Wie meine Hebamme unsere Sternenkind-Geburt begleitet hat – Gastbeitrag


Als wir den Beitrag über die Rettungsaktion eines Babys durch eine Hebamme publiziert haben, haben wir euch nach euren Hebammen-Geschichten gefragt. Diese hier haben wir von einer anonymen Mama bekommen und finden sie ganz besonders und emotional:

Die Geschichte einer Fehlgeburt – und wie die Hebamme das begleitet hat:

Beim ersten Termin beim Frauenarzt war ich in der 6. Woche schwanger. Auf dem Ultraschall habe ich einen kleinen Krümel gesehen, in dessen Mitte schon ein ganz kleines Herzchen pulsiert hat. Ganz stolz haben wir der Familie, unseren Freunden und unseren Arbeitskollegen davon erzählt und erste Bilder von unserem Krümelchen in der Welt verschickt.

Ich habe meine Hebamme angerufen und direkt einen Termin mit ihr vereinbart. Ja, auch so früh kann man schon eine Hebamme zur Betreuung suchen. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse. Alles lief gut, ich war zwar zwischendurch mal erkältet, aber nix dramatisches.

Kurz vor Fastnacht hatten wir dann wieder einen Termin beim Frauenarzt. Ich war in der 11. Woche. Mein Mann kam mit, um das Baby auch auf dem Ultraschall zu sehen.

Dann kam der Schock. Während der Untersuchung sah ich das Baby zwar auf dem Bildschirm, aber es pulsierte nichts.

Der Arzt versuchte noch mehrere Blickwinkel einzustellen – aber nichts. Er sagte dann ziemlich unverblümt: „Sie sehen ja selbst, da ist kein Herzschlag zu sehen. Das Kind ist tot. Bitte ziehen sie sich an, den Rest besprechen wir dann drüben.“ – und ging ins andere Zimmer.

Ich war so geschockt, ich konnte kaum Luft holen. Meinem Mann ging es genauso. Wir sind dann wie betäubt ins Sprechzimmer gegangen. Wo der Arzt dann die verschiedenen Möglichkeiten aufgezählt hat: Abwarten bis es von selber abgeht – hat aber viele Risiken, er würde eine Ausschabung empfehlen. In welches Krankenhaus ich denn gehen wollte? Seine Sprechstundenhilfe würde uns dann die Einweisung mitgeben und uns die Telefonnummer raussuchen, damit wir einen Termin im Krankenhaus machen können. Den Rest habe ich wie in Trance erlebt. Die Sprechstundenhilfe hat uns ins Labor gelotst, damit wir nicht ins Wartezimmer mussten, hat alle Papiere fertig gemacht und uns dann damit verabschiedet, dass wir, wenn alles rum ist, einen Termin zur Nachkontrolle machen können und Tschüß.

Im Auto angekommen, sind bei mir alle Dämme gebrochen. Ich habe wie wild rumgeheult.

Mein Mann hingegen war nur wütend. Am liebsten wäre er wieder zurück in die Praxis gegangen und hätte den Arzt für seine unsensible Art nachträglich aus dem Fenster geschmissen.

Ich habe zuerst versucht im Krankenhaus anzurufen. Hatte da aber niemanden auf der Station ans Telefon bekommen. In meiner Verzweiflung habe ich dann meine Hebamme angerufen. Die hat nur gesagt, wir sollten zuerst mal nach Hause fahren, zur Ruhe kommen und sie wäre in einer Stunde bei uns und wir könnten dann alle Möglichkeiten besprechen.

Meine Hebamme hat uns dann aufgeklärt, dass es durchaus möglich ist, dass man auch den natürlichen Abgang abwarten kann. Sie hat uns die Risiken erklärt (z.B. mögliche unkontrollierte Blutungen), aber auch mit komischen Vorstellungen aufgeräumt, die im Kopf herumschwirren. Es kann beim Abwarten nicht zu einer Vergiftung oder ähnlichem kommen. Das Kind ist weiterhin in seiner Fruchthöhle geschützt. Wenn der Körper selbst erkannt hat, dass da kein Leben mehr in der Fruchthöhle ist und bereit ist loszulassen, kommt es zu einer kleinen Geburt. Es gibt leichte Wehen, der Muttermund öffnet sich leicht und die Fruchthöhle und die Nachgeburt können abgehen.

Die Hebamme kann diese „stille Geburt“ auch begleiten. Auch übernimmt die Krankenkasse in der Regel die Kosten für die Hebammenrufbereitschaft in dieser Situation!

Bei einer Ausschabung, wie vom Frauenarzt empfohlen, wird unter Narkose der Muttermund hingegen gewaltsam geöffnet und die Gebärmutter mit einem Curettagelöffel ausgeschabt, um den Fötus und die Nachgeburt zu entfernen. Hierbei wird auch die Gebärmutterschleimhaut z.T mit abgeschabt, bzw. verletzt, woher auch oft die Empfehlung rührt, erst nach 3 Zyklen nach einer Ausschabung wieder schwanger zu werden, da sich die Gebärmutterschleimhaut erst wieder aufbauen muss.

Nach kurzer Überlegung war für uns klar, ich will abwarten. Ich will mich in Ruhe verabschieden können. Mich mit dem Gedanken abfinden können, dass dieses Baby nicht mein erstes Kind sein wird, dass ich aufwachsen sehe.

Es ging dann aber doch nicht so leicht wie wir uns das vorgestellt hatten.

