis zur Haltestelle haben wir 20 km…. Und der erste Bus aus unserem Dorf dorthin kommt erst nach Abfahrt der Busgemeinschaft an.

Andere Kinder aus dem Dorf gibt es aktuell nicht auf der Schule, aber ich habe gehört, dass es jetzt doch interessierte gibt und sich ggf. eine Fahrtgemeinschaft bilden könnte. Bis dahin fahre ich sie an 3 Tagen die Woche vor meiner Arbeit zum Bus, dann muss sie 15 Minuten dort warten bevor es weitergeht… an den anderen beiden Tagen fährt mein Mann, er konnte es so mit seinem Dienstplan vereinen.

Zurück holt sie ab wer schon Feierabend hat oder die Großeltern springen ein oder wenn niemand fahren kann, läuft sie zum öffentlichen Bus und fährt ausnahmsweise mal mit dem. Dann ist sie zwar ewig unterwegs, aber das ist halt unser Kompromiss….

Sie ist jetzt einige Monate an der neuen Schule, ihr war noch nicht einen Tag langweilig, sie liebt das Busfahren (da kann sie schön entspannen und sieht jeden Tag was neues auf den Feldern), hat ihren Freundeskreis ordentlich erweitert (ihre alten Freunde sind geblieben, mit denen hat sie zusammen Sport, Musikunterricht oder sie spielen einfach wo sie sich treffen) und ist vor allem eines:

Glücklich und nicht mehr gestresst! Wenn jemand sie fragt ob sie nicht lieber wieder vor Ort zu Schule möchte gibt es ein sehr vehementes NEIN!

Für uns als Eltern ist das im Alltag tatsächlich unbequem mit dem Fahren, es geht einfach viel Zeit drauf und ich als Langschläferin muss um eine unchristliche Zeit von 5.30 aufstehen. Dazu müssen wir beide Vollzeit arbeiten, weil jetzt zwei Schulgelder anfallen, ich arbeite allerdings zu Hause, was so manch organisatorisches doch erleichtert…

Lohnt sich der Aufwand? Für uns auf jeden Fall!

Wir haben zwei glückliche, ausgeglichene Kinder, die auf ihre unterschiedliche Art und Weise mit den unterschiedlichen Konzepten angesprochen werden und aufgeblüht sind.

Sie verstecken sich nichtmehr, sie sind neugierig, fröhlich, kreativ, wissbegierig, fleissig aus eigener Motivation. Und wenn sie so durch die Schulzeit weitergehen bin ich überzeugt, dass sie das für ihr weiteres Leben mitnehmen. Und ja, das ist es uns wert!

Alles, was sich vorher als unmöglich zeigte, ist heute möglich geworden und bietet auch sehr viele positive Rand-Erfahrungen, die wir sonst nicht erlebt hätten (oder habt ihr schonmal um 6.30 einen Wolfswelpen über eine Wiese tollen gesehen?).

Und noch ganz wichtig: Eine entspannte Schulzeit entlastet auch das Familienleben insgesamt ungemein!

***

Welche Tipps habe ich für Eltern? Das unterscheidet sich je nach Wohnlage.

Habt ihr Auswahlmöglichkeiten? Schaut euch einfach alles an! Stellt euch in der Pause neben den Schulhof und lasst die Stimmung auf euch wirken, vertraut auf eure Wahrnehmungsfähigkeit! Probleme gibt es an jeder Schule, es gibt immer Kinder, die dort nicht glücklich sind, es gibt überall mal Mobbing…

Hinterfragt wie damit umgegangen wird, ich war immer skeptisch wenn es hiess „sowas gibt es bei uns nicht!“ Und angetan wenn es hiess „wir nutzen die oder die Möglichkeiten zur Prävention und gehen so vor falls es doch mal dazu kommt“.

Reden die Lehrer mit den Schülern statt über sie?

Und wenn euch die Schule zusagt: Meldet euch an! Und zwar auf allen, die in Frage kommen, denn wahrscheinlich fühlen sich noch viel mehr Familien dort wohl 😉

Habt ihr keine Auswahl und seid entspannt damit? Perfekt, lasst einfach alles auf Euch zukommen!

Habt ihr keine Auswahl und geht es euch nicht gut damit? Erweitert euren Radius, schaut auch private Schulen an, bei fast allen gibt es Gebührenermässigungen, die individuell festgelegt werden. Fragt nach Fahrgemeinschaften bei entfernten Schulen, erfragt beim zuständigen Landkreis einen Fahrtkostenzuschuss.

Es gibt Möglichkeiten, die Schulen kennen sich da aus und beraten Euch da gern!

Habt ihr eine Wunschschule, aber die Plätze sind alle belegt? Lasst Euch auf Wartelisten setzen, fragt regelmässig nach, besucht die öffentlichen Feste, zeigt Präsenz! Ich habe eine Bekannte, da wurde auf Grund dessen, dass viele Eltern nachhaltiges Interesse gezeigt haben, tatsächlich eine weitere Klasse ins Leben gerufen….

Aber ganz wichtig: Schaut auf euer Kind und hört auf euer Bauchgefühl! Und vergesst nicht: eine Entscheidung ist keine Einbahnstraße, wenn ihr merkt, dass es der falsche Weg ist: fahrt zurück und nehmt die andere Abzweigung oder sucht euch einen ganz anderen Weg!

Liebe Grüße,

eure Muse Pampel

P.S. Auch hier bitte ich euch um respektvolle Kommentare, eigene Erfahrungen und auch gern Fragen! Gibt es welche unter euch, die ähnliche Mühen für die richtige Schulwahl nicht gescheut haben?

Liebe Grüße von Béa

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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1 Kommentare

Liv
Antworten 8. Juli 2019

Ich hätte gern die Grundschule ausgewählt. Die einzige Alternative, welche es im Umkreis gibt, ist eine Montessorischule. Und die ist schon gerade an der Grenze der noch machbaren Entfernung, kein Bus, selber fahren, gut Fahrgemeinschaft wäre vielleicht noch eine Möglichkeit gewesen. Aber leider bekamen wir keinen der Plätze, es gab fünfmal so viele Bewerber, wie Plätze. Das sagt doch schon alles über die Qualität der Grundschulen. Warum sind Eltern bereit so viel Geld für die Schule ihrer Kinder zu zahlen? Weil sie wollen, dass Kinder glücklich sind in der Schule. Wir gehörten leider nicht zum elitären Kreis derer, die einen Platz bekommen haben. Das Wort "elitär" bekommt noch mal mehr an Bedeutung, wenn man sich die Berufe der Eltern anschaut, von den Kindern, welche an der Montessorischule aufgenommen wurden. Nun bleibt nur die Regelschule - 4 lange Jahre - es geht mir nicht gut dabei. Aber eine Wahl habe ich ja nicht, ich muss mein Kind dahin schicken ...
Dahin wo im Pausenhof, die Großen, die Kleinen mobben, wo im Schulbus, die Großen, die Kleinen terrorisieren, dahin, wo den Lehrern das alles so was von egal ist und das schon seit Jahren, kein Landratsamt, niemand interessiert sich dafür, geschweige denn, versucht etwas zu ändern ...

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