Arbeiten bis zum Umfallen? Mach mal Pause, Mama


Kennst du das Gefühl, ohne Pause den ganzen Tag lang alles zu geben und trotzdem nicht genug zu tun? Den Spagat zwischen Job, Familie und Haushalt alleine meistern zu müssen? Dabei oft selbst zu kurz zukommen? Fühlst du dich auch oft nur müde und auspowert?

Laut einer Studie aus dem Jahre 2017 findest du dich damit in bester Gesellschaft mit tausenden anderen Müttern (und manchmal auch Vätern) wieder, denen es genauso geht.

Wir halten unseren Partnern „den Rücken frei“, damit sie den Kopf frei haben für ihren Arbeitsalltag. So haben wir es gelernt.

Dabei gehen wir oft selbst einer Arbeit nach. Bei uns in Deutschland arbeiten berufstätige Mütter durchschnittlich 80 Stunden jede Woche. Wir kommen von der Arbeit nach Hause, egal ob Teilzeit oder Vollzeit, um uns dann sofort um unsere Kinder und den lieben Haushalt zu kümmern. Die Fahrt von der Arbeit nach Hause ist oft unsere einzige Pause und selbst da haben wir den Kopf nicht frei.

Unsere Tage fangen früh morgens um 6 Uhr an. Und früher!

Und wenn die lieben Kleinen um 20 Uhr in ihren Betten liegen und die größeren sich still in ihre Zimmer zurückgezogen haben, ist unser Tag oft noch lange nicht zu Ende. Bei mir sieht es auch nicht anders aus.

Dazwischen haben wir natürlich noch getröstet, verarztet, zugehört, beraten, Nachhilfe gegeben, unsere Kinder zu Verabredungen, zum Sport oder Musikunterricht gefahren, Streit geschlichtet, für Essen und für Ordnung gesorgt. Hoffentlich schlafen die Kinder jetzt gleich gut ein und hoffentlich wird niemand krank.

Wann hast du dir eigentlich das letzte Mal frei genommen von der Arbeit, von den Kindern, vom Haushalt?

Wann hast du das letzte Mal etwas wirklich nur für dich gemacht? Und zwar ganz ohne schlechtes Gewissen? Wenn meine Nachbarin mich zum Kaffee einlädt, dann denke ich an den Wäscheberg, der schon wieder liegenbleibt. Pause? Fehlanzeige. Kein Wunder, dass wir Mütter uns oft einfach nur müde fühlen und unsere Tage uns alle gleich vorkommen. Wie im Hamsterrad.

So sieht das Dasein als Mutter oft aus, ja. Aber muss das so sein?

Unsere Gesellschaft ist so. Wir sind umgeben von energiegeladenen Supermuttis mit übervollen Terminkalendern für jedes einzelne Familienmitglied. Da steht man schon ein bisschen unter dem Druck, mithalten zu wollen, oder zu müssen. Wer möchte da schon freiwillig zugeben, dass das Pensum, das wir uns selbst abverlangen, zu hoch gesteckt sein könnte?

Mein Vater pflegte zu sagen: „Du willst doch eine gute Hausfrau sein?!“

Und meine Mutter kommt gerne mit den Worten: „Das habe ich früher auch alles alleine geschafft“, daher.

Gegen solche Worte wehrt sich alles in mir und ich denke mir nur, nein das möchte ich nicht!

Diese Einstellung hat niemandem gut getan. Oft genug haben wir als Kinder unsere Mutter an den Grenzen ihrer Kräfte gesehen.

Geht es dir genauso? Hast du das Gefühl, du arbeitest unermüdlich und tust trotzdem nicht genug? Du kannst es nicht allen recht machen, und das sollte auch nicht dein Anspruch sein. Irgendwer wird immer was zu Meckern finden.

Hast du also das Gefühl, du lebst im Hamsterrad, dann wird es Zeit, einen Gang runterzuschalten.

Allerdings wird dich niemand zur Seite nehmen und dir sagen, dass du mal eine Pause brauchst. Niemand wird dich nötigen, Urlaub zu machen. Niemand wird dich in ein Fitnessstudio schleppen oder auf ein Wellness-Wochenende. Es sein denn, du hast eine dieser ganz besonderen Freundinnen, die das einfach für dich tun.

Wie du dein Leben formst, das du leben willst, dafür bist du also ganz allein verantwortlich.