Zuerst war es sehr schwierig, überhaupt einen neuen Frauenarzt zu finden, der bereit war, die natürliche Fehlgeburt zu begleiten. Wobei begleiten das falsche Wort ist. Eigentlich hatten wir ja nur einen Arzt gesucht, der noch einmal bestätigt, dass der erste Arzt keinen Fehler gemacht hat und dann später nach der natürlichen Fehlgeburt eine abschließende Ultraschalluntersuchung macht und bestätigt, dass der Abgang vollständig war.

Die eigentliche „Geburt“ sollte nur meine Hebamme begleiten.

Nach dem meine Hebamme insgesamt 10 Ärzte abtelefoniert hatte, hatten wir endlich jemanden gefunden, der dazu bereit war. Die anderen haben uns entweder direkt noch am Telefon versucht zu einer Ausschabung zu überreden oder abgelehnt, die Verantwortung bis zum ersten Untersuchungstermin bei ihnen zu übernehmen.

Es war nicht mit zwei-drei Tagen warten getan. Meine Hebamme hat regelmäßig nach mir gesehen.

Nach drei Wochen hat meine Hebamme gemeint, dass wir uns vielleicht doch einmal einen Endpunkt setzen sollten, bis wohin wir noch warten sonst lassen wir doch einen Ausschabung machen. Wir wollten noch bis zur nächsten Woche warten. In der Zwischenzeit bin ich auch wieder arbeiten gegangen. Mir wäre sonst zu Hause die Decke auf den Kopf gefallen. Donnerstags morgens hatte ich dann irgendwann starke Rückenschmerzen bekommen, die aber regelmäßig kamen und gingen. Wehen können halt auch in den Rücken ausstrahlen.

Meinen Arbeitskollegen war das dann nicht mehr so geheuer. Ich bin dann nach Hause gefahren. Meine Hebamme hat gesagt, dass ich sie jederzeit anrufen könnte, wenn es richtig losgeht, auch nachts.

Um 4:30 Uhr Freitag morgens waren die Wehen dann stärker. Ich habe dann meine Hebamme angerufen und meinen Mann geweckt. Der hat uns zuerst mal Tee aufgesetzt. Er hat dann in seinem „Superman“-Schlafanzug auch noch für einen Lacher gesorgt, als meine Hebamme gemeint hat, dass das das erste Mal sei, dass „Superman“ ihr einen Tee serviert.

Meine Hebamme hat mich dann mit Massagen und guten Worten durch die Wehen begleitet. Das Ganze hat gefühlt ewig gedauert. Irgendwann so gegen 10 oder 11 Uhr morgens habe ich dann Schmerzmittel genommen, weil es nicht mehr zum Aushalten war. Die Wehen kamen, aber gingen übergangslos ineinander über. Es gab keine Pausen dazwischen, es tat sich nichts. Später hat meine Hebamme gesagt, dass sie bei einer Fehlgeburt noch nie einen sogenannten „Wehensturm“ erlebt hat.

Nach einer Stunde, mein Mann war schon ganz nervös, haben auch meine Hebamme und ich eingesehen, dass wir so nicht mehr weitermachen können. Wir haben also doch noch einen Krankenwagen gerufen.

Mein Mann hat schnell ein paar Sachen in eine Tasche für mich gepackt und schon war der Krankenwagen vor der Tür. Im Krankenhaus angekommen, hatte die sehr nette aber resolute Ärztin vom Typ russische Kugelstoßerin gesagt, wir sollten zuerst mal eine Urinprobe in den Becher machen. Ich weiß bis heute nicht, ob das zum normalen Vorgehen gehört oder ob es mich nur mal ablenken sollte. Auf der Toilette dann ging es tatsächlich los und es fand das statt, worauf wir gewartet haben.

Auf dem Untersuchungsstuhl, haben wir dann die Ärztin gefragt, ob wir das Baby denn mit nach Hause nehmen könnten. Sie hat dann nur genickt und gesagt, dass da nix gegen spricht. Wir hatten dafür extra eine kleine Pappschachtel mitgebracht, die ich zu Hause schon bereit gelegt hatte. Nach der Untersuchung bin ich dann auf eigene Verantwortung wieder aus dem Krankenhaus nach Hause gegangen. Auf die Nachgeburt haben wir dann dort gewartet. Wir waren alle drei ziemlich fertig. Meine Hebamme hat mich noch gut in einer Decke eingepackt und uns dann alleine gelassen. Sie hat dann am nächsten Morgen (Samstags) dann noch mal nach mir gesehen.

Mein Mann und ich haben das Baby an diesem Tag zu seinem Opa in den Friedwald gebracht.

An diesem Baum werden auch wir irgendwann einmal unsere letzte Ruhestätte finden. Ein tröstlicher Gedanke, dass wir dann wieder zusammen sein werden. (Ich weiß, dass das eigentlich nicht gestattet ist, aber Babys unter 500g werden in Deutschland nicht bestattet!)

Meine Hebamme hat mich auch weiterhin betreut (ja, auch nach einer Fehlgeburt kann die Nachbetreuung durch eine Hebamme über die Krankenkasse abgerechnet werden). Sie hat mir und meinem Mann sehr beigestanden.

Ohne meine Hebamme wäre ich nicht richtig über meine Möglichkeiten aufgeklärt worden. Auch hätte ich niemals davon erfahren, dass mir überhaupt auch die Nachbetreuung durch eine Hebamme nach der Fehlgeburt (ob natürlich oder mit Ausschabung ist hier egal) zusteht!

Trotz der schwierigen Zeit habe ich mich durch meine Hebamme immer gut beraten und auch gut aufgehoben gefühlt! Ich bin ihr bis heute dafür dankbar.

Und ich bin dir, liebe anonyme Schreiberin, Dankbar für diese Geschichte. 

Liebe Grüße an alle,

Béa

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Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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