Welchen Wolf füttere ich gerade? – eine Achtsamkeits-Geschichte, nicht nur für unsere Kinder


Wir erleben täglich Streit, Wut, Hass und Schlimmeres. Kinder sind mit Situationen konfrontiert, die ihnen Angst machen. Heute Abend hat unsere Achtsamkeitskolumnistin mindfulsun eine sehr schöne Geschichte für euch – und ihre Reflexion dazu, zusammen mit der Erfahrung, wie diese auf ihren Teenie-Sohn wirkt:

Heute möchte ich euch eine kleine Geschichte vorstellen und was sie für mich bedeutet.
Sie wird in unterschiedlichen Versionen erzählt, hier könnt ihr meine lesen.

Béa hatte auf Facebook gefragt, was ihr gern von mir lesen würdet. Es kamen einige Fragen zum Thema: Achtsamkeitsübungen für Kinder. Dazu möchte ich jetzt gerne eine Serie starten und mit dieser Geschichte beginne ich heute. Sie ist für Kinder und für Erwachsene. Mich hat sie sehr berührt. Und wenn ich spüre, ich werde wieder unachtsam, hole ich sie mir wieder ins Gedächtnis. Diese Geschichte ist auch der Grund für meinen derzeitigen Social Media Detox:

Die zwei Wölfe in uns

Am Abend sitzt ein Cherokee Häuptling mit seinem Enkelsohn am Lagerfeuer. An diesem Tag hatte der Junge einen lautstarken, zornigen Streit zwischen anderen Dorfbewohnern mitbekommen.
„Großvater, warum streiten sich Menschen?“, fragte der Junge. Denn ihn beschäftigte, was er da miterlebt hatte.
Der Großvater dachte eine Weile nach und sagte: „Wir alle haben zwei Wölfe in uns. Einer ist voller Zorn, falschem Stolz, Gier, Arroganz, Neid, Eifersucht und Egoismus. Der kleinste Anlass lässt ihn sofort reagieren und oft Schaden anrichten.
Der andere Wolf ist erfüllt von Güte, Mitgefühl, Demut, Empathie, Liebe, Frieden, Großzügigkeit, Dankbarkeit und Hoffnung.
Und diese Wölfe kämpfen stets miteinander.“

„Habe ich diese Wölfe auch in mir?“, frage der Junge.
„Ja, sie kämpfen in jedem von uns.“, antwortete der Großvater.

Der Junge dachte einen Moment nach „Welcher Wolf wird gewinnen, Großvater?“
Der Häuptling lächelte und sagte: „Der, den du fütterst.“

Mich hat diese Geschichte sehr beeindruckt. Sie berührt mich jedes Mal, wenn ich daran denke.

Für mich symbolisieren diese beiden Wölfe vor allem Achtsamkeit. Denn auch ich habe, wie jeder Mensch, diese Wölfe in meiner Brust. Ich möchte den unachtsamen Wolf nicht füttern!

Diese Geschichte habe ich auch meinem Teenager erzählt, als er mich fragte, warum ich meditiere und was Achtsamkeit überhaupt bedeutet. Worauf ich sehr achte und das finde ich – gerade bei Kindern – wichtig: Ich nenne sie nicht, den guten und den bösen (schlechten) Wolf.


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Es gibt keine guten und bösen Gefühle, alle Gefühle sind Teil von uns.

Wir allerdings entscheiden, was wir daraus machen und wie wir reagieren und handeln. Wir entscheiden, ob wir den Zorn füttern und unsere Wut an Menschen auslassen oder uns dem Mitgefühl und der Fähigkeit zu Verzeihen hinwenden. Wir haben die Wahl zu geben oder egoistisch zu sein. Wir können uns bewusst dafür entscheiden, uns und andere nicht zu bewerten und zu beurteilen. Es liegt in allen von uns!

Manchmal führe ich mir die Geschichte vor Augen, wenn ich merke, ich werde wieder unachtsam.

Ich möchte ganz bewusst und achtsam den mitfühlenden und gütigen Wolf stärken.

Ich weiß, der andere Wolf ist ein Teil von mir und das habe ich akzeptiert. Denn auch das ist wichtig: Ihn zu bekämpfen, kostet mich zu viel Kraft und Energie. Ich kann diese Gefühle annehmen und ich kann mich entscheiden, nicht danach zu handeln. Und ich kann mit Selbstmitgefühl auf mich schauen: Mich nicht dafür verurteilen, dass ich diese Gefühle in mir habe. Auch mit Selbstmitgefühl füttere ich den achtsamen Wolf, der in dem meine Werte lebendig sind.

Diese Geschichte erinnert mich daran, dass ich jeden Tag – mit den scheinbar kleinsten Entscheidungen, Taten und Worten – die Wahl habe, anderen Menschen und auch mir etwas Gutes zu tun.

Achtsamkeitsübungen, besonders Meditation sind hier für mich unerlässlich. Denn Meditation schafft den Raum dafür, meine Gedanken und Gefühle anzuschauen, ohne zu bewerten. Ich kann an den Veränderungen alter Mustern arbeiten, um den achtsamen Wolf zu stärken.

Denn ich habe für mich festgestellt: Diesen mitfühlenden Wolf zu nutzen, mit allem was er in sich hat, stärkt ihn und mich. Und das tut den Menschen um mich herum gut.

Mein Sohn hat sich diese Geschichte sehr genau angehört. Und er versucht auch, achtsamer zu reagieren – nicht mehr aus dem ersten Impuls heraus. Natürlich frage ich meinen Teenager nicht: „Welchen Wolf fütterst du gerade?“ Er kann sich das selbst fragen. Ich spüre, wie es in ihm arbeitet und wie er sich verändert.

Vielleicht hat euch diese Geschichte auch berührt. Und vielleicht ist sie für euch auch eine Inspiration: für euch selbst und für Gespräche mit euren Kindern. Ich finde sie einen wertvollen Start für einen gemeinsamen, achtsamen Weg. Hier eine wundervolle animierte Version:

Konkrete Übungen für und mit Kindern kommen demnächst. Denn auch das Stärken des achtsamen Wolfes kann visualisiert und somit geübt werden.

Ich hoffe, der eine oder andere von euch wird in dieser Woche in mancher Situation an diese Geschichte denken: „Welchen Wolf füttere ich gerade?“

Namasté,
eure mindfulsun


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Béa Beste
About me

Schulgründerin, Mutter, ewiges Kind. Glaubt, dass Kreativität die wichtigsten Fähigkeit des 21. Jahrhunderts ist und setzt sich für mehr Heiterkeit beim Lernen, Leben und Erziehen ein. Liebt Kochen, reisen und DIY und ist immer stets dabei, irgendeine verrückte Idee auszuprobieren, meist mit Kindern zusammen.

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