Hast du das schon lange nicht mehr gemacht, dann ist das vielleicht nicht ganz einfach umzusetzen. Womöglich werden dich Schuldgefühle plagen. Trotzdem ist es machbar. Entscheide dich bewusst dafür, selbst dafür zu sorgen, dass du dich in deinem eigenen Leben wohl fühlst.

Mach dich frei von der Vorstellung, die „perfekte“ Mutter sein zu wollen und dafür immer noch mehr zu geben.

Auch weniger perfekt finden deine Kinder dich immer toll, genau so wie du bist.

Du musst auch nicht rund um die Uhr dafür sorgen, dass deine Kinder etwas zu tun haben. Klar, brauchen sie Hilfe bei den Hausaufgaben, dann ist das in Ordnung. Aber zeige ihnen auch, wie sie selbst Lösungen finden oder wen sie noch fragen können.

Und danach darf es auch mal eine Runde Langeweile für die Kinder sein, das schadet ihnen nicht. So eine kleine Pause hilft ihnen dabei, eigene Ideen zu entwickeln oder selbst ein bisschen zur Ruhe zu kommen.

Dein Haushalt muss auch nicht jeden Tag so aussehen wie aus einem Hochglanzkatalog.

In deinem Haus wird gelebt. Dort geht etwas zu Bruch, es landet mal ein Fleck auf dem Sofa, auszufüllende Formulare verteilen sich auf dem Küchentisch. Es ist nicht schlimm, wenn das auch andere sehen. Bei denen zu Hause geht es schließlich nicht anders zu.

Du darfst also, wenn abends Ruhe eingekehrt ist, selbst auch ein bisschen runterfahren, Dich aufs Sofa kuscheln, Dir eine Pause gönnen, ein Buch zur Hand nehmen oder einen Film schauen. Kerzen anmachen, Dir einen Tee kochen – tu das, was Dir ein bisschen Entspannung vom Tag verschafft.

Wenn du dir Freiräume schaffst, müssen viele Dinge natürlich trotzdem erledigt werden – gib was ab von deiner Arbeit.

Arzttermine organisieren und wahrnehmen, Formulare ausfüllen, am Wochenende auf dem Fußballplatz stehen oder die Tochter zum Auftritt begleiten, und immer noch die ganze Hausarbeit … Spanne ruhig deinen Partner mit ein, er kann das auf seine Weise bestimmt genauso gut. Und auch die Kinder können mithelfen.

Was ist eigentlich mit deinen Träumen und Zielen?

Erinnerst du dich daran, wovon du geträumt hast, bevor du eine eigene Familie hattest?

Wolltest du schon immer deinen Motorradführerschein machen? Für einen Marathon trainieren? Oder so richtig tanzen lernen? Vielleicht doch noch in deinem Traumberuf arbeiten? Oder einfach nur dieses eine uralte Buch lesen, das schon seit 10 Jahren in deinem Bücherregal verstaubt, weil du einfach keine Zeit findest?

Du kannst immer noch damit anfangen. Jeder noch so kleine Schritt bringt dich deinen eigenen Zielen ein kleines Stück näher und sorgt dafür, dass du dich wohl fühlst in deiner eigenen Haut.

Frau sein, Mutter sein, Hausfrau sein und oft auch noch arbeiten gehen …

Das ist eine allumfassende, anstrengende Aufgabe. Was du daraus machst, bestimmst du allein. Arbeitest du bis zum Umfallen, hat aber niemand etwas davon.

Egal, wie du es anfängst, du bist deinen Kindern immer ein Vorbild. Lass sie mit Liebe und Fürsorge aufwachsen. Lass sie teilhaben an dem, was für dich wichtig ist. Zeige ihnen aber auch, warum du Zeit für dich selbst brauchst. Denn nur, wenn es dir gut geht, dann geht es auch deinen Kindern gut.

Liebe Grüße

Eure Doro

Doro
About me

Vom Stadtkind zur Landmama. Heimwerkerin und Basteltante, Bücherratte und Bilderdenkerin. Gnadenloser Optimist. Nachteule und Langschläfer. Immer neue Flausen im Kopf. Single-Mom in einem 4-Kinder-Haus und Vollzeit im Beruf. Büroflüchtling, wann immer ich kann. Verliebt in den Himmel und die Magie von Büchern ... Und irgendwann schreibe ich selbst ein Buch.

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