Das Anti-Drama-Queen Prinzip – oder wie ich es schaffe, bei Bedarf meine Emotionen im Zaum zu halten


Ihr habt in diesem Blog viel in Sachen „positiv Denken“ und „negatives Akzeptieren“ gelesen. Über gute Gefühle züchten und schlechte Gefühle zulassen. Da gerade über Weihnachten in vielen Familien und Social Media Plattformen Gefühle hochkochen, sind hier einige Gedanken zum Thema „Emotionen im Zaum halten“.

Zuvor kurz eine vorsichtige Anmerkung: Selbstverständlich gibt es nicht für alle einen einzigen heilbringenden Weg um das, was uns im Leben passiert, so zu verarbeiten, dass es uns gutgeht. Jeder ist ein einzigartiges Individuum mit einem einzigartigen genetischen Code, einer einzigartigen Geschichte und einzigartigen Wesenszügen. Dennoch haben wir Menschen gewisse Gemeinsamkeiten. Deswegen können wir uns gegenseitig inspirieren und wir können voneinander lernen.

Heute Abend möchte ich euch einen kleinen Trick verraten, der mir hilft, in schwierigen oder belastenden Situationen ruhig zu bleiben. Mich nicht von Gefühlen überwältigen zu lassen:

Mein Anti-Drama-Queen-Ansatz.

Okay. Reden wir erst über diese Formulierung, „Drama-Queen“. Wenn ich diesen Begriff benutze, kann es sein, dass er sich despektierlich anfühlt – vor allem für Menschen, die sich selbst als emotional, aufbrausend, sensibel und gefühlsintensiv betrachten. Das liegt mir fern. Emotionale, sensible, gefühlsvolle Menschen stellen für mich eine Bereicherung dar. In jeder Hinsicht. Ich bin selbst einer. Auch wenn ich mich auf einer Emotionalitätsskala gefühlt eher im Mittelfeld befinde. Ich liebe intensive Gefühle, strudelnde Wellen von Kreativität, Begeisterung, Freude und Liebe und nehme gern jede, die sich mir anbietet.

Die anderen Gefühle mit Vernichtungspotenzial mag ich aber nicht – die Wellen von Hass, Verzweiflung, Enttäuschung und Anklage. Ich kann nicht jeder solchen Welle ganz aus dem Weg gehen – aber ich kann darauf achten, dass ich mich nicht davon wegtragen lasse. Und das Bild von mir als „Drama Queen“ ist der Begriff, der mir hilft, mich davon zu distanzieren. Wer ihn doof findet, aber das Prinzip dahinter für sinnvoll erachtet, kann ihn gern kreativ anders definieren: Sterbender Schwan. Gefühlsvulkan. Brodelnder Polentatopf. Irgendetwas, was ihr eben NICHT sein wollt.

Wichtig ist das Prinzip dahinter. Und dieser lässt sich psychologisch und neurobiologisch erklären:

Unser Verstand riecht Drama-Lunte und steigt aufs Gaspedal in Sachen Erklärungen und Zukunftsvisionen!

Beispiel: Das Kind hat uns angelogen. Oh mein Gott! Das ist passiert, weil wir es damals vielleicht angeschrien haben oder in der Kita allein gelassen als es uns brauchte… oder… oh je!!! Alles Schlechte, was uns an Schuldmöglichkeiten einfällt, wird gedanklich hervorgeholt. Und wie kann sich das noch entwickeln? Einmal gelogen, morgen vielleicht Stehlen? Oh no, es wird kriminell und landet hinter Gittern, oder flieht mit einer Bande drogenschmuggelnden Mafiosos in gefährlichen Weltregionen, weit weg von uns?

Was mir schlechte Gefühle verschafft wird von meinem Verstand hochgebauscht.

Genau: Die Drama-Queen in meinem Kopf wirft sich theatralisch auf die Bretter, die meinen Verstand bedeuten. Und jault.

Sobald ich diese Einsicht habe, kann ich bewusst der Drama-Queen einen kühlen Drink oder eine kalte Dusche anbieten, zum runterkommen.
Und wenn ich dann soweit bin, richte ich den Blick auf das, was ich in oder aus dieser Situation lernen kann.

Zurück zu unserem Beispiel: Was bedeutet es, wenn Kinder lügen? Sind sie gar in der „magischen Phase“? Oder gibt es zwischen meinem Kind und mir Kommunikationsbedarf auf einer anderen Ebene? Hat es Angst, die Wahrheit zu sagen und wenn ja, warum?

Dann geht es. Ich gewinne Klarheit und meinen Lebenskompass wieder. Ich kann dann die positiven Wellen suchen und die daraus entstehenden guten Gefühle auch via Verstand steigern. Meine innere Drama-Queen wird zur selbstbewussten, steuernden Kapitänin. Aye, aye, maaam!

Könnt ihr damit was anfangen? Kennt ihr eure innere Drama-Queen und was sie in Fahrt bekommt?

Liebe Grüße, stay cool,

Béa

P.S. Nachtrag, angeregt durch einige Kommentare in dem Sinne: Ein wenig Drama-Queen schadet nicht – dann wissen die anderen, wo der Hammer hängt. Da würde ich gern differenzieren. Drama-Queen ist für mich, wenn ich mich als Opfer im Leiden suhle. Was die anderen wissen lässt, „wo der Hammer hängt“ ist eine andere Rolle: Der machtvolle Drache. Den lasse ich gezielt schnappen. Das ist was anderes:

Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